Donots - Schwert aus Holz
Solitary Man / PIAS
VÖ: 19.09.2025
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Mit stumpfer Klinge
Akustik-Alben von Punk-Bands haben oft ein ähnliches Problem: Sie klingen wie gezähmte Versionen ihrer selbst. Das Tempo ist raus, der Dreck wegpoliert und die Energie verpufft irgendwo zwischen Kerzenschein und Lagerfeuer-Romantik. Die kantige Haltung und das lärmende Etwas, das die meisten Songs in diesem Genre ausmacht, wirken zumeist glattgebügelt. Vorsicht, Spoiler: Auch die Donots können diesem Risiko auf ihrem insgesamt 13. Longplayer "Schwert aus Holz" nicht komplett entgehen. Der Stolz Ibbenbürens blickt inzwischen auf über 30 Jahre Bandgeschichte zurück. Vom schnellen Skatepunk der Anfangszeit über die melodischen 2000er bis zu den deutschsprachigen Alben der letzten Dekade haben sie praktisch jedes Stadium einer langjährig arbeitenden Punkband durchlaufen. Eben diese Historie dient als Material für die vorliegende Dreiviertelstunde: eine Sammlung akustischer Neuinterpretationen, die mal gut funktionieren, mal eher wie pflichtschuldige Beigaben wirken.
Den Anfang macht mit "Allein zu allein" einer von zwei neuen Songs, der als emotionaler, aber nicht gefühlsduseliger Opener auch ohne Stecker kraftvoll daherkommt und stark zur Sache geht. Wer gesehen hat, wie inbrünstig Sänger Ingo Knollmann beim Auftritt der Donots im Sommer bei "Ina's Nacht" gesungen und vehement in die Tasten gegriffen hat, weiß Bescheid. Etwas anders sieht es beim Klassiker "Whatever happened to the 80s" aus. Der ursprünglich spritzige Song verliert in der entschleunigten Version etwas von seinem Witz und auch von seiner Dringlichkeit. Zwar funktioniert der Refrain weiterhin und ist ohnehin mitgrölkompatibel, aber man merkt, dass der Track für elektrische Gitarren gemacht wurde. Dahingegen gehören Lieder wie "Room with a view (Give me shelter)" zu den Stücken, die im akustischen Setting fast natürlicher klingen und erstaunlich rund wirken. Vielleicht, weil die Melodieführung hier schon im Original stärker im Vordergrund stand, das Ganze nun eher wie eine gute Alternative und weniger wie eine entschärfte Kopie wirkt.
Die neueren deutschsprachigen Songs geraten wechselhaft. "Problem kein Problem" gewinnt in seiner rustikalen und reduzierten Art etwas an Nähe, behält bei rauem Gesang und griffigem Rhythmus einen gewissen Drive und lädt zum Mitwippen ein. "Augen sehen" hingegen verliert sich irgendwo in balladesker Entschleunigung, die eher langweilt als Gefühle zu wecken, während "Keiner kommt hier lebend raus" und "Eine letzte letzte Runde" nicht schlecht, aber völlig vorhersehbar (neu)interpretiert wurden. Unterschiedlich punkten kann das Album mit einzelnen Gastauftritten. Chuck Ragan von Hot Water Music bringt auf "Dead man walking" eine raue, glaubwürdige Folk-Note rein. Campino und Flogging Mollys Matt Hensley in "Stop the clocks" wirken sympathisch, auch wenn die Nummer am Ende etwas betulich bleibt. Frank Turner auf "So long" mimt den soliden, aber keinesfalls zwingenden Rausschmeißer. Etwas mehr Risiko, Überraschungen und Brüche hätten "Schwert aus Holz" trotz aller gelungenen Momente gutgetan, um vollends kein Problem damit zu haben.
Highlights
- Allein zu allein
- Dead man walking (feat. Chuck Ragan)
- Problem kein Problem
Tracklist
- Allein zu allein
- Dead man walking (feat. Chuck Ragan)
- Whatever happened to the 80s
- Keiner kommt hier lebend raus (feat. Shitney Beers)
- Stop the clocks (feat. Campino & Matt Hensley)
- Wake the dogs
- Problem kein Problem
- Room with a view (Give me shelter)
- Eine letzte letzte Runde
- Calling
- Augen sehen
- Out in the cold (feat. Kuddel von Holst)
- So long (feat. Frank Turner)
Gesamtspielzeit: 43:28 min.
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