De La Soul - Cabin in the sky
Mass Appeal / The Orchard
VÖ: 21.11.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Große Harfenrundfahrt
Ein Hip-Hop-Album ausgerechnet mit einer geziemenden Extraschippe an Harfenklängen ein- und auszuleiten: Das kann wohl wirklich nur einer Band einfallen. De La Soul. Wobei die irisierend-flirrenden Saitenspiele streng genommen erst im zweiten Track zum Einsatz kommen, doch dieser ist auch das erste richtige Stück Musik. Zunächst einmal darf man nämlich einem rund dreieinhalb (!) Minuten langen Vollzähligkeitsappell beiwohnen. Kein Geringerer als der berühmte Schauspieler Giancarlo Esposito gibt hier den Conférencier und fragt die Anwesenheit und Verkehrsfähigkeit aller beteiligten Musiker*innen ab. Man ahnt: Es sind eine ganze Menge – und auch die Spielzeit des Albums ist noch dazu rekordverdächtig. Aber gut, seit dem letzten Album "And the anonymous Nobody" sind neun Jahre vergangen, da darf man schon mal etwas weiter ausholen. Und noch dazu stand die Arbeit an "Cabin in the sky" unter dem Zeichen des Verlusts: 2023 verstarb Dave Jolicoeur alias Trugoy the Dove alias Plug Two. Seine Stimme und sein künstlerischer Geist leben aber trotzdem auf "Cabin in the sky" weiter, so viel darf bereits an dieser Stelle verraten werden.
De La Soul laden auf "Cabin in the sky" zu einer großen und reichlich bunten Rundfahrt ein, die – wie man's von ihnen kennt – nicht ausschließlich aus Musik besteht, ein bisschen was von ihrer Liebe zu auflockernden Skits ist geblieben. Ob man das eher als lästige "Werbeunterbrechung" empfindet oder als willkommene Abwechslung im Sinne eines "Geht's Euch allen noch gut, jemand noch ein Sektchen?" der anwesenden Animateure, sei dahingestellt. Fest steht, dass gleich die ersten Tracks sehr gut loslegen und durch die Bank ganz eigene Stärken mitbringen. "Yuhdontstop" kommt mit extrem sauber fließenden Beats, gezielt gesetzten Stops und reichlich Seventies-Funk-Anleihen, unterstützt von einer fast schon sinfonisch anmutenden Streicherliga. "Sunny storms" bringt klassischen Boom-Rap mit Scratches und G-Funk-Sounds, erlaubt sich mittendrin auch mal ein Absinken des Tempos – und "Good health" verwirrt und beglückt zugleich durch Kinderstimmen im Intro, dann aber extrem stolpernd-verzögerten Beats und einem herrlichen Flow. Das gutgelaunte "The package" wiederum möchte vor allerlei Samples fast bersten und treibt die immer etwas chaotische Machart legendärer De-La-Soul-Songs auf die Spitze. Das fetzt, man verzeihe die volkstümliche Sprache, einfach wie Sau.
So ganz wird das Niveau aber über die folgenden Tracks nicht gehalten. Ist halt wie bei einer echten Hafenrundfahrt: Zu Beginn sind alle noch ganz aufgeregt ("Hurra, wir legen ab!"), die ersten Getränke werden gereicht, und die Stimmung geht hoch – irgendwann kommt aber auch der Moment, in dem man einfach nur fährt und in die Gegend hineinkuckt. Der erste Wachmacher ist dann das komplett wahnsinnig arrangierte "Run it back!!": Auf Basis eines ziemlich langen, teils rückwärts laufenden The-Police-Samples ("Everything she does is magic") wird hier ein windschiefer Beat aufgebaut und reichlich schlampig gerappt. Da mag man schon mal etwas seekrank werden, zugleich macht das aber auch gehörig Spaß. Der Spannungsbogen oszilliert danach wiederum recht starken Ausschlägen, hier liegen Licht und Schatten nah beieinander. Richtig hohes Niveau zeigen dann wieder die letzten beiden Tracks: "Cabin in the sky" ist ein fast schon meditativer, aber auch kraftvoller Rückblick und Tribut an Trugoy. Und "Don't push" me zitiert unverhohlen Grandmaster Flash ("The message"), unterlegt aber den hektisch-nervösen Urtext musikalisch fast schon nach Art einer Soul-Ballade.
