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Brad Mehldau - Ride into the sun

Brad Mehldau- Ride into the sun

Nonesuch / Warner
VÖ: 29.08.2025

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zwei Große

Wenn man Musikschaffende zunächst einmal etwas ausführlicher vorstellen möchte, dann dreht es sich zumeist um eher Unbekannte oder aber um solche, bei denen man sich nicht zwingend sicher ist, ob er oder sie tatsächlich im allgemeinen Bewusstsein der breiteren Masse präsent ist. Brad Mehldau ist so ein Fall. Gewiss zählt er nicht zur Kategorie Elton John, dem mutmaßlich die Allermeisten in irgendeiner Form schon einmal musikalisch begegnet sind. Mehldau ist, in gebotener Kürze, ein fantastischer Pianist und Songwriter, der zwar grundsätzlich im Jazz zu Hause ist, aber auch wenig Berührungsängste mit anderen Stilen und Genres kennt. So hat er sich in der Vergangenheit beispielsweise schon an Songs von Metallica versucht, und auch das ist ihm wie eigentlich alles andere vortrefflich geglückt. Auf "Ride into the sun" begegnet der US-Amerikaner nun einem weiteren Künstler, der zu den ganz Großen zählt: Elliott Smith.

Smith, mit gerade einmal 34 Jahren 2003 gestorben, verstand es ebenfalls, ein Klavier zu bedienen, darüber hinaus aber noch so einiges mehr. Trotz seiner viel zu kurzen Karriere hat er einen fantastischen Katalog an Songs hinterlassen, sein überragendes Album "Figure 8" zählt zu jenen Ausnahmewerken, die bei Plattentests.de die uneingeschränkt verdiente volle Punktzahl erhalten haben. Nach nun doch etwas ausgearteter Vorrede gilt es, auf den Punkt respektive die Musik auf "Ride into the sun" zu kommen. Brad Mehldau hat sich hier gleich zehn Stücke aus der Feder Elliott Smiths vorgenommen und sie interpretiert. Zum Teil ganz allein mit dem Klavier, zum Teil mit anderen Musikern, die den famosen Ursprungsversionen eine jederzeit eigene Note verleihen. Mit dabei ist unter anderem Daniel Rossen von Grizzly Bear, zudem erklingt jeweils ein Song von Nick Drake und Big Star in frischem Gewand. Was hier entsteht, ist schlicht große Kunst. Und es verbietet sich, an dieser Stelle allzu viel darüber zu parlieren, denn die insgesamt 16 Titel verdienen eine unvoreingenommene Entdeckung.

Sobald man beginnt, über die Höhepunkte dieses Albums nachzudenken, kommt man an Grenzen. Denn die behutsamen Bearbeitungen überzeugen ebenso wie die eigenen Stücke, die der Virtuose eingebaut hat und die sich nahtlos in die Kleinode von Elliott Smith einfügen. Nach über 70 intensiven und emotionalen Minuten bleibt festzuhalten: Brad Mehldau und den Seinen gebührt pure Dankbarkeit für diese tiefe Verneigung vor einem großen Musiker. Das alles ist übrigens mal wieder so ein Album geworden, das man am liebsten nahezu jedem penetrant und ungefragt aufdrängen möchte. Wem das zu viel Aufwand ist, der mag es auch einfach hüten wie einen Schatz und es sich damit ausgiebig und mit Kopfhörern auf den Ohren gemütlich machen. Mit Brad und Co. in den Ohren und Elliott vor Augen, der das mutmaßlich ebenfalls genussvoll konsumieren würde.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Better be quiet now
  • Everything means nothing to me
  • The white lady loves you more
  • Everybody cares, everybody understands
  • Colorbars (feat. Chris Thile)

Tracklist

  1. Better be quiet now
  2. Everything means nothing to me
  3. Tomorrow tomorrow (feat. Daniel Rossen)
  4. Sweet Adeline
  5. Sweet Adeline fantasy
  6. Between the bars
  7. The white lady loves you more
  8. Ride into the sun: part I
  9. Thirteen
  10. Everybody cares, everybody understands
  11. Somebody cares, somebody understands
  12. Southern belle (feat. Daniel Rossen)
  13. Satellite
  14. Colorbars (feat. Chris Thile)
  15. Sunday
  16. Ride into the sun: conclusion

Gesamtspielzeit: 72:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Grizzly Adams

Postings: 6651

Registriert seit 22.08.2019

2025-12-30 21:26:41 Uhr
Mir taugt das sehr. Tolles Album, das mit jedem Hören ein Stück sympathischer wird. Die Interpretationen von Elliott Smith sind wirklich gelungen - wenn man jazzige Interpretationen mag.

ijb

Postings: 8220

Registriert seit 30.12.2018

2025-12-20 15:45:24 Uhr
Der Prog-Ausflug hat mich auch nur eingeschränkt erreicht... ich finde wie gesagt, dass er in den letzten Jahren bzw. eigentlich schon in den letzten 20 Jahren immer mal wieder Alben gemacht hat, die ich auch nur sehr bedingt mag... Aber immer interessant und auf der Suche nach Neuem ist er, das muss man ihm lassen.

dreckskerl

Postings: 11937

Registriert seit 09.12.2014

2025-12-20 15:43:07 Uhr
Ich mochte seinen Prog-Rock Ausflug nicht, aber das hier bewegt sich halt ausschließlich in meiner musikalischen Wohlfühlzone, für viele Puristen sicher überzuckert, zu kommerziell oder schlicht überflüssig, mir taugt das.

ijb

Postings: 8220

Registriert seit 30.12.2018

2025-12-20 15:24:01 Uhr
Ja, das war in der Tat so ein bisschen meine Sorge/Angst, hab deshalb noch gar nicht reingehört. Ich muss auch zugeben, dass von all den vielen, vielen Mehldau-Alben ich die am wenigsten mag, auf denen jemand singt.

Ich lasse mich überraschen. Eine 8/10 auf Plattentests.de, das will ja schon mal was heißen!

dreckskerl

Postings: 11937

Registriert seit 09.12.2014

2025-12-20 15:08:22 Uhr
Das hier ist noch "glatter", aber auch zeitweilig schlicht wunderschön.
Ich mag es sehr.
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