Fine Young Cannibals - FYC40
London / Al!ve
VÖ: 21.11.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
It’s a Gift
History first: Als sich die Ska-Latin-Reggae-Soul-Fusionisten The Beat 1983 auflösten, beschlossen Gitarrist Andy Cox und Bassist David Steele, mit einer neuen Band weiterzumachen. Der Filmklassiker "All the fine young cannibals" sorgte schon mal für einen knackigen Bandnamen, die Suche nach dem Sänger gestaltete sich langwieriger. Monate des Durchhörens potenzieller Kandidaten vergingen, doch dann landeten sie mit Roland Gift, der vorher mit den Akrylykz Ska gemacht hatte, einen Volltreffer. Seine markante Stimmfarbe sollte die Band trotz überschaubarer Diskografie auf Jahrzehnte unverwechselbar machen.
Mit der ersten Single "Johnny come home", welche die Ska-Wurzeln in den Pop überführte und dabei eine lässige Jazz-Trompete integrierte, gelang gleich ein Top-Ten-Hit. Das nach der Band benannte Debütalbum von 1985 war ebenso erfolgreich und warf mit dem durch Background-Vocals von Jimmy Somerville veredelten Elvis-Cover "Suspicious minds" einen weiteren Hit ab. Es folgte ein Abstecher ins Kino, für "Tin men" spielten sie die Hausband in einer Clubszene und steuerten drei Songs vom kommenden zweiten Album zum Soundtrack bei, darunter den späteren Hit "Good thing". Auch das gewagte Buzzcocks-Cover "Ever fallen in love" erschien bereits auf einem Soundtrack, lange bevor "The raw and the cooked" 1989 endlich fertiggestellt war. Auf diesem zweiten Album, konsequent in eine "Raw"- und eine "Cooked"-Hälfte unterteilt, wagten sie Ausflüge in verschiedenste Richtungen, von Soul bis Dance, und erreichten ihren künstlerischen sowie kommerziellen Höhepunkt, angefeuert vom unverwüstlichen Evergreen "She drives me crazy". Warum sich das Trio nach so einer feinen Platte auflöste und neben einem Remix-Album nur noch einen Song für eine erste Best-Of-Compilation zustande brachte? Eines der Mysterien der Popgeschichte.
Der Begriff unverwüstlich trifft auch auf die meisten Songs zu, die sich nun auf "FYC40" versammeln. Denn obwohl die Stücke, vom etwas jüngeren "The flame" abgesehen, zwischen 36 und 40 Jahren alt sind und sich der Sound oft an noch älteren Musikstilen orientiert, sorgen die Produktion, das Songwriting und Gifts samtig-warme Stimme für Zeitlosigkeit. Neben den großen Nummern können auch die kleineren glänzen – wie das Pet-Shop-Boys-eske "I'm not satisfied" und das wunderbar melancholische "I'm not the man I used to be". Die Anthologie "FYC40" erscheint für Einsteiger als 12-Track-CD und -LP mit den wesentlichen Songs. Für die weitere Vertiefung sei die – auch für diese Rezension vorliegende – Fassung mit zwei CDs und LPs empfohlen. Hier gibt es 18 Songs und dazu sechs (LP) beziehungsweise zwölf (CD) exklusive Remixes. Die wirklich lohnenswert sind, denn da waren große Namen der Mischkunst am Werk – von Julian Mendelsohn über Frankie Knuckles bis hin zu Norman Cook. Und für Sammler und Fans gibt es das Rundum-Glücklich-Paket auf vier CDs plus DVD. Mit beiden Alben in voller Länge, noch viel mehr Remixes, unter anderem von Arthur Baker, Cerrone, Faithless und Juan Atkins, dazu Demos und Livemitschnitte. Damit sollte die Geschichte der Fine Young Cannibals rund sein. Mal sehen, ob der damit tourende Roland Gift nun Lust auf Neues verspürt, das könnte interessant werden.
Highlights
- Johnny come home
- Suspicious minds
- She drives me crazy
- I'm not the man I used to be
Tracklist
- CD 1
- Johnny come home
- Blue
- Suspicious minds
- Funny how love is (re-recorded version)
- Ever fallen in love
- She drives me crazy
- Good thing
- Don't look back (7" remix)
- I'm not the man I used to be
- I'm not satisfied
- It's ok (It's alright)
- The flame
- Love for sale (1990 mix)
- Wade in the water
- Motherless child
- Couldn't care more
- Tell me what
- Social security
- CD 2
- She drives me crazy (Flight Facilities remix)
- Ever fallen in love (DJ Q remix)
- Johnny come home (Initial Talk remix)
- She drives me crazy (The Reflex revision)
- Blue (Mark Kamins remix)
- Suspicious minds (John Luongo suspicious mix)
- She drives me crazy (Louil Silas jr. extended version feat. Monie Love)
- Good thing (Julian Mendelsohn extended version)
- Don't look back (Thompson / Barbiero extended version)
- I'm not the man I used to be (Cook II Soul mix)
- I'm not satisfied (Prince Paul 12" mix)
- Johnny come home (Frankie Knuckles classic club feeling)
Gesamtspielzeit: 140:22 min.
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2025-11-30 22:53:28 Uhr - Newsbeitrag
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Referenzen
The Beat; Akrylykz; Two Men, A Drum Machine And A Trumpet; The Style Council; The Communards; Level 42; The Specials; Fun Boy Three; UB40; Soul II Soul; Howard Jones; ABC; Frankie Goes To Hollywood; Dexys; Lighthouse Family; Yard Act; Sam Cooke; Otis Redding; Al Green; Terence Trent D'Arby; Jimmy Somerville; Bronski Beat; The Catch; Pet Shop Boys; The Byrds; Marvin Gaye; Prince; James Brown; The Supremes; Roxette; Elvis Presley; Feargal Sharkey; Buzzcocks
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