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Fettes Brot - Brotstock

Fettes Brot- Brotstock

FBS / Groove Attack
VÖ: 30.11.2025

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Eher so Knäcke

Irgendwie fühle ich mich schäbig. Es ist ja schon eine zweifelhafte Angelegenheit, sich über eine Party zu mokieren, die man selber gar nicht geplant hat. Zum Vorbeikommen und Biertrinken ist es ja dann wohl doch meistens gut genug und zum Dank wird sich auch noch über die peinliche Playlist hinter vorgehaltener Hand das Maul zerrissen. Und jetzt steigert man diese Unsympathie nochmal dadurch, dass man selber nicht mal eingeladen war und mehr noch, dass das ganze sogar schon zwei Jahre her ist. Im September 2023 lässt sich die selbsternannte "Mutter aller Partybands" von Abertausenden Hanseaten ein letztes Mal auf großer Bühne beklatschen. Ganz ehrlich: in jeglicher Hinsicht gut so. Während man Boris, Björn und Martin das Alter persönlich nicht wirklich anmerkt, hat hingegen das Butterstullenwerk doch schon deutlich hörbar Staub angesetzt. Es ist nichts verkehrt daran, sich gelegentlich der Nostalgie hinzugeben und auch Dekaden ehrlicher Musikarbeit verdienen ihren gerechten Applaus. Zu konstatieren bleibt allerdings auch: Nach "Hitstory" ist "Brotstock" quasi Nostalgie zum Quadrat. Quasi ein "Weißt du noch, als wir damals auf dem Abschlusskonzert waren, wo wir darüber redeten, wie es noch früher gewesen war?" Eben Service am Fan und an sich selbst. Per se nichts Schlimmes, aber auch weit weg von angenehm.

Bei einem Heimspiel ist es erfahrungsgemäß leichter, um in die Gänge zu kommen. Wenn man selber nicht mehr so textsicher ist, dann hilft einem die Menge schon aus und überhaupt geht es ja gar nicht mehr darum, irgendjemanden von sich und seinen Werken zu überzeugen. Entsprechend gilt es einzuordnen, dass die Besucher*innen des Backwarenfestes auch hörbar ihren Spaß haben, worauf es am Ende final ankommt. Für jemanden wie mich jedoch, der mit dem Fundus der Band eher selten Berührungspunkte hatte und sich eher neutral interessiert daran zeigt, wie eine unbestreitbar signifikante deutschsprachige Band so ihr Werk final in die Hände der Allgemeinheit übergibt, bleibt hauptsächlich hängen, wie nervtötend diese großen Hits eigentlich mittlerweile sind. Wenn das die Party ist, dann ist gefälligst ab sofort das ganze Jahr Karfreitag. Natürlich gehört es dazu, alles ein wenig mehr im Kontext seiner Zeit zu sehen und im deutschen Fun-Hip-Hop der Neunziger-Zweitausender-Wende sind diese "Junge trifft Mädchen"-Geschichten eben noch sehr viel gängiger gewesen. Aber die richtige Antwort auf "Es ist 1996" ist halt: "Nein, ist es nicht." Mit der Bewertung der großen Revuenummer um "Nordisch by nature" fängt man am besten gar nicht erst an, weil ich zu den Feiertagen wenig Lust auf Anwaltspost habe.

Es war aber ja beileibe nicht alles schlecht. Das Skilllevel der drei Teig-Tenöre ist bei ihrem Opus Magnum unbestritten gut, die Bars kommen allesamt clean und sogar die kleinen Späße zwischen den einzelnen Liedern wirken authentisch locker. Klassiker aus der zweiten Bekanntheitsreihe wie "Wackelige Angelegenheit" und der angenehm stilsichere Karriere-Endsong "Brot weint nicht" stechen hierbei hinsichtlich Performance besonders heraus. Dabei ist es auch mal zur Abwechslung nicht so störend, dass der Bandsound mindestens drei Stufen zu laut über dem des Publikums ist. So sehr ich mich auch just darüber beschwert habe: Wenn man zum Auftakt schon mit "Jein" seinen größten Hit spielt, dann sollte man den Zuschauer*innen wirklich viel mehr Anteil lassen. Das wird gegen Ende des Konzerts dann häufiger praktiziert, aber zu dem Zeitpunkt macht sich das nicht mehr zu leugnende gestiegene Durchschnittsalter seit damals eben auch bemerkbar. Was genau jetzt dafür gesorgt hat, diesen Release erst nach über zwei Jahren nochmal aus dem Schrank zu ziehen, spielt am Ende des Tages ohnehin keine allzu relevante Rolle. Abseits eines Zeugnisses einer Band, deren Zeit einfach gekommen war, ist hier für die Leute außerhalb der Gästeliste ohnehin wenig zu entdecken.

(Gerrit Phil Abel)

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Highlights

  • Wackelige Angelegenheit
  • Da draußen
  • Brot weint nicht

Tracklist

  1. Jein
  2. Der beste Rapper ist offensichtlich ich
  3. Erdbeben
  4. Rock Mics
  5. Ich liebe mich
  6. Wackelige Angelegenheit
  7. Hamburg Calling
  8. The Grosser
  9. Wär das nicht derbe
  10. Für immer immer
  11. Amsterdam
  12. Denxu
  13. Fast 31
  14. Da draußen
  15. Spitzer Stein
  16. Nordisch by nature (feat. Tobi, Bo, Jan Delay & Gaze)
  17. Emanuela
  18. Das letzte Lied auf der Party
  19. Brot weint nicht
  20. Echo
  21. An Tagen wie diesen (feat. Pascel Finkenauer)
  22. Können diese Augen lügen
  23. Kannste kommen
  24. Bettina zieh dir bitte etwas an
  25. Schwule Mädchen (feat. Meute)

Gesamtspielzeit: 123:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Vive

Postings: 1345

Registriert seit 26.11.2019

2025-12-16 06:59:38 Uhr
wo wir darüber redeten, wie es noch früher gewesen war?
kurz dachte ich, dieser gruselige satz wäre ein auszug aus einem album-text.

oldschool

Postings: 995

Registriert seit 27.04.2015

2025-12-14 08:58:47 Uhr
Dann sollte ich mir den Song mal anhören…hatte es bis jetzt nicht für nötig gehalten, da ich die Band immer etwas affig fand. Habe aber zuvor noch keine Empörung diesbezüglich mitbekommen.

Loketrourak

Postings: 3566

Registriert seit 26.06.2013

2025-12-13 10:42:03 Uhr
Nordisch by Nature geht voll in Ordnung. In- und außerhalb jeglichen Kontexten.

Bonzo

Postings: 3830

Registriert seit 13.06.2013

2025-12-13 10:29:25 Uhr
Touché

Peacetrail

Postings: 4166

Registriert seit 21.07.2019

2025-12-13 07:13:04 Uhr
„Ähnlich wie Technotronic, Wrestling auf Tele5 oder diese Mikrowellenburger von Heiße Hexe (würg!).“

Oder wie ein an Sätze hintendrangestelltes (würg) in den MAD-Heften.
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