Archive - Noise

Archive- Noise

Eastwest / Warner
VÖ: 26.04.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Paint it black

Erkenntnis Nummer eins bei Archives neuem Album: Einen Übersong wie "Again" schreibt man vermutlich nur einmal im Leben. Denn so sehr man sich als gespannter Hörer die Platte überaus erfolgreich schönhört, bleibt die Überwältigung, die Fassungslosigkeit, die atemberaubte Faszination dieser Hymne für die Ewigkeit bei den Songs von "Noise" aus. Dabei macht das vierte Album der Briten eigentlich ziemlich genau dort weiter, wo "You look all the same to me" vor ziemlich genau zwei Jahren aufgehört hatte.

Ein wenig rockiger sind Songs wie das bittere "Fuck u" geworden, eine Spur psychedelischer und vielleicht ein wenig wärmer im Vergleich zu mancher metallischen Neurose des Vorgängers. Und doch langt "Noise" noch immer mitten hinein in die Seele, packt Ängste und Sehnsüchte am Schlafittchen und zaubert einen wundersamen Moment nach dem anderen herbei. Sei es die Lakonie, mit der Zeilen wie "So fuck you anyway" erklingen, sei es das unheilvolle Dräuen von "Waste" oder die verzweifelte Süße des Nicht-Schlummerliedes "Sleep".

Das Konzept "Heile Welt" glänzt auch auf "Noise" durch konsequente Abwesenheit. Im Kleinen wie im Großen. "Talk to me / I haven't said a word in days." Selten wurde Sprachlosigkeit mit derlei musikalischer Eloquenz fühlbar gemacht. Archives zum Bombast tendierende Soundtracks fesseln selbst in routinierteren Momenten. Schicht um Schicht türmen sich die Klänge übereinander wie ein hinterhältig pulsierender Kopfschmerz. Doch nur selten findet sich das Ventil einer befreienden Explosion.

Gut, der schüchterne "Love song" kommt trotz schonungsloser Selbstbezichtigung etwas zu zuckrig daher, und auch das abschließende "Me and you" kitscht arg sakral vor sich hin, bis am Ende ein zerlegtes Verstärkerröhren dem Piano auf die Finger klopft. Dennoch bleiben die Gefühle meist nicht nur bloße Geste. Denn die bisweilen Orwellsche Thematik des Albums läßt kein Aufatmen zu. Depression, Verzweiflung, Monotonie. "Stay in your coma / In your own frustration", lauten nicht umsonst die ersten Zeilen des Albums. Wenn zudem Craig Walker sich zum pochenden Groove von "Pulse" ins Falsett wirft oder in "Get out" seine Kehle mit allem Nachdruck durch den Dreck zieht, ist man mittendrin im Drama von Archive. "How long / Til I sell / My mother / So I become / Important to you." Der Mensch zerbricht an sich selbst. Und an seinen Leidenschaften.

(Oliver Ding)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Noise
  • Fuck u
  • Waste
  • Pulse

Tracklist

  1. Noise
  2. Fuck u
  3. Waste
  4. Sleep
  5. Here
  6. Get out
  7. Conscience
  8. Pulse
  9. Wrong
  10. Love song
  11. Me and you

Gesamtspielzeit: 58:31 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Oceantoolhead

Postings: 954

Registriert seit 22.09.2014

2014-11-28 18:18:22 Uhr
Die 'You all look the same to me' hätte man noch 'Fool' zumachen können, eigentlich das perfekte Abschlussstück und dann hauen se da zwei Filler noch dazu. Auch die 'Noise' wird zum Ende hin schächer, aber 'Me and you' rundet die Platte trotzdem gut ab wie ich finde. Über die Sachen ohne Craig Walker lege ich gerne den Mantel des Schweigens.

Mr Oh so

Postings: 1209

Registriert seit 13.06.2013

2014-11-28 17:53:39 Uhr
Hä? Also bidde. Love song? Me and you? Mit die besten Stücke. Ach was, alle sind grandios, was hab ich dieses Album extensiv gehört! Skip-Kandidaten gibt es da nicht.

carpi

Postings: 545

Registriert seit 26.06.2013

2014-11-28 17:37:37 Uhr
Ja, am Ende schwächelt sie ein wenig, vielleicht ein Problem mancher Archive-Platten, dass sie etwas zu ausufernd geraten - 8/10 sinds aber schon.
ZH
2014-11-28 17:09:31 Uhr
Zustimmung! Für mich besser als "You all look the same to me" (klar, "Again" ist als Einzeltrack kaum schlagbar) und praktisch, dass sich die einzigen 2 Skipkandidaten am Ende des Albums befinden. ;-) Schade haben die sich danach mit Craig Walker verkracht..
XTRMNTR
2014-11-28 16:39:56 Uhr
Tolles Album.

Waste und Sleep hintereinander einfach unschlagbar
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify