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Keaton Henson - Parader

Keaton Henson- Parader

PIAS / Rough Trade
VÖ: 21.11.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

The saddest showman

Live-Konzerte bieten oft die Gelegenheit, eine besonders intime Verbindung zwischen Künstler*in und Publikum herzustellen. Für Keaton Henson sind sie aufgrund seiner Soziophobie und Hypersensibilität bei hellen Lichtern und Gewusel eher eine Qual. Zum Glück ist "besonders intim" ein Prädikat, das auf seine Studio-Alben bereits voll zutrifft. Seit nunmehr 15 Jahren singt der Brite über seine Leiden, Ängste und Selbstzweifel und hilft seinen Hörer*innen, ähnliche Gedanken und Gefühle zu verarbeiten. Dies gilt auch für seine neunte Platte "Parader", auf welcher der introvertierte Henson musikalisch mehr aus sich heraus geht. Inspiriert von seiner jugendlichen Begeisterung für Grunge jagt er immer wieder Strom durch seine akustischen Singer-Songwriter-Stücke. "Parader" ist weit davon entfernt, Futter für die nächste Indie-Disco zu liefern, entwickelt aber einen Punch, der von einem Keaton-Henson-Album nicht unbedingt zu erwarten war.

"Don't I just blow the party out / Like candles in a storm?", fragt der Opener "Don't I just", der sich von seinen minimalistischen Gitarrenakkorden ausgehend im aufbrausenden Refrain selbst zum Sturm aufschwingt, gesangliche Unterstützung bekommt und sogar ein Solo knistern lässt. "Insomnia" bleibt geladen, reibt seine Riffs zwischen kraftvollen Drums auf und nimmt die Natur selbst ins Visier: "What has the daylight done for me but hurt my eyes?" In diesem Beieinander von folkiger Zerbrechlichkeit und emotional wuchtigem Indie-Rock erinnert Henson an Bands wie Wednesday oder Ratboys – da ist es nur passend, dass Julia Steiner, die Frontfrau der letzteren, in "Lazy magician" mitsingt. Wieder gibt es einen wunderbaren Ausbruch, der auch dem anderen Duett der Platte "Furl" gutgetan hätte. Dafür besticht dieser gemeinsam mit Hensons Ehefrau Danielle Fricke komponierte und performte Song durch eine meditative Langsamkeit, die gerade im Kontrast zu den lauteren Momenten ihre Wirkung entfaltet.

Dementsprechend knallt das direkt im Anschluss folgende Doppel aus "Loose ends" und "Operator" besonders effektiv und huldigt dem fuzzigen Slacker-Rock – wenn auch der Slowcore-Variante davon, welche die Mundwinkel eher nach unten zieht. Wie gewohnt hängt eine graue Wolkendecke über Hensons Texten, doch lockert er das Selbstmitleid durch kreative Sprachbilder und Expressionen selbstbewusster Widerstandsfähigkeit regelmäßig auf. "As long as I'm living, I may as well write it down", lautet etwa das Credo von "Past it", einer auf schlingernden Saiten geführten Reflexion des eigenen Kunstschaffens. In "Conversation coach" geht es wiederum um Hensons Schwierigkeiten mit sozialer Interaktion, wobei der Track mit seinem Ohrwurm-Refrain und der verspielten Percussion ironischerweise einer der zugänglichsten des Albums ist.

Das romantische Zwischenmenschliche steht im Fokus von "Tell me so" mit seinem Synth-Streicher-Finale und prägt auch eines der größten Album-Highlights. "I'll let you know when I'm in town / We'll spend the day hanging around", singt Henson zu Beginn von "Day in New York" mit sorgloser Naivität, ehe sich das Stück als herzzerreißende Geschichte über die Spannung zwischen Liebe und Karriere entpuppt und verzerrte Slides an der sanften Akustikgitarre nagen. Hier und im vorhergehenden "Tourniquet" bewegt sich Henson im Luftraum des Nullerjahre-Emo-Folks, den Bands wie Okkervil River einst zur tränenprovozierenden Perfektion getrieben haben. "Parader" endet mit dem musikalisch etwas flachen "Performer", das vor dem herunterfallenden Vorhang noch einmal die Gelegenheit zur künstlerischen Standortbestimmung ergreift: "I am the parader / The person who parades around showing their wounds for a living." Ein kleines bisschen Showman steckt selbst in Keaton Henson.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Don't I just
  • Loose ends
  • Operator
  • Day in New York

Tracklist

  1. Don't I just
  2. Insomnia
  3. Lazy magician (feat. Julia Steiner)
  4. Past it
  5. Conversation coach
  6. Furl (feat. Danielle Fricke)
  7. Loose ends
  8. Operator
  9. Tell me so
  10. Tourniquet
  11. Day in New York
  12. Performer

Gesamtspielzeit: 47:27 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2025-11-30 22:57:03 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

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Registriert seit 21.01.2024

2025-11-21 10:43:54 Uhr
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MickHead

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2025-11-18 16:20:42 Uhr
MusikBlog

https://www.musikblog.de/2025/11/keaton-henson-parader/

MickHead

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Registriert seit 21.01.2024

2025-10-23 11:55:00 Uhr
2. + 3. Song

"Past It"

https://www.youtube.com/watch?v=WsYXhyWCrjU

"Loose Ends"

https://www.youtube.com/watch?v=TiMXintn_u0

Obrac

Postings: 2784

Registriert seit 13.06.2013

2025-09-17 18:06:09 Uhr
Cool. Die letzte fand ich aber eher schwach. Dennoch, man leidet gerne mit ihm mit.
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