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Plattenbau - Cursed

Plattenbau- Cursed

Dedstrange
VÖ: 31.10.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Baracken der Macht

Was klingt denn da so morsch? Doch nicht etwa die Behausung, die Plattenbau zuletzt auf "Net prophet" zwar hinreichend knorrig, aber nach allen Regeln der Kunst robuster Post-Punk-Architektur hochzogen? Keine Sorge: Die Zusammenarbeit von Frontmann Lewis Lloyd und Gitarrist und Teilzeit-Soul-Mann Jesper Munk nebst Rhythmusgruppe bröckelt ebenso wenig wie die mehr hässlichen als hübschen Wohnblöcke, nach denen sich das Berliner Quartett benannt hat. Der Grundriss geht vielmehr so: allzu viel new-wavige Kühle raus, der desolaten Weltlage angemessene Verwerfungen aus Noise-Rock und Post-Hardcore rein und die vormals leidlich geradlinige Ausrichtung der Kompositionen circa so oft pro Stück ändern, wie Donald Trump innerhalb einer Woche seine eigenen Ankündigungen revidiert. Fertig wäre ein aufgeworfener, ruppiger Sound, der in der einstigen Mauerstadt bereits eisig die düsteren Genies von Nick Cave, Simon Bonney oder Rowland S. Howard entflammte. Zur Not auch in runtergerockten Bruchbuden.

Man merkt schon: Das vierte Plattenbau-Album "Cursed" ist nicht nur mit Blick aufs Cover ein zweischneidiges Schwert. Da wankt der Opener "Spell" zunächst mit jaulender Psych-Auslegeware und knörmeligem Basslauf wie eine "Seven nation army" aus lauter Gesichtsbaracken vorbei, während Lloyd lüstern "I cast a spell on you to make you my own / Control your body, call you my home" raunt. Tief gestimmte Gitarrenschläge zerren zusätzlich an den Nerven, ehe sich das Stück eine donnernde Speed-Passage gönnt, diese aber so plötzlich abwürgt, als würde eine spätsozialistische Rostlaube mit 180 Sachen um die Ecke biegen. Ein tolles Stop-and-go-Getöse, das alle Retro-Freaks unruhig vor dem Monitorwürfel mit Klötzchengrafik herumrutschen lässt. "Held in a curse" schleift die scharfen Kanten mit trickreichem Groove-Mahlwerk zwar notdürftig ab, macht zwischendurch aber immer noch genug Tempo – das war's dann wohl mit dem neonkalten Bann, den der Vorgänger verströmte: Stattdessen tropft die Suppe von der Decke.

Erst recht, wenn Plattenbau in den speckigeren Stücken wie "Offshore" oder "Hell screen" den Punk so weit raushängen lassen, dass man das "Post" gar nicht mehr vermisst: Ein paar sehnige Licks und Dungeon-Synths müssen ausreichen, um den rohen Beton-Charme des multinationalen Vierers aufrechtzuerhalten – sowie Sally Browns tonangebender, präzise durch die Songs rotierender Bass, der sich neben Lloyds expressivem vokalem Schlürfen immer wieder als heimlicher Protagonist entpuppt. Doch auch wenn man dem Sänger im Friedhof-Shuffle "Hungry ghosts" gern beim Sargdeckelöffnen zuschauen würde: "Cursed" ist hier vor allem die unwirtliche Realität voller Despoten, unter deren Machtansprüchen von Krieg und Ungerechtigkeit gebeutelte Völker zu leiden haben. "We will never forget your name, we will never be free" prophezeit der wunderbar gnadenlos schabende Closer "Rest in power" passend dazu – ist das jetzt gut oder schlecht? Eine Frage, die sich zumindest bei diesem großartigen Album nicht stellt.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Spell
  • Held in a curse
  • Rest in power

Tracklist

  1. Spell
  2. Held in a curse
  3. Hell screen
  4. Hungry ghosts
  5. Jewel
  6. Offshore
  7. Paywall
  8. Rest in power

Gesamtspielzeit: 36:31 min.

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Armin

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2025-11-30 22:57:58 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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