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The Beatles - Anthology 4

The Beatles- Anthology 4

Apple / Universal
VÖ: 21.11.2025

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Man kennt sich

Als im Jahr 1995 die erste "Anthology"-Compilation erschien, war die Freude unter Fans groß. Endlich gab es eine von den Beatles kuratierte Sammlung von Outtakes, Alternativersionen und Raritäten. In schneller Folge wurden dann zwei weitere Sampler veröffentlicht, die in der Summe ein größtenteils stimmiges Gesamtbild ergaben. Den Anspruch auf Vollständigkeit erhob "Anthology" freilich schon damals nicht, dazu war die schiere Menge des Archivmaterials zu groß. Folgerichtig widmeten sich die Beatles in den letzten drei Dekaden der Nachlassverwaltung in Tröpfchenform. Hier mal ein Remix, dort ein paar Probe-Takes. Spätestens mit der Welle der "50th anniversary"-Editionen in den späten 2010ern schien die Geschichte auserzählt. Umso überraschender war der Release von "Now and then" im Jahr 2023. Der aus einer Demo-Aufnahme Lennons rekonstruierte Song klang zwar eher wie ein Beatles-Tribute, aber fügte dem Katalog der "Fab Four" trotzdem eine schöne Fußnote hinzu.

Dass die Beatles zeitlos sind, zeigte auch Peter Jacksons opulente "Get back"-Dokumentation, die faszinierende Einblicke in den Arbeitsprozess der zerfallenden Band gab. Dass nun eine vierte Folge von "Anthology" nachgereicht wird, wirkt befremdlich, erst recht, wenn man auf die Trackliste schaut: Gerade einmal 13 der 36 Songs wurden bisher nicht veröffentlicht. Mythische Aufnahmen wie den dritten Take von "Helter skelter" oder den zwanzigsten Take von "Revolution" sucht man immer noch vergebens. Stattdessen bietet "Anthology 4" einen wilden Ritt durch die sechs entscheidenden Jahre der Bandkarriere. Ein weiteres Mal leistet Giles Martin herausragende Arbeit beim Mix, oft klingen die Outtakes fast genauso gut wie die Versionen, die es letztendlich auf die Alben geschafft haben. Dass die musikalischen Highlights überwiegend bekannt sind, schmerzt jedoch schon ein bisschen.

So erschienen die herrlich scheppernden Versionen von "I saw her standing there" und "Money (That's what I want)" auf "The Beatles bootleg recordings 1963". Der erstaunlich tighte achte Take von "Get back" sowie die erste Rooftop-Aufnahme von "Don't let me down", in der Lennon manche Verse durch Unsinn ersetzt, machen ebenfalls Spaß. McCartneys zielloses Genudel in "Can you take me back?" war jedoch schon in der Geburtstags-Edition des weißen Albums überflüssig. Auch der wackelige 27. Take von "While my guitar gently weeps" hätte nicht unbedingt erneut auf eine Compilation gepackt werden müssen. Hinreißend schön ist dagegen Lennons Übungsaufnahme von "Julia", die deutlich intimer als die endgültige Version wirkt. Auch der 26. Take von "Strawberry fields forever", der bekanntlich die zweite Hälfte der endgültigen Version bildet, knallt in der nicht verlangsamten Version weiterhin ordentlich.

Von den bisher unbekannten Aufnahmen sind besonders die Instrumentals interessant. Wer seine Mitmenschen beim nächsten Karaoke-Abend quälen möchte, hat mit "Nowhere man", "The fool on the hill", "Hey bulldog" und "I am the walrus" gleich vier Backingtracks aus erster Hand zur Auswahl. Auch die Instrumentalversion von "She's leaving home", die auf der Anniversary-Edition von "Sgt. Pepper's lonely hearts club band" enthalten war, eignet sich hervorragend zum Mitsummen. Die Outtakes aus den früheren Jahren sind hingegen nicht sonderlich spannend, einzig der erste Take von "In my life" weiß hier zu überzeugen, was primär an Starrs stoischem Drumming und Lennons konzentriertem Gesangsvortrag liegt. Ob es nötig war, rumpeligen Quatsch wie "Matchbox" hinzuzufügen, sei indessen dahingestellt

Und dann sind da noch "Free as a bird" und "Real love", in den 90ern als neue Stücke auf den ersten beiden Teilen von "Anthology" veröffentlicht. Beide Songs wurden von Giles Martin und Jeff Lynne für diesen Teil neu abgemischt, was vor allem Lennons Gesang besser zur Geltung bringt. Dass die Tracks eher wie verschollene Aufnahmen der Traveling Wilburys klingen? Geschenkt. Sonderlich toll sind sie dennoch nicht, alle Studiozauberei der Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies keine "echten" Beatles-Songs sind. Als Verneigung vor Lennon gehen sie allerdings völlig in Ordnung. Als Compilation wirft "Anthology 4" jedoch mehr Fragen auf, als sie beantwortet, da sie zu wenig Neues enthält und sich merkwürdig unvollständig anfühlt. Aber noch sind die Archive nicht leer und die nächsten Jubiläen kommen bestimmt. Und solange Paul und Ringo noch die Bühnen dieser Welt unsicher machen, gibt es auch keinen Grund zur Trauer.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Money (That's what I want) (RM7 undubbed)
  • She's leaving home (Take 1 – Instrumental)
  • Helter skelter (Second version – Take 17)
  • Julia (Two rehearsals)

Tracklist

  1. I saw her standing there (Take 2)
  2. Money (That's what I want) (RM7 undubbed)
  3. This boy (Takes 12 & 13)
  4. Tell me why (Takes 4 & 5)
  5. If I fell (Take 11)
  6. Matchbox (Take 1)
  7. Every little thing (Takes 6 & 7)
  8. I need you (Take 1)
  9. I've just seen a face (Take 3)
  10. In my life (Take 1)
  11. Nowhere man (First version – Take 2)
  12. Got to get you into my life (Second version – Unnumbered mono mix)
  13. Love you to (Take 7)
  14. Strawberry fields forever (Take 26)
  15. She's leaving home (Take 1 – Instrumental)
  16. Baby, you're a rich man (Takes 11 & 12)
  17. All you need is love (Rehearsal for BBC broadcast)
  18. The fool on the hill (Take 5 – Instrumental)
  19. I am the walrus (Take 19 – Strings, brass, clarinet overdub)
  20. Hey bulldog (Take 4 – Instrumental)
  21. Good night (Take 10 with a guitar part from take 5)
  22. While my guitar gently weeps (Third version – Take 27)
  23. (You're so square) Baby I don't care (Studio jam)
  24. Helter skelter (Second version – Take 17)
  25. I will (Take 29)
  26. Can you take me back? (Take 1)
  27. Julia (Two rehearsals)
  28. Get back (Take 8)
  29. Octopus's garden (Rehearsal)
  30. Don't let me down (First rooftop performance)
  31. You never give me your money (Take 36)
  32. Here comes the sun (Take 9)
  33. Something (Take 39 – Instrumental – Strings only)
  34. Free as a bird (2025 mix)
  35. Real love (2025 mix)
  36. Now and then

Gesamtspielzeit: 118:44 min.

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Armin

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2025-12-19 21:27:37 Uhr - Newsbeitrag
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