Scorpions - Coming home live
Vertigo / Universal
VÖ: 05.12.2025
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Genius Loci
60 Jahre. Was für eine beeindruckende Karriere. 1965 gründete der 17-jährige Rudolf Schenker mit einem gewissen Wolfgang Dziony eine Band, die mangels zündender Idee schlicht "Nameless" genannt wurde. Ein Jahr später war es eben jener Dziony, der den Namen Scorpions vorschlug, weil dieser auch international gut verständlich war. Think big auf'm Dorf in Sarstedt, in der Provinz zwischen Hannover und Hildesheim. Nach und nach arbeitete die Band an ihrem internationalen Ruf, unterstützt vom legendären Produzenten Dieter Dierks, doch erst 1978 gelang mit dem Album "Lovedrive" der endgültige Durchbruch auf dem amerikanischen Markt. Der Rest, wie heißt es so schön, ist Geschichte. Auch wenn diese Geschichte nicht immer von glücklichen Entscheidungen geprägt war, was vor allem in der Heimat viel Ansehen kostete. Der Sprung einer Hardrock-Band von Weltruf ins Schlagerbecken wird nicht immer respektiert.
Und doch ist das altehrwürdige Niedersachsenstadion in Hannover der einzig richtige Ort, um dieses Jubiläum gebührend in Szene zu setzen. Blöd eigentlich nur, dass an diesem 5. Juli 2025 etwa knapp 800 km westlich in Birmingham zur gleichen Zeit Black Sabbath ihren letzten großen Auftritt feierten – wobei lustigerweise ausgerechnet die ebenfalls aus Birmingham stammenden Judas Priest schon längst den Scorpions als Support-Act zugesagt hatten. Die Scorpions jedenfalls zeigten sich vor voller Hütte dennoch unbeeindruckt und legten den Fokus der Setliste vor allem auf die großen Klassiker – mit dem Instrumental "Delicate dance" und "Gas in the tank" vom überraschend starken Album "Rock believer" finden sich lediglich zwei Songs, die nach 1990 veröffentlicht wurden. Gut so.
So können sich die Scorpions nämlich auf ihre unsterblichen Klassiker konzentrieren. "The zoo", "Bad boys running wild", "Big city nights", natürlich "Rock you like a hurricane" – Songs, die vermutlich bis zum allerletzten Akkord zum Bühnenrepertoire gehören dürften. Auf der anderen Seite versäumen die Scorpions damit die einzigartige Möglichkeit, diesen Abend zu etwas wirklich Besonderem zu machen. Die Frühphase wird in einem Medley aus vier Songs abgefrühstückt und lässt leider doch Fragen offen. Dass das Tischtuch zwischen Rudolf Schenker und seinem Bruder Michael offensichtlich unwiederbringlich zerschnitten ist, sollte bekannt sein. Aber wie groß wäre es gewesen, wenn beispielsweise Uli Jon Roth für "The sails of Charon" als Gast aufgetreten wäre? Oder wenn Judas Priest und die anderen Support-Acts zu einem großen Finale mit auf die Bühne gekommen wären? Muss ja nicht gleich wie bei Doro Pesch mit gefühlten 150 Gästen ausarten, aber man wird ja noch träumen dürfen. Und dass "In trance" oder "No one like you" fehlen, ist auch nur mit den mittlerweile engen Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit zu erklären.
Denn die sind inzwischen erreicht, so ehrlich muss man sein. Vor allem Klaus Meine muss seinem Gesundheitszustand massiv Tribut zollen, wirkt manchmal gar zittrig und versteinert – und versteht es doch, die Menge mit kleinen Gesten zu begeistern. Halten wir jedoch fairerweise fest, dass auch Meine mittlerweile 77 Jahre alt ist. Umso mehr wird deutlich, wie sehr der frühere Motörhead-Schlagzeuger Mikkey Dee die Band noch einmal aus der Lethargie gerissen hat. Drumsoli sind eigentlich per se das Signal zum Bierholen, aber hier darf der Schwede komplett ausrasten und zeigen, dass vieles vom Schwung der letzten Jahre auf sein Konto geht. Ist ja auch quasi noch ein Küken und mit Jahrgang 1963 nur unwesentlich älter als die Band selbst.
