Marie Davidson - City of clowns
Deewee / Because / Al!ve
VÖ: 28.02.2025
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
To serve the master
Die Frau mit den harten Beats ist zurück. Wenn Marie Davidson ein neues Album aufnimmt, dann reiht sie zumeist nicht einfach nur Track an Track, sondern sie bietet auch ein übergreifendes Konzept an. Ob sie mit ihrem Ehemann Pierre Guérineau unter dem Namen Essaie Pas beherzt Philip K. Dick in dunkelektronischen Pop übersetzt, oder auf "Working class woman" sozialkritisch mit der modernen Arbeitswelt ins Gericht geht. Das alles untermalt von kühlen Sounds zwischen Techno, EBM, Dark und Cold Wave. Allerdings hatte sie sich von den tanzbaren Zeiten auf ihrer letzten Platte "Renegade breakdown" dann doch ein ganzes Stück entfernt. Doch dann traf sie auf die Dewaele-Brüder, die als Soulwax gerade selbst die Liebe zum Club bekräftigt hatten, wie sich auf ihrer diesjährigen Rückkehr "All systems are lying" gut nachhören lässt.
Die lügenden Systeme wären auch ein guter Titel gewesen für die Stadt der Clowns. Denn als diese Clowns lassen sich die Köpfe der Big-Tech-Giganten identifizieren, die auf dieser Welt zunehmend machen, was sie wollen, und relativ ungestört drauf und dran sind, uns in eine faschistoid-futuristische Maschinenzukunft zu führen. Neben Davidsons Lieblingsautor Dick ist auf diesem Album ein weiteres Buch stets präsent, Shoshana Zuboffs "The age of surveillance capitalism". Die sphärischen Sounds des einleitenden "Validations weigh" übergeben den gesprochenen Text auch direkt an Amazons Text-to-speech-Generator Polly, und schon ist von einem Maschinenschwarm als Ideal für den Menschenschwarm die Rede. Gleichgeschaltet. Dann setzen die harten Beats ein, die Kanadierin flüstert "I want your data, data, baby!" und will doch nur "Demolition". Die Datenkraken saugen alles Nützliche vom zum Objekt degradierten Menschen ab und lenken diesen sabbernden Trottel via "Sexy clown" ab. Aber es tanzt sich doch so schön zu mitreißendem Geknatter wie "Push me fuckhead"!
Vielleicht ist es doch einfach besser, sich mit dem richtigen Mittel (rote oder blaue Pille?) zu herrlich retro-futuristischen Synthesizern in die "Fun times" fallen zu lassen, während in einem Nebenraum zu Chiptune-Sounds das "Statistical modelling" berechnet, wer noch wie lange zu gebrauchen ist. Was diejenigen hinter den Steuerhebeln dabei vom Rest der Menschheit halten: "Y.A.A.M." heißt "Your asses are mine" (aber on the floor, please) und buchstabiert parallel ein großes "F.U.C.K.Y.O.U." aus. Und dann ballert es auf "Contrarian" plötzlich, als hätten The Prodigy ihren "Firestarter" updaten lassen. Dystopische Klangerzeugungsgerätschaften schließen final den Käfig ab, wissend "You will never catch me" summend, denn die "same old stories" funktionieren immer wieder, das Opfer bleibt "Unknowing". Sind am Ende also die titelgebenden Clowns gar nicht jene Bezose, Musks, Zuckerbergs, Turleys, Huangs und Thiels ... sondern doch wir, als Bewohner ihrer durchmaschinisierten, -optimierten und -überwachten Zukunftsstädte?
Highlights
- Demolition
- Fun times
- Y.A.A.M.
- Contrarian
Tracklist
- Validations weight
- Demolition
- Sexy clown
- Push me fuckhead
- Fun times
- Statistical modelling
- Y.A.A.M.
- Contrarian
- Unknowing
- Y.A.A.M. (Soulwax version)
Gesamtspielzeit: 47:50 min.
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Neues Video zu "Fun Times"https://youtu.be/mfFabyk9lKY?si=B2iCSldIF74LIMJ8 |
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Socko Postings: 2806 Registriert seit 06.02.2022 |
2025-11-27 21:36:35 Uhr
Heute entdeckt.die gesamte diacografie könnte einen Kauf wert sein. Leider nur das kollaabialbum und das neue als Vinyl noch zu haben...was ich dann auch tun werde |
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Der Wanderjunge Fridolin Postings: 4920 Registriert seit 15.06.2013 |
2025-03-13 00:14:20 Uhr
AdJ bisher. Basst alles weg. Könnte bei mir Allie X ablösen. Würde ja passen, Kanada. |
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Der Wanderjunge Fridolin Postings: 4920 Registriert seit 15.06.2013 |
2025-03-12 23:52:01 Uhr
Sehr geil. |
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Referenzen
Essaie Pas; Soulwax; Miss Kittin; Boy Harsher; Dina Summer; Helena Hauff; Julee Cruise; Jamie xx; The xx; Factory Floor; Nitzer Ebb; DAF; Sophie; Police De Moeurs; Deux; Xeno & Oaklander; Drab Majesty; DKMD; Kompromat; Bernardino Femminielli; Pharmakon; Not Waving; Nina Kraviz; Puce Mar; Carla Dal Forno; Laurel Halo; Princess Century; Aisha Devi; Gesaffelstein; Alesia; Daft Punk; Kraftwerk; LCD Soundystem; The Prodigy; Baxter Dury; Goldfrapp; Austra; L’Œil Nu; Les Momies De Palerme; Land Of Kush
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