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Nine Inch Nails - Tron: Ares (Original motion picture soundtrack)

Nine Inch Nails- Tron: Ares (Original motion picture soundtrack)

Interscope / Universal
VÖ: 19.09.2025

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Strobe light

Netter Versuch, Trent Reznor und Atticus Ross. Einen Soundtrack zum Franchise-Mikrowellenfutter "Tron: Ares" zu machen, diesen nicht wie üblich unter ihren Klarnamen, sondern waschecht als "Nine Inch Nails" samt eigener "Halo"-Nummer auf den Markt zu werfen und mich als alten Komplettisten am Ende noch nötigen zu wollen, mir den bestenfalls mittelmäßig rezensierten Film samt einem immer unerträglicher werdenden Jared Leto anzusehen. Dabei funktionierten die Reznor/Ross-Soundtracks sowieso immer prima ohne die visuelle Begleitung, erst jüngst wieder bei "Challengers" – immerhin auch als Film sehenswert. Mit diesem Score hat "Tron: Ares" musikalisch auch wesentlich mehr gemeinsam als mit den düsteren Ambient-Skizzen zum Computerspiel "Quake", dem bislang einzigen Soundtrack unter dem Band-Moniker aus dem Jahr 1996. Nine Inch Nails diesmal also? Was ist anders? Man könnte drüber sinnieren, dass immerhin vier Songs mit Gesang unter den 24 Tracks befindlich sind. Schon "Challengers" hatte aber ebenfalls Reznor am Mikro, das alleine kann es nicht sein. Der Scope, die Länge? Pff, "The girl with the dragon tattoo" wischt mit guten drei Stunden Spielzeit hiermit den Boden. Reznor und Ross sagen "Leidenschaft" und "persönliche Bedeutung". Das mag sein. Ein bisschen riecht es aber nach "Disney-Konzern" und "Geld". Would you bite the hand that feeds you?

Die erste Single "As alive as you want me to be" ist jedenfalls klassischer Banger von Nine Inch Nails durch und durch – fällt zwar eher auf die elektronisch-poppige Seite der Band, mehr "Copy of a" statt "March of the pigs", aber das ist nichts Verkehrtes. Unkonkrete Reznorismen gibt es frei Haus: "It's eating up the space between us / It's eating up all remaining doubt / It's filling up the hole inside you / It's trying to find a way to let itself out." Da ist das quietschige Vocoder-"Yeahyeahyeah" tatsächlich noch das Innovativste. Aber wer hat etwas gegen Spaß? Reznor und Ross sicher nicht und lassen das Thema des Songs in mehreren Instrumentals wieder aufleben, variieren es, weben es in andere Melodien ein. Dieses "Memory"-artige Vervielfachen von Motiven kennt man von "Challengers" bereits. Weil's so schön ist, passiert es mit dem eröffnenden Hauptthema "Init" genauso, welches regelmäßig erneut über den Weg läuft und mit dem Finale "Shadow over me" ebenfalls mit Reznors Gesang veredelt wird. "Hard to tell if I'm awake anymore / Hard to know for sure." Verständlich, 68 Minuten sind ja durchaus lang.

Da liegt der Hase im Pfeffer: "Tron: Ares" bietet zwischen seinen Höhepunkten sehr solide Score-Kost, aber die Intensität eines "The social network" oder wenigstens die Zackigkeit von "Challengers" erreichen die Instrumentals nicht. Durch die Wiederholungen verschiedener Versatzstücke zieht sich das Ganze spätestens in Hälfte zwei etwas zu lang. Musste dieser Drone wirklich noch rein? Brauchte es jene Reprise von "As alive as you need me to be" tatsächlich noch mal? Oder war die Idee, das Ganze als Nine-Inch-Nails-Werk laufen zu lassen, womöglich durch erhöhte Erwartungen ein Schuss in den eigenen Fuß? Schließlich warten Fans seit "Bad witch" auf neues, "klassisches" Material. Trotz allem können es die beiden Koryphäen ja. Die Motive sind eingängig und auch die beiden Vocaltracks aus der Albummitte können viel. "I know you can feel it" ruft beatgetriebene Erinnerungen an "Even deeper" hervor, im wunderschönen "Who wants to live forever?" duettiert Reznor mit der spanischen Sängerin Judeline. "If I could stay here / I could find a way somehow / Think I would be better now."

