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The Notwist - Magnificent fall

The Notwist- Magnificent fall

Alien Transistor / Indigo
VÖ: 14.11.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Off the rails

Auf dem grandiosen Livealbum "Superheroes, ghostvillains + stuff" hört man beim Karrierehighlight "Consequence" während der ersten Takte eine Dame sehr laut in den Raum hinein rufen: "Unfassbar schön!" Man mag solche Zwischenblökereiem auf Konzerten störend oder gar selbstdarstellerisch finden, aber niemand kann bestreiten: Die Frau hat Recht. The Notwist machen sehr häufig Musik, die unfassbar schön ist. Mittlerweile haben sie eine ganze Menge davon in der langen Vita – nicht nur auf den sattsam bekannten Studioalben, sondern auch auf Soundtrack, EPs, Singles und Sampler-Beiträgen verteilt. So viele, dass die Weilheimer Band sich jetzt eine Compilation dazu leistet, und zwar eine, die auch als geschlossenes Album funktionieren soll. Die 13 Stücke von "Magnificent fall" erstrecken sich über die Schaffenphase in diesem Jahrtausend, angefangen von B-Seiten zu "Neon golden" bis zu Aufnahmen im Rahmen des bis dato jüngsten Studioalbums "Vertigo days". Die rockige Frühphase bleibt also außen vor, ebenso das tolle, jazzverliebte "Shrink" aus 1998.

The Notwist sind natürlich keine an den Mainstream angeschmiegte Band, aber wenn sie so etwas wie Hits gemacht hatten, platzierten sie diese auch prominent auf ihren Hauptwerken. Auf "Magnificent fall" findet sich demnach kein "Pilot", "Good lies", "Where you find me" oder ähnlicher Indie-Schlager und das ist völlig in Ordnung so. Hier steht die zurückhaltende, filigrane Seite der Band im Vordergrund, nur selten unterbrochen von energischen Momenten wie den beiden Remixes: zum einen von "Boneless", welches Grizzly Bear im 8-Bit-Modus zusammencrushen, und dem von Odd Nosdam in einen noisigen Rausch überführte "Sleep". Die Mehrheit übt sich jedoch in erhabener Leichtfüßigkeit, so wie "Blank air" sich zart in ebensolche auflöst oder wenn "Red room" das originale "This room" mit Bläsern weiterdenkt und das ursprüngliche Motiv nur erahnen lässt. Ein wahres Kleinod ist das 2004 auf dem "Mount Everest horizontal"-Soundtrack veröffentlichte "Solo swim", welches – leider ohne den dort anschließenden Dub-Part – melancholisch und melodisch zerfließt. "Hang on, hold tight / You're falling off the roof / Hang on, hold tight / The ground is going to move."

Entsprechend der gedämpften Stimmung verkriecht sich Adas Version von "Run run run" lieber hinter ein regenverhangenes Fenster anstatt in einem blinkenden Rave aufzugehen. Und der zum Titeltrack gekrönte Song, zeitgleich auf ebenjener Single damals enthalten, scheint auf einen eingängigen Refrain zuzusteuern, den er schlicht verweigert, um plötzlich wegzubrechen und Markus Acher ganz nah ins Ohr zu setzen. Bis hierhin unbekannt sind Opener und Closer, zwei kurze, wenig essenzielle Instrumentals aus Soundtrack-Arbeiten Ende der 2010er-Jahre sowie eine hypnotische, erweiterte Neun-Minuten-Version des Intros von "Vertigo days – Live from Alien Research Center". Alles andere war bereits zuvor bei Streamingportalen verfügbar, aber "Magnificent fall" schafft es, den versammelten Stücken neuen Kontext, ein Zuhause zu geben. Die unauffällige "Ship"-EP-Dreigabe "Avalanche" blüht als würdevoller Moment richtig auf, ebenso ist das traurig-resignierte "Come in" ein viel zu unbekannter Schatz. Man möchte es angesichts der Zerbrechlichkeit vieler anwesender Songs daher lieber leise raunen: unfassbar schön.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Avalanche
  • Run run run (Ada remix)
  • Come in
  • Solo swim

Tracklist

  1. One of these days
  2. Magnificent fall
  3. Boneless (Grizzly Bear remix)
  4. Blank air
  5. Avalanche
  6. Run run run (Ada remix)
  7. Red room
  8. Come in
  9. Solo swim
  10. Sleep (Odd Nosdam remix)
  11. Intro live from Alien Research Center
  12. Who we used to be
  13. Das Verschwinden

Gesamtspielzeit: 54:39 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29979

Registriert seit 08.01.2012

2025-12-19 21:29:05 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

embele09

Postings: 183

Registriert seit 06.11.2024

2025-11-15 11:00:44 Uhr
Geniale Platte. Toller Flow. Ich habe mit nichts anderem gerechnet. Sehr schön. Absolute Hörempfehlung.

Mayakhedive

Postings: 2735

Registriert seit 16.08.2017

2025-11-14 23:26:50 Uhr
"Blank Air"... Entweder bin ich gerade wirklich sehr empfänglich, oder diese Band ist ziemlich gut.

Mayakhedive

Postings: 2735

Registriert seit 16.08.2017

2025-11-14 23:19:58 Uhr
Instant love für den Titel-Song

embele09

Postings: 183

Registriert seit 06.11.2024

2025-11-14 17:32:09 Uhr
Heute Vinyl geliefert. Dann habe ich zumindest eine gute Sound Qualität
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