Ist das jetzt ein Knaller-Album oder nicht? Schwere Frage. Gegenfrage: Was ist ein Knaller-Album? De La Soul waren ja eh nie diejenigen mit den allerschärfsten Beats, den krassesten Lyrics und den quecksilbrigsten Hi-Hat-Traps. Was sie stets besonders machte, ist der durchgehende Flow, der sich durch ihre Alben zog – und nicht zuletzt der positive Gänseblümchen-Vibe, der eine erfrischende Abwechslung zur ganzen kriminellen Bad-Boy-Attitüde vieler ihrer Zunftkollegen anbietet. Genau das kriegt man hier auch wieder abgeliefert: Rap und Hip-Hop mit Herz, Lebensfreude und "Twinkle in the eye". Ja, man möchte sich glatt mit einem knallroten Fiat Panda und diesem Album im Soundsystem (welches man allerdings zuvor noch in den Panda einbauen müsste, eh klar) in den Angeberparcours auf dem Ocean Drive (Miami) einreihen. Könnte gut sein, dass einem damit eine ganze Menge Herzchen zufliegen und manch ein Proll in seinem bis an die Zähne bewaffneten "Hummer" dagegen freudlos und einsam aussieht. Hup-hup!
Highlights
- Youhdontstop
- Sunny storms
- Good health
- Run it back!!
- Don't push me
Tracklist
- Cabin talk (album intro) feat. Giancarlo Esposito
- Yuhdontstop
- Sunny storms
- Good health
- Will be feat. Yummy
- The package
- A quick 16 for mama feat. Killer Mike
- Just how it is (sometimes) feat. Jay Pharoah & Gareth Donkin
- Cruel summers bring fire life!! feat. Yukimi from Little Dragon
- Day in the sun (gettin' wit u) feat. Q-tip & >ummy
- Run it back!! feat. Nas
- Different world feat. Gina Loring
- Patty cake
- The silent life of a truth
- En eff feat. Black Thought
- Believe (in him) feat. Lady Stout & k. Butler & The Collective
- Yours feat. Common & Slick Rick
- Palm of his hands feat. Bilal
- Cabin in the sky
- Don't push me
Gesamtspielzeit: 70:40 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Nate Postings: 40 Registriert seit 09.10.2016 |
2025-12-09 19:17:44 Uhr
Richtig stark. Verstehe gar nicht, wie man das in einer derart schwachen Woche nicht zum Album der Woche machen kann. |
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Gallants22 Postings: 94 Registriert seit 22.01.2025 |
2025-11-30 22:59:48 Uhr
Passend zum neuen Album hier noch ein altes DJ Set von Maseo gegen den Winterblues.https://youtu.be/KVEw92mDLEA?si=NnnrJR8Q73f8n-RP |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29837 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-11-30 22:56:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29837 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-11-30 22:39:41 Uhr
Verschiebe die bisherigen Beiträge dazu in diesen Thread. |
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Gallants22 Postings: 94 Registriert seit 22.01.2025 |
2025-11-30 22:37:33 Uhr
The Daisy Age is back with style. Mit A Tribe Called Quest meine allerliebste Hip-Hop Formation. |
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Referenzen
A Tribe Called Quest; The Pharcyde; Gorillaz; Run The Jewels; The Roots; Del The Funky Homosapien; Gym Class Heroes; Mos Def; J Dilla; Q-Tip; Cypress Hill; Public Enemy; Kