Snocaps - Snocaps
Anti / Indigo
VÖ: 31.10.2025
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
Zurück auf Anfang
Manchmal braucht es keinen Masterplan, keine Agenda und schon gar keinen Karriereknick, um etwas Relevantes entstehen zu lassen. Manchmal reicht es, sich zu erinnern, wie sich Musik früher angefühlt hat: unbedarft, dringlich, ganz bei sich. Snocaps sind aus genau diesem Impuls heraus entstanden. Das Quartett vereint die Crutchfield-Schwestern Katie, besser bekannt als Waxahatchee, und Allison von der Indie-Rock-Band Swearin' mit MJ Lenderman und Brad Cook – und ist doch weniger Supergroup als Rückbesinnung. Es ist das erste gemeinsame Album der Schwestern seit ihrer Zeit bei P.S. Eliot und zugleich Allisons erster Output seit 2018. Entstanden ist das Debüt "Snocaps" innerhalb einer Woche, ohne große Ambitionen, dafür mit dem erklärten Wunsch, wieder dort anzusetzen, wo alles begann. Oder, wie Katie es selbst formulierte: bei den reinsten Versionen des eigenen musikalischen Selbst.
Dass dieses Zurückspulen kein nostalgisches Verharren ist, zeigt bereits der Opener "Coast". Locker losrollender Indie-Pop, ein Roadtrip unter Freund*innen, das Gaspedal voll durchgetreten, Fenster runter, Vernunft kurz vergessen. "I could never just coast" ist hier nicht nur eine beliebige Zeile, sondern ein Motto. Die Single "Heathcliff" nimmt diesen Bewegungsdrang auf und kippt ihn in etwas Unheilvolleres: Der Roadtrip wird zur Massenkarambolage, die besungene Beziehung zum Totalschaden. Zwischen Jangle-Gitarren wie in dem verspielten "Avalanche" und dem herrlich vorwärtsdrängenden "Over our heads", in dem die Schwestern kokett vor dem selbst angerichteten Chaos davonlaufen, zeigt sich ein Album, das Leichtigkeit nicht mit Belanglosigkeit verwechselt. Hier wird gerannt, gelacht und eben auch geflohen – aber nie ohne Blick zurück. Oder mit den Worten der Crutchfields: "Don't bother chasing us, boys / We'll see ourselves out." Dass Allison sieben Songs beisteuerte und Katie sechs, hört man weniger als Aufteilung denn als Dialog – zwei Stimmen, die sich kennen, ergänzen und widersprechen dürfen.
Auch in den raueren Momenten sitzt jeder Handgriff. "Cherry hard candy" ist ein kantiger Indie-Rocker, getragen von einem fantastischen Lenderman an der E-Gitarre, während der minimalistische Blues von "I don't want to" mit wenigen Worten große Schwere transportiert. "This shadow's with me every day", heißt es dort, und plötzlich wirkt das zuvor so sonnige Album merklich schattig. Spätestens mit der herzzerreißenden Pop-Punk-Nummer "You in rehab" wird klar, wie tief manche Wunden sein können: "I watch myself / Split in two / One loves me / And the other loves you", singt Allison und lässt keinen Zweifel daran, dass hier alte Muster, Verletzungen und Nähe neu verhandelt werden müssen – und können.
Am Ende schließt sich der Kreis. Das kaum 40 Sekunden lange "Coast II" greift die zentrale Zeile "I could never just coast" aus dem Opener wieder auf, diesmal in schlafzimmerhafter Intimität, entrückt und beinahe persönlich. Nie einfach treiben lassen – aber manchmal kurz innehalten. Genau darin liegt die Stärke von "Snocaps": Dieses Album klingt nicht wie ein großes Comeback, sondern wie ein ehrliches Wiederfinden. Ohne Druck, ohne Pose, ohne den Versuch, irgendwem etwas zu beweisen. Snocaps erinnern daran, dass der Anfang oft der beste Ort ist, um weiterzugehen. Und dass man nicht unbedingt stehen bleibt, nur weil man mal bewusst zurückblickt.
Highlights
- Coast
- Cherry hard candy
- Over our heads
- You in rehab
Tracklist
- Coast
- Heathcliff
- Wasteland
- Brand new city
- Hide
- Cherry hard candy
- Avalanche
- Doom
- Over our heads
- Angel wings
- I don't want to
- You in rehab
- Coast II
Gesamtspielzeit: 33:42 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Peacetrail Postings: 4171 Registriert seit 21.07.2019 |
2026-01-05 20:19:49 Uhr
Sehr schönes Album. Heathcliff müsste auch noch zu den Highlight-Tracks. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30002 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-01-05 19:49:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert als "Vergessene Perle 2025". Meinungen? |
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MickHead Postings: 9555 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-11-07 09:12:18 Uhr
Gaesteliste.dehttps://gaesteliste.de/2025/11/07/review/snocaps-snocaps/ |
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Unangemeldeter Postings: 2341 Registriert seit 15.06.2014 |
2025-11-03 15:22:26 Uhr
Da erkenne ich nur auf dem Pitchfork-Foto der Alben to listen to Katie Crutchfield und erfahre darüber, dass die Crutchfield-Sisters hinter dieser Band hier stecken... Bei allem Respekt dafür dass man als eigenes Bandprojekt wahrgenommen werden möchte - so hätte ich das Album fast verpasst. Werde es mir heute Abend mal anhören und bin gespannt! |
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saihttam Postings: 2822 Registriert seit 15.06.2013 |
2025-11-02 12:28:51 Uhr
Wie schön! Swearin' und Waxahatchee sind beide so toll. Ihre frühere gemeinsame Band habe ich auch ein bisschen gehört. Und das hier klingt auch wieder nach ganz vielen tollen kleinen Rockhymnen. |
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Referenzen
Waxahatchee; Swearin'; MJ Lenderman; Wednesday; Sharon Van Etten; Julia Jacklin; Phantasic Ferniture; Courtney Barnett; Jen Cloher; Momma; Great Grandpa; Angel Olsen; Wye Oak; Julia Holter; Julianna Barwick; Eleanor Friedberger; Warpaint; Feist; Laura Marling; Anna Calvi; Land Of Talk; Tennis; Marissa Nadler; Emily Jane White; Tori Amos; Shannon Wright; Dear Euphoria; Emiliana Torrini; Lower Dens
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- Snocaps - Snocaps (6 Beiträge / Letzter am 05.01.2026 - 20:19 Uhr)