Eine Werkschau ist "Coming home live" somit nicht wirklich, als solche soll vor allem die im Oktober 2025 veröffentlichte Compilation "From the first sting" dienen, die in der Tat auch die Deep Cuts der Frühphase enthält. Gleichzeitig fehlt vor allem der Setlist genau das kleine bisschen Großartigkeit, um auch als Live-Konserve legendär zu werden. Der äußere Rahmen bleibt damit der Star, quasi die Gelegenheit, in der Heimatstadt die größte aller Bühnen in Form einer Stadionshow zu bekommen. Insofern ist es eigentlich völlig unverständlich, dass "Coming home live" zwar in diversen Fan-Packages erscheint, unter anderem mit einer Skorpion-Figur unter Acryl-Glas, aber nicht als DVD oder Blu-ray. Der Respekt vor der Lebensleistung der Band bleibt ungebrochen, aber hier wäre mehr vielleicht doch mehr gewesen.
Highlights
- Coming home
- 70s medley
- Wind of change
- Rock you like a hurricane
Tracklist
- CD 1
- 60 years!
- Coming home
- Gas in the tank
- Make it real
- The zoo
- Coast to coast
- 70s medley
- Bad boys running wild
- Delicate dance
- Send me an angel
- CD 2
- Wind of change
- Loving you Sunday morning
- I'm leaving you
- New vision - Mikkey's solo - The slot
- Tease me please me
- Big city nights
- Still loving you
- Blackout
- Rock you like a hurricane
Gesamtspielzeit: 90:29 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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Sneedlewoods Postings: 1201 Registriert seit 07.05.2023 |
2025-12-10 22:03:30 Uhr
60 Jahre Scorpions. Ordentlich gefeiert mit Alice Cooper und Judas Priest. Die sicherlich das Stadion gerockt haben, während die Scorpions nicht so giftig stachen. Natürlich ist das Vorort Erlebnis auf Konserve immer etwas ausgebremst. Weil die Emotionalität nicht reproduziert werden kann. Wenn denn von solcher geschrieben werden. Der Urkern der Band kommt auf insgesamt 227 Lebensjahre und Jungspund Mickey Dee ist mit seinen 62 Jahren noch der vitalste in der Band, während Paweł Mąciwoda(kurz vor Ü60)eher blass bleibt.Wo Mick Jagger mit 82 Jahren noch wie einst im Frühling singt, ist Klaus Meine bemüht aber nicht mehr überzeugend. Rudolf Schenker weiß genau wie Matthias Jabs was zu spielen ist, besondere Akzente sind da nicht mehr zu erwarten. In der Gesamtheit sind 90 Minuten ein Heimspiel das unentschieden ausgeht. Die Klangqualität ist nicht so druckvoll, wie die Band auf Bühne hätte klingen sollen. Ein möglicher Abschied hätte würdiger und früher erfolgen sollen. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29836 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-12-10 21:12:09 Uhr - Newsbeitrag
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Referenzen
UFO; Uriah Heep; Judas Priest; Michael Schenker Group; Whitesnake; Accept; Motörhead; AC/DC; Deep Purple; Def Leppard; Alice Cooper; Kiss; Ozzy Osbourne; Saxon; Aerosmith; Dokken; Quiet Riot; Twisted Sister; W.A.S.P.; Van Halen; Rainbow; Dio; Thin Lizzy; Krokus; Nazareth; Axel Rudi Pell; Budgie; Demon; Bonfire; Arija; Alter Bridge; Bon Jovi; Europe; Kingdom Come; White Lion; Foreigner; Y&T; Iron Maiden
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