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Woods Of Birnam - Solaris

Woods Of Birnam- Solaris

Royal Tree / Broken Silence
VÖ: 12.12.2025

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Visionen im Planetenozean

Konzeptalben können sie, Woods Of Birnam. Nicht nur den Bandnamen verdanken sie Shakespeare, sie haben ihm auch schon komplette Platten wie "Searching for William" gewidmet und führen regelmäßig seinen "Hamlet" im Theater auf. Klar, Sänger Christian Friedel ist ja auch Schauspieler – dem breiteren Publikum vor allem durch seine Darstellung des Polizeifotografen Reinhold Gräf in "Babylon Berlin" bekannt, außerdem sollte man unbedingt den eindrücklichen Film "The zone of interest" gesehen haben, in dem er den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß spielt. Drei der anderen vier Bandmitglieder – Christian Grochau, Philipp Makolies und Uwe Pasora, der "Solaris" auch produziert hat –, kennt man noch von Polarkreis 18, hinzu kommt mittlerweile Keyboarder Onno Dreier. Weitere konzeptuell angelegte Alben gab es unter anderem zum Thema Tod ("Grace") und – richtig verrückt, aber grandios umgesetzt – zu vertonten Gemälden der Alten Meister ("How to hear a painting").

Doch dieses Mal verlassen die Musiker gleich ganz die Erde. Denn "Solaris" bezieht sich natürlich auf den Science-Fiction-Klassiker von Stanislaw Lem aus dem Jahre 1961. Das (Wieder-)Lesen lohnt sich. Ohnehin schreien die utopischen Werke des polnischen Schriftstellers in diesen düsteren Zeiten und rund um den Wahnsinn, den die KI anzurichten imstande ist, geradezu nach Neuentdeckung. Nicht nur dieses Werk hier, an dem sich auch Meisterregisseure wie Tarkowski und Soderbergh bereits versucht haben. Und jetzt eben Christian Friedel, der es in diesem Jahr ans Frankfurter Schauspiel brachte. Die Texte für das Album verfasste Schauspielkollege Robert Gwisdek, selbst ebenfalls immer wieder als Musiker unter dem Alias Käptn Peng mit oder ohne die Tentakel von Delphi unterwegs.

Wer Woods Of Birnam oder auch ihre Vorgängerband kennt, weiß, die trauen sich auch Bombast und Epos. In dieser Dreiviertelstunde Musik bekommen sie es von vorne bis hinten hin, einen funktionierenden Albumfluss, mächtige Sounds, dramatisches Storypathos und doch auch introspektive Momente zu verbinden. Gut die Hälfte der 15 Stücke – meistens die kürzeren Tracks – sind instrumental gehalten und verbinden mit atmosphärischen Soundscapes die Suche des Protagonisten Kris Kelvin auf dem fremden Planeten in einer immer mehr zerfasernden Geschichte. Während Friedel die poetischen Texte gefühlvoll zu den schwelgerischen Sounds zwischen Indiepop und Elektronik einsingt.

Was dabei auch nicht zu verachten ist: das starke Songwriting. Auch abseits von Konzept, Zeit und Raum stehen das eingängige "Polytheria", das verträumte "Symmetriaden", "Harey's song", jene Ballade über die eigentlich verstorbene Frau, die Kelvin aber plötzlich erscheint, oder das fast klassische "Mirrors" für sich selbst als gute Songs. Dazu wird es in der Mitte richtig tanzbar, vom knarzigen "Degeneration", über das hypnotische "100 Schlüssel", bis zum Synthiegewitter "Echoform", gefolgt von "Your eyes" als Runterkommer. Wie funktioniert das eigentlich im Weltraum? Spock, Sie alte Tanzmaus, übernehmen Sie!

(Thomas Bästlein)

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Highlights

  • Polytheria
  • 100 Schlüssel
  • Echoform
  • Your eyes

Tracklist

  1. Arrival
  2. Polytheria
  3. Echo:Human
  4. Symmetriaden
  5. The ocean remembers
  6. Harey's song
  7. Degeneration
  8. Lucid dream
  9. 100 Schlüssel
  10. Kolloquium
  11. Echoform
  12. Your eyes
  13. L.O.X.
  14. Mirror
  15. Leaving Solaris

Gesamtspielzeit: 45:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

8hor0

Postings: 1598

Registriert seit 14.06.2013

2025-12-20 09:13:15 Uhr
Dankeschön! :)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30387

Registriert seit 08.01.2012

2025-12-19 23:22:30 Uhr
Danke, wird korrigiert.

8hor0

Postings: 1598

Registriert seit 14.06.2013

2025-12-19 22:50:29 Uhr
Tatsächlich falsch verlinkt auf der Startseite, in der Rezi-Liste stimmt der Link.

Arne L.

Postings: 2946

Registriert seit 27.09.2021

2025-12-19 22:37:38 Uhr
Wenn ich auf der Startseite aufs AdW klicke, komme ich bei der Kritik zu Danko Jones' "Leo rising" raus. Ist das nur bei mir so?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30387

Registriert seit 08.01.2012

2025-12-19 21:32:56 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

"Album der Woche"!

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