Parov Stelar - Artifact
Etage Noir / Membran
VÖ: 14.11.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
Ein Orchester für die Zukunft
"Irgendwie klingt's anders. Irgendwie swingt's anders." Denkt man an "The art of sampling", ja dann ... dann ... wird einem schnell klar, dass Marcus Füreder, so Parov Stelars bürgerlicher Name, seine elektronischen Wurzeln zwar nicht verleugnen kann, sich aber dennoch auf seinem neuen Album stilistisch weiterentwickelt hat. Als d.e.r. Vorzeige-Pionier des Elektroswings braucht es Mut, sich vom eigenen Typus, der großen Erfolg und ausverkaufte Shows bescherte, zu lösen und etwas anderes zu versuchen. Insbesondere in Anbetracht des Risikos, damit zumindest in kommerzieller Hinsicht nicht zwingend die gleiche Erfolgshöhe zu erreichen. Doch wen kümmert schon der schnöde Mammon, wenn künstlerische Erfüllung ruft? Diesen Empire State of Mind musste sich auch Parov Stelar zunächst selbst erarbeiten. In seiner kurz vor Release von "Artifact" erschienen Autobiographie "Trip" erzählt er von den Unwägbarkeiten des Musikbusiness und gibt Einblick in persönliche Abgründe, Selbstzweifel und den eigenen Findungsprozess.
Dass er sich über die Musik hinaus seit einigen Jahren auch als bildender Künstler etabliert hat, gibt seinem Gesamtwerk noch mehr Substanz. Wer seine Bilder kennt, weiß um die ihm eigene Verschmelzung von Malerei, Siebdruck und der Hinzunahme digitaler Medien. So wundert es nicht, dass er für die Produktion der "Artifact"-Musikvideos KI-Unterstützung nutzte. Die zuvor vom Künstler handverlesenen Bilder wurden von der KI animiert und in Fluss gebracht. Und auch wenn das aktuelle Album klanglich nicht mehr sonderlich an Swing erinnert, so bleibt doch zumindest eine thematische Verknüpfung mit seinem Gesamtwerk und den Zwanzigern bestehen. Nicht nur das Albumcover weckt Erinnerungen an Fritz Langs 1927 erschienenen Film "Metropolis". Die gesamte Platte besticht mit orchestralen Filmepos-Klängen, die teilweise mit großer Orchesterbesetzung im Brucknerhaus Linz eingespielt wurden.
Diese Ästhetik verknüpft er geschickt mit "Artefakten" der elektronischen Historie. Der Opener "Artifact" startet mit Orgel und kippt dann binnen kürzester Zeit in eine breakbeat'sche Liebeshochzeit zwischen Mobys "Feeling so real" und "You've got the love" von The Source & Candi Statons (dessen sich ebenfalls "Rebel love" referiert). "Shiver" kommt leicht angesoult daher. In "Six feet underground" greift er auf sein eigenes Werk zurück und orchestriert mit Bläsern und Streichern seinen schon 2015 auf "The demon diaries" veröffentlichten Track neu, der nun zwar weniger elektronisch daherkommt, dafür aber gewaltig an innerer Größe zugelegt hat.
Sakrale Chöre in Kombination mit Rock-Schlagzeug-Fills in "Hyper body" könnten problemlos einen dystopischen Sci-Fi Soundtrack schmücken. Synthies mit VHS-Tape-Saturation wabern in "Falling into time" und halten den Achtziger-Charme. Dass Parov Stelar für ein Feature Lana Del Rey gewinnen konnte und uns nun seine Version von "Art Deco" präsentiert, ist in jeglicher Hinsicht ebenfalls eine stimmige Wahl. Der auf dem retrofuturistischen Albumcover zu findende Untertitel fasst in Worte, was sich Hörer *innen auf "Artefact" erhoffen dürfen: [It's] A sonic memory.
Highlights
- Artifact
- Rebel love
- Hyper body
- In between
Tracklist
- act
- Shiver
- Six feet underground - Artifact version
- Rebel love
- Hyper body
- Interlude one
- Falling into time
- Art Deco - Parov Stelar Artifact version
- In between
- Absentis mater
- Maybe tomorrow
- Walking on clouds
- The fortune teller
- The forest
- Dystopia
Gesamtspielzeit: 44:11 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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zolk Postings: 2764 Registriert seit 15.01.2024 |
2025-12-25 15:55:28 Uhr
Gefällt mir sehr gut das neue Album, wobei ich finde, dass er seinen Sound mehr als nur leicht modifiziert hat. Ich habe ihn auch einmal live gesehen, ich glaube in Bochum beim Zeltfestival, da war seine Musik noch eher tanzbar...Das Durchschnittsvoting ist 2/10? Also irgendwo zwischen Joachim Witt und den Amgios? Verrückte Welt. |
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peter73 Postings: 3831 Registriert seit 14.09.2020 |
2025-12-23 11:03:35 Uhr
Marcus hat seinen Sound nach etlichen Jahren (zum Glück) leicht modifiziert; hier mal mehr Filmsoundtrack als Electroswing - und es funktioniert! Das neue Album ist eine Spur melancholischer, epischer und dazu extrem kurzweilig: 7.3/10 Pointslive sind PS sowieso eine Bank. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30443 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-12-19 21:32:05 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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peter73 Postings: 3831 Registriert seit 14.09.2020 |
2025-11-14 11:32:11 Uhr
zum kaufen bitte hier entlang --> https://parovstelar.ffm.to/artifact |
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MickHead Postings: 10846 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-11-14 10:18:14 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mlo4ZVz1Snkcl9bOyqCch43f8Bqcq0trU&si=6wmguYmSjEwWnFAe |
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Referenzen
Moby; The Source & Candi Staton; Goldfrapp; Massive Attack; Waldeck; Fatboy Slim; Joseph William Morgan; Bonobo; The Avener; Synapson; Graham Candy; Worakls; Meute; Parov Stelar Trio; Hird; Caro Emerald; Lana Del Rey; Robyn; Darkside; Nicolas Jaar; BBC Symphony Orchestra; Weval; Kerala Dust; Trentemøller; Sohn; Parra For Cuva; The xx; The Verve; Underworld; Phoebe Killdeer
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