Simply Red - Recollections
Music On CD / Bertus
VÖ: 21.11.2025
Unsere Bewertung: 5/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Warum eigentlich?
Taylor Swift hat es in den vergangenen Jahren vorgemacht: Alte Songs können erfolgreich neu eingesungen, schick verpackt und recycelt werden. Die Fans machen begeistert mit und hören konsequenterweise bevorzugt Taylors Versionen, während des Dramas um die Sängerin und Scooter Braun, den ehemaligen Rechteinhaber. Simply Red ziehen mit "Recollections" jetzt gewissermaßen nach. Zum 40-jährigen Jubiläum der Band haben sie 40 Stücke erneut eingespielt und damit dezent aufgefrischt. Nur, dass hier weder Fehde noch verlorene Rechte im Spiel sind. Das Best-Of-Album ist reiner Fanservice und vermutlich ein nettes Taschengeld für Mick Hucknall und die restlichen Mitglieder. Produzent Andy Wright hat die meisten Versionen so nah beieinandergehalten, dass wohl selbst langjährige Fans doppelt hinhören müssen, welche Variante gerade läuft. Womit sich eine wichtige Frage stellt: Warum das Ganze?
Ein Detail sorgt für den feinen Unterschied: Hucknall singt mit jener routinierten Eleganz, die sich über Jahrzehnte eingebrannt hat. Seine Stimme ist inzwischen aber weniger strahlend, dafür kontrollierter und leider fast abgeklärt. Wo in den Originalen viel Emotion mitschwingt, singt bei "Recollections" ein Mann, der diese Songs schon hunderte Male performt hat – und sie jetzt noch einmal in Studioqualität abliefert, weil das Jubiläum es so will. Hucknall ist souverän, aber eben auch ein wenig blass. Besonders spürbar ist das bei "If you don't know me by now". Leichte melodische Ausbrüche und spontan wirkende Tempowechsel in den Strophen machen die erste Aufnahme charmant und mitreißend, auf dieser neuen Best Off scheinen diese Ausflüge wie eine perfekt einstudierte Performance. Auch "Stars" leidet unter der Glättung. Die neue Version klingt technisch einwandfrei, aber der alte Zauber fehlt. Das Original lebt von der Wärme und Leichtigkeit, die Hucknalls Stimme einst transportierte. Noch deutlicher wird das bei "Fairground". Ein Song, bei dem Simply Red sich eigentlich aus der Komfortzone herausgelehnt haben – ursprünglich gab es hier schrulligen 90er-Sound mit Club-Atmosphäre. In "Recollections" ist davon kaum etwas übrig. Die neue Fassung wirkt steril und gründlich entkernt. Was bleibt, ist ein sauberer Pop-Track ohne die seltsame Energie, die "Fairground" in der Simply-Red-Diskografie einzigartig macht.
Diese Beispiele führen zurück zur Kernfrage: Für wen ist dieses Album gedacht? Neue Hörer dürfte die Intensität der alten Versionen deutlich mehr überzeugen. Fans haben erst in den 2000er-Jahren frische Remaster-Varianten ihrer Lieblingssongs erhalten. Und wer wirklich auf der Suche nach einer Neuinterpretation des Katalogs ist, wird in "Recollections" kaum eine finden. Die große Tracklist mit ihren 40 Stücken wirkt eher wie eine Fleißaufgabe und nicht wie ein beeindruckendes Statement. In dieser Compilation steckt viel Mühe, aber wenig Notwendigkeit. Was fehlt, ist ein Ausbruch aus der Routine. Eine mutige Wendung, ein Spannungsbogen – irgendetwas, das zeigt, warum diese Aufnahmen 2025 existieren. Abgesehen von der Tatsache, dass ein Jubiläum im Kalender stand.
Highlights
- If you don't know me by now
Tracklist
- CD 1
- Sad old red
- Come to my aid
- Look at you now
- Heaven
- Jericho
- Money's too tight
- Holding back the years
- Picture book
- Open up the red box
- The right thing
- To be with you
- It's only love
- A new flame
- You've got it
- CD 2
- E'vry time we say goodbye
- If you don't know me by now
- Stars
- Something's got me started
- More
- Enough
- Thrill me
- Your mirror
- For your babies
- Angel
- Fairground
- Never never love
- So beautiful
- CD 3
- Mellow my mind
- The air that I breathe
- Say you love me
- Night nurse
- Ain't that a lot of love
- Home
- Fake
- A song for you
- Sunrise
- You make me feel brand new
- So not over you
- Thinking of you
- Just like you
Gesamtspielzeit: 163:38 min.
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Referenzen
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