Der Rest verschwimmt etwas, liefert im Wechsel stampfende Beats mit heulenden Synths, zurückgenommene Ambient-Miniaturen oder auch einmal Klavierstücke wie das flüsterleise "Echoes". Trotz all der geballten Kompetenz am Werk fragt man sich, ob man nicht ein paar der Stücke zugunsten eines griffigeren Albums hätte zusamenstreichen können – und wer denkt, dass der Kritikpunkt doch so ähnlich bereits im letzten Absatz stand, bekommt in etwa eine Idee, wie sich dieser Soundtrack anfühlt. "Tron: Ares" ist aber durchaus ein launiges, wenn auch etwas langes Vergnügen geworden, bei dem dreckig blinkende und flirrende Lichtstreifen zu crunchigem Synth-Pop vorm inneren Auge vorbeifliegen. Die Ästhetik der Filmreihe treffen die Stücke perfekt. Nur wer mit den Erwartungen an ein "echtes" Nine-Inch-Nails-Album herangeht, guckt in die (Neon-)Röhre.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • As alive as you need me to be
  • Who wants to live forever?
  • Shadow over me

Tracklist

  1. Init
  2. Forked reality
  3. As alive as you need me to be
  4. Echoes
  5. This changes everything
  6. In the image of
  7. I know you can feel it
  8. Permanence
  9. Infiltrator
  10. 100% expendable
  11. Still remains
  12. Who wants to live forever?
  13. Building better worlds
  14. Target identified
  15. Daemonize
  16. Empathetic response
  17. What have you done?
  18. A question of trust
  19. Ghost in the machine
  20. No going back
  21. Nemesis
  22. New directive
  23. Out in the world
  24. Shadow over me

Gesamtspielzeit: 68:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

oldschool

Postings: 995

Registriert seit 27.04.2015

2025-12-02 09:31:48 Uhr
Die Musik passt gut zu dem etwas überlangen Videoclip Namens "Tron Ares".

Album zu lang? Nun ja - es ist eben der vollständige Score.

Aber auch etwas kompakter wäre das Album für mich nichts, was ich aus dem Kontext vom Film gerissen öfters anhören würde. Reznor hat seine Aufgabe, einen passenden Score abzuliefern, gut gemeistert. Ohne die Bilder (für mich zumindest) aber nicht sehr reizvoll

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29836

Registriert seit 08.01.2012

2025-11-30 22:54:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Klaus

Postings: 12529

Registriert seit 22.08.2019

2025-09-29 13:17:30 Uhr
So ein richtiges NIN album wäre mal wieder was. Und ein gutes dazu. Das ist hier ist sicher nett, wenn es in dem Film vorkommt, ansonsten aber auch eher so eine Randnotiz.

fuzzmyass

Postings: 20647

Registriert seit 21.08.2019

2025-09-23 09:42:39 Uhr
"... und nicht zu vergessen kommt da auch noch ein Film, der reichlich Kontext zur Musik liefern wird. Also nix mit "summa sumarum". ;)"

Die Musik kann aber auch ohne den Film funktionieren und bewertet werden - das ist der Fall bei allen anderen Reznor & Ross Soundtracks, da habe ich auch nicht mal alle Filme gesehen und die funktionieren trotzdem prima...
Wie gesagt bezieht sich das "summa summarum" auf die ersten Durchgänge, da steht nirgendwo, dass das das endgültige Urteil ist, im Gegenteil

Ochsensemmel

Postings: 457

Registriert seit 22.09.2025

2025-09-23 08:51:39 Uhr
Wird garantiert floppen.
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