Crackout - Oh no!

Crackout- Oh no!

Hut / Virgin / EMI
VÖ: 05.04.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

A life less ordinary

Kaum zu glauben, aber wahr. Selbst für Liebhaber zeitgenössischer Punk-Musik, die von Genreverweigerern fälschlicherweise eh nur als stereotype und talentlose 1-2-3-4-Saitendrescherei belächelt wird, gibt es zuweilen Grenzen. Daß eine davon recht häufig auf dem schmalen Grat, an dem sich Punk und Pop Hallo sagen, verläuft, mag zum Einen Zufall, auf der anderen Seite aber sicherlich auch eine leidige Folge der Vermainstreamisierung der drei Akkorde sein. Viel zu viele stylish gestriegelte Jungspunde in belanglosen Bands machen noch belanglosere, schnelle Musik und werden damit als der neue und ungemein heiße Scheiß der Punkrockwelt verkauft. Was bleibt, ist dann meistens nur noch ein lautes "Oh no!", das den Silberling auf dem hohen Bogen vom CD-Spieler zum Mülleimer begleitet.

Auf Crackout trifft das Szenario trotz gleichlautenden Albumtitels Gott sei Dank nicht zu. Da wird auch die auf dem Cover abgebildete Nonne tief durchatmen, wenn sie die Querflöte mal beiseite gelegt hat. Denn zu erwarten war diese durchaus okaye Rückkehr der Briten mit "Oh no!" keineswegs, nachdem ihr lupenreines Poppunk-Debüt "This is really neat" vor zweieinhalb Jahren auf der Insel zwar einige wenige Lorbeeren ergattern konnte, aber rasch wieder in der Versenkung verschwand.

Und 2004? Getreu den derzeitigen Genregepflogenheiten haben auch Crackout jetzt den ernsten Weg eingeschlagen und sowohl Sound als auch Gesang komplett umgekrempelt. "You better sit down, watch your mouth / And we're always here 'cause we can fight, jive and kick you out." Nur selten faucht Sänger und Gitarrist Steven Eagles mit so eindringlicher Vehemenz ins Mikro wie beim Opener "Out of our minds", der zusammen mit der famosen Singleauskopplung "This is what we do" die Doppelspitze in Punkto Saft, Kraft und Tempo bildet.

Ansonsten geht es bedeutend ruhiger zur Sache. Und britischer. Eagles wandelt dabei mit seiner akzentbeladenen Stimme auf den Spuren von Robert Smith ("Wait") und Grant Nicholas von Feeder ("All this colour"). Seine beiden Mitstreiter Nicholas Millard und Jack Dunkley an Schlagzeug und Bass stehen ihrem Frontmann in Sachen Heimatliebe in Nichts nach, klingen alle generalüberholten Songs doch wesentlich mehr nach Vereinigtem Königreich als nach Kalifornien. Operation geglückt, Patient lebt.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Out of our minds
  • This is what we do
  • Wait

Tracklist

  1. Out of our minds
  2. Insect song
  3. This is what we do
  4. Wait
  5. Freakin' all night
  6. All this colour
  7. Pale
  8. Way too long
  9. Robots have feelings
  10. Feel at home

Gesamtspielzeit: 39:03 min.

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