Oidorno - Greatest hits
Audiolith / Broken Silence
VÖ: 15.08.2025
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Ewig stampft die Oi-Maschine
Man muss auch mal den Tatsachen ins Auge sehen, die Wahrheit beim Namen nennen. Die fünf sweeten Boys, die uns vom objektiv schönsten Plattencover des Jahres anlächeln, sind Oidorno. Oidorno, das wird häufig kolportiert, ist die erfolgreichste und bekannteste Diskurs-Oi-Band Hamburgs. Und das will was heißen, denn nirgends ist die Dichte an Diskurs-Oi-Bands höher. Zwei gefeierte EPs haben Oidorno bislang veröffentlicht, und zwar nicht irgendwo, sondern bei Audiolith. Wohl auch deshalb, so heißt es, weil sie im gleichnamigen Song Labelgründer Lars Lewerenz als "Oiverräter" geoutet haben. Nicht ganz zu unrecht. Da die insgesamt elf Songs auf "Oi! The EP" von 2017 und "Le roi c'est moi" von 2019 aber gehöriges Ohrwurmpotenzial aufweisen und ganz ausnahmslos große Hits sind, wurde die erste Compilation der Bandgeschichte sehr folgerichtig "Greatest hits" getauft. "Greatest hits" versammelt mit besagten elf Songs also das opulente Gesamtwerk, obendrein noch frisch remastert. Da ist die Froide groß.
Benannt haben sich Oidorno nach Theodor W. Adorno, dem Oberguru der Frankfurter Schule. Der schreibt zusammen mit seinem Buddy Max Horkheimer in der "Dialektik der Aufklärung": "Vergnügtsein heißt Einverstandensein." Oidorno sind nun grundsätzlich sehr vergnügt, doch nicht immer einverstanden. Sie feiern einerseits die Feierei und den Fußball (im Song mit dem originellen Titel "Fußball") und legen insgesamt eine ganz liebenswerte Knuffigkeit an den Tag, was auch an der selbstironischen Zurschaustellung der Oi-Lebensform und ihrer modischen Insignien liegt. "Doppelkinn und Doppelkorn / Sieh's mal Oi und blick nach vorn / Hosenträger, Polohemd / Schlechte Laune ist uns fremd." Weil die dumpfen Verhältnisse (Kapitalismus und Lohnarbeit) und das gute Leben (Dosenbier) einander aber antagonistisch gegenüberstehen, wird's andererseits und notwendigerweise auch immer wieder kritisch-politisch. "Jobcenter brenn" stellt vor diesem Hintergrund die große Systemfrage (und beantwortet sie "oithentisch" mit feurigen drei Akkorden), "Schlagermove" treibt es auf eine Ad-hominem-Ebene und schickt im Vorbeigehen GaLiGrü an Hamburgs Innensenator Andy "Pimmel" Grote raus.
Geradezu dialektisch-versöhnlich hingegen "Bordbistro", wo die flüchtige Utopie einer befreiten Menschheit ausgerechnet im Fernverkehr der Deutschen Bahn aufscheint. "Gesellschaft ist am Spalten / Das Bordbistro vereint / Das Bistro zwischen den Klassen / Hier sind wir alle gleich / Hier sitzen wir zusammen, fahr'n rum und trinken Bier / Das Lied ist unser Dank dafür / Oi! Oi! und was mit Bier." Ja, Oidorno lassen auch Raum für Nachdenkliches, Philosophisches. "Auf der Arbeit seid Ihr tüchtig / Ich bin lieber glücksspielsüchtig" hätte auch als knackiger Aphorismus für die "Minima Moralia" getaugt. Und der Song für die tiefe Kontemplation am Tresen trägt den schönen Titel "Halt die Fresse ich will saufen". Freundlich hingewiesen sei außerdem noch auf die friedvolle Kollaboration "Aufs Maul" mit dem Rapper und Labelkollegen Vandalismus aka Destroy Degenhardt. Wer sich jetzt aber fragt: hä? Beziehungsweise: Was soll das alles? Nun. "Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach." Das gilt auch für Diskurs-Oi.
Highlights
- Oiverräter
- Fußball
- Sieh's mal Oi!
- Oithentisch
- Halt die Fresse ich will saufen
- Jobcenter brenn
- Glücksspielsüchtig
- Bordbistro
- Alles auf Oi
- Schlagermove
- Aufs Maul (feat. Vandalismus)
Tracklist
- Oiverräter
- Fußball
- Sieh's mal Oi!
- Oithentisch
- Halt die Fresse ich will saufen
- Jobcenter brenn
- Glücksspielsüchtig
- Bordbistro
- Alles auf Oi
- Schlagermove
- Aufs Maul (feat. Vandalismus)
Gesamtspielzeit: 29:43 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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strix Postings: 39 Registriert seit 14.06.2013 |
2025-12-21 19:51:45 Uhr
Kurz vor knapp noch die Rezi der Jahres.Und dieses Platzencover, meine Fresse.... können die Amigos nicht mithalten. |
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Loketrourak Postings: 3619 Registriert seit 26.06.2013 |
2025-12-19 22:21:20 Uhr
Haha, ich kannte die bisher nicht, Oi ist eigentlich auch nicht mein Beritt, aber die Gesamtkonzeption überzeugt schon! Die Rezi ist wunderbar und das einfach *sämtliche* Songs des Albums in ihrer Reihenfolge dann auch die Highlights sind, ist nur folgerichtig. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29970 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-12-19 21:29:13 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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- Oidorno - Greatest hits (3 Beiträge / Letzter am 21.12.2025 - 19:51 Uhr)



