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Maruja - Pain to power

Maruja- Pain to power

Music For Nations
VÖ: 12.09.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Nur ein Wort

Wenn gut Ding Weile haben will, dann müsste "Pain to power" das Album des Jahres 2025 sein. Elf Jahre lagen bei Maruja zwischen Gründung und Debütalbum. Natürlich hat die Band in der Zwischenzeit schon mit einer Hand voll EPs für Furore gesorgt, aber beides zusammen hat die Erwartungen der gar nicht mehr so kleinen Fanbase nicht gerade gering gehalten. Das Quartett hat sich davon scheinbar nicht beeindrucken lassen und wirkt in den acht Stücken selbstbewusst und überraschend ungebunden und formlos. Gleich drei Songs bewegen sich an der Zehn-Minuten-Marke. Diese Zwanglosigkeit stellt sich zum Glück als Vorteil heraus.

Doch erst mal muss man den Opener "Bloodsport" beiseite schieben. Der ist nämlich das gradlinigste Stück auf "Pain to power" und nicht wirklich repräsentativ für Maruja. Die Rap-Einflüsse von Kendrick Lamar bis Little Simz versucht Sänger Harry Wilkinson zwar gar nicht zu kaschieren und sie blitzen immer mal wieder durch, allerdings nirgends so stark wie im ersten Song der Platte. Saxophon und Synthesizer ziehen die Spannungsschraube an, aber die Intonation im Refrain klingt Gott bewahre sogar ein bisschen nach New Metal. "So sind die eigentlich gar nicht!", hört man die Fans unken. Und tatsächlich sind die Jungs aus Manchester immer dann am stärksten, wenn sie sich gar nicht so sehr mit ihren Texten aufhalten und man sich in ihren ellenlangen Stücken verlieren und sich hypnotisieren lassen kann. Als anschlussfähigstes Beispiel sei "Look down on us" empfohlen, das flächendeckende Bläser in einen Kampf auf Leben und Tod mit scharfen Streichern schickt. Wie Mungo und Kobra im Duell durchläuft der Song mehrere Phasen, um dann erschöpft und blutend zu Boden zu gehen.

Das darauf folgende "Saoirse" bietet das genaue Kontrastprogramm und wünscht sich Frieden. Die langsame Ballade glaubt an das Gute und wird nach erster Unscheinbarkeit von Durchlauf zu Durchlauf zu einem größeren Highlight: "It's our differences that make aus beautiful." Die teilweise plakativen Texte auf "Born to die" mögen nicht jedem zusagen, wenn es beispielsweise Zeilen gibt wie: "Lion or the sheep, the victim or the villain?" Das Narrativ um einen Kampf zwischen Gut und Böse ist nicht besonders originell. So sind Parolen nun mal, wenn sie hängenbleiben sollen. Das gelingt zum Beispiel in "Trenches", das nicht etwa ein Lobgesang auf eine Wiedereinführung der Wehrpflicht ist, sondern eine Aufforderung, für das zu kämpfen, was einem wichtig ist. Da heißt es dann vermeintlich banal, aber eben sehr treffend mehrfach: "I'll see you in the trenches." Und die zwei Minuten Spoken-Word-Monolog zu Beginn von "Born to die" versteht man gerne, wenn sich danach ein Song acht weitere Minuten aufbaut und man sich wieder von den motivierten Drums mitreißen lässt, im Mittelteil eine schöngeistige Harmonie kurz Optimismus zulässt und dann angeschlagene Riffs wie eine Hommage an Rage Against The Machine klingen.

Wer ein Label dranhängen möchte, sieht in Maruja wahrscheinlich am ehesten eine Post-Rock-Band. Aber mit den eindeutigen Jazz-Einflüssen, dem prominenten Saxophon und den offensichtlichen Hip-Hop-Nuancen in Wilkinsons Artikulation und Intonation, bieten die Briten deutlich mehr Optionen. Das an vorletzter Stelle stehende "Zaytoun" ist dann tatsächlich eine viereinhalb Minuten lange und rein instrumentale Klangcollage, die eher ein psychedelisches Intermezzo, als ein ausformulierter Song ist. Das abschließende "Reconcile" stellt die besondere Formfreiheit Marujas in den Vordergrund, verwandelt sich mehrfach und bietet mehr Abwechslung als manche Bands auf ganzen Alben. Allein in den letzten vier Minuten stimmt die ganze Band gemeinsam zum Gesang ein, um dann die letzten Kraftreserven zu zünden und sich in einen Rausch zu spielen. Das Einzige, was man Wilkinson und Konsorten mit auf den Weg geben möchte, ist ihm vorsichtig die Finger auf die Lippen zu legen und zu flüstern: "Du musst gar nicht so viel sagen. Wir wissen genau, was Du meinst."

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Look down on us
  • Saoirse
  • Reconcile

Tracklist

  1. Bloodsport
  2. Look down on us
  3. Saoirse
  4. Born to die
  5. Break the tension
  6. Trenches
  7. Zaytoun
  8. Reconcile

Gesamtspielzeit: 50:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29979

Registriert seit 08.01.2012

2026-01-05 19:48:16 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert als "Vergessene Perle 2025".

Meinungen?



diggo

Postings: 195

Registriert seit 02.09.2016

2026-01-03 20:43:25 Uhr
Habe es mehfach mit der Platte versucht, ist mir aber zu anstrengend… könnte mir deshalb vorstellen, dass das die 9/10 der Vergessenen Perlen wird. Sowas kommt hier ja regelmässig recht gut an.

Arne L.

Postings: 2718

Registriert seit 27.09.2021

2025-11-26 07:46:53 Uhr
Ich sichte für die Jahreslisten gerade noch ein paar Alben bzw. höre in viele zwei, drei Songs rein, um zu gucken, ob ich in den nächsten Tagen noch richtig reinhöre und das hier brauchte nur anderthalb Songs, um grünes Licht zu bekommen. Krasse Energie!

Lukin

Postings: 26

Registriert seit 02.09.2021

2025-11-25 23:32:41 Uhr
Live leider zum Fremdschämen. Den jungen Leuten scheint es zu gefallen. Alles gut. Und ja, guter, druckvoller Sound, aber jede Geste, jeder BLick ist einstudiert, der Sänger prollig ohne Ende, dazu peinliche theatratische und ironiefreie Politik-Symbolik. Puuh...da bin und war ich schon immer raus. Generationending offenbar.

edegeiler

Postings: 3274

Registriert seit 02.04.2014

2025-11-21 08:39:01 Uhr
Ja ich stand weiter hinten, eher bei der Bar. War gestern solo unterwegs und ein bisschen faul. Fand es cool, musste aber schon vor dem letzten Song den Laden verlassen um den SEV nach Bonn zu kriegen. Die Zugabe habe ich leider gar nicht mitbekommen. Intensive Performance.
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