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Thompson Twins - Industry & seduction: A Thompson Twins collection

Thompson Twins- Industry & seduction: A Thompson Twins collection

BMG / Universal
VÖ: 31.10.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wahlverwandtschaften

Es gibt Künstler*innen, die trotz vieler Hits nur Zeitgenossen ein Begriff sind. Gerade die 1980er sind notorisch für dieses Phänomen. So hatten Bananarama beispielsweise haufenweise Top-10-Singles in Großbritannien, heute kennen jüngere Hörer maximal "Venus" – und das auch nur, wenn sie während der Adoleszenz den einschlägigen Formatradiosendern ausgesetzt waren. Noch extremer gestaltet sich dies bei Thompson Twins, einer Band, die für eine kurze Zeit global Erfolge feierte und heute fast komplett vergessen ist. Und nein, nur weil man sich selbst noch daran erinnern kann, zu "Doctor! Doctor!" gediscofoxt zu haben, wird diese Aussage nicht hinfällig, im Gegenteil. Das in seiner klassischen Besetzung als Trio auftretende Projekt aus Sheffield kann international durchaus in die "One hit wonder"-Schublade gestopft werden, wenngleich das ein bisschen unfair ist.

Denn Thompson Twins waren zwar nie innovativ oder gar bahnbrechend, für ein paar Jahre stand die Band jedoch für zuverlässig eingängigen Synthpop, der sich nicht zu schade war, auch mal so richtig quirky zu sein. Was despektierlich klingen mag, ist als ehrliches Kompliment gemeint: Beim Hören der Compilation "Industry & seduction: A Thompson Twins collection" wird schnell klar, dass hier überaus talentierte Musiker am Werk waren, die nicht nur eine klare Vorstellung von ihrem Sound hatten, sondern auch ein feines Gespür für Hooks besaßen. Aber natürlich muss der große Hit an erster Stelle stehen: "Hold me now" hat auch im Jahr 2025 nichts von seiner zeitlosen Schönheit eingebüßt. Was schlicht wirkt, ist in Wirklichkeit ein präzise ausbalanciertes Meisterstück der Songwriting-Kunst. Jede Synthie-Line, jeder Adlib, jeder (offensichtlich schlecht gealterte) Drumcomputer-Sound sitzt.

Dass sich auf der Sammlung keine Songs aus der eigentlich äußerst spannenden Frühphase der Band finden, in der sie noch deutlich stärker vom New-Wave-Sound beeinflusst war, ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass sich Tom Bailey, Joe Leeway und Alannah Currie nach mehreren Umbesetzungen ganz bewusst vom Sound der ersten Jahre distanzierten. Die öffentlich wahrgenommene Karriere der Band beginnt und endet wahrscheinlich mit dem Ein- und Ausstieg von Leeway, der maßgeblich an der Produktion der größten Hits beteiligt war. Folgerichtig sucht man Tracks aus den späten Jahren vergeblich, das Nachfolgeprojekt Babble wird selbstverständlich auch ignoriert. Übrig bleiben in der regulären Version des Samplers 20 Songs, die ein erstaunlich großes Spektrum abdecken. Von den tanzbaren Tracks verdienen neben "Doctor! Doctor!" vor allem das vom Geiste Kraftwerks heimgesuchte "Love on your side" und das herrlich bekloppte "Don't mess with Dr. Dream" eine Erwähnung.

Nach wie vor grandios ist auch die Hymne "Lay your hands on me", welche einen schlicht glorreichen Refrain besitzt. Wer hier nicht mindestens grinst, hat kein Herz oder kommt gerade vom Zahnarzt. Eine unterschätzte Seite der Band kommt zum Vorschein, wenn sie sich augenzwinkernd zeigt. Diesbezüglich sind "You take me up", ein Blue-Collar-Blues mit Dreck zwischen den Zähnen, und "We are detective", ein schräger Ausflug in die Welt der Groschenromane, hervorzuheben. Dieser feine Sinn für Ironie ist es auch, der Thompson Twins aus der Masse der in Gleichförmigkeit erstarrten Synthpop-Bands jener Ära heraushebt. Manche Acts waren natürlich weitaus wagemutiger, so ist einschlägig bekannt, was beispielsweise aus Talk Talk oder Depeche Mode wurde, unterschätzen darf man das Trio aus South Yorkshire jedoch auf keinen Fall.

Man kann aber natürlich auch boshaft sein und sagen, dass das Verfallsdatum des Sounds der Songs identisch mit dem Releasedatum ist. Doch gerade weil die Musik exakt nach den Jahren, in denen sie veröffentlicht wurde, klingt, funktioniert sie so gut. Und es ist ja nicht so, dass Thompson Twins keine Ideen hatten. Der wilde Ethno-Jam "The gap" oder das erstaunlich zynische "Future days" stehen sinnbildlich dafür, dass die Band sich mit der bleiernen Schwere der Thatcher-Ära nicht abfinden wollte. Nur das komplett überflüssige "Revolution"-Cover hätte es nicht gebraucht, es stammt aber auch schon aus einer Phase, in der das Schiff kurz vorm Kentern war. Wer ein bisschen mehr Geld auszugeben bereit ist, kann übrigens auch die physische Edition der Compilation erstehen. Diese besteht aus drei CDs, wobei vor allem die zweite Disc, die aus "deep cuts" aus den Studioalben der Band besteht, interessant ist. Das Live-Album braucht hingegen kein Mensch, auch weil es weder im Sound noch in der Performance überzeugen kann.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Hold me now
  • Lay your hands on me (7" version)
  • You take me up
  • The gap
  • Don't mess with Dr. Dream

Tracklist

  1. Hold me now
  2. If you were here
  3. Doctor! Doctor!
  4. Lies
  5. Lay your hands on me (7" version)
  6. King for a day
  7. You take me up
  8. Love on your side
  9. Sister of mercy
  10. The gap
  11. We are detective
  12. In the name of love
  13. Future days
  14. No peace for the wicked
  15. Roll over
  16. Kamikaze
  17. Don't mess with Dr. Dream (7" version)
  18. Revolution (7" version)
  19. Nothing in common (7" version)
  20. Breakaway

Gesamtspielzeit: 79:13 min.

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User Beitrag

Stulle

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Registriert seit 12.01.2023

2025-12-01 22:02:28 Uhr
Wieviel Best-of-Alben haben die (oder ihre diversen lizenznehmenden Labels) mittlerweile rausgebracht? 20? 30? Es gab schon einige gute "Pop"-Musik (im Sinne von erfolgreich) in den Achzigern... aber Thompsom Twins? Naja. Das ist dich eher schlecht gealterte Langeweile.
Dann eher noch Blancmange. Da höre ich noch zur damaligen Zeit Innovatives.

Das wirklich Wichtige fand dann doch außerhalb der Charts statt.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29836

Registriert seit 08.01.2012

2025-11-30 22:56:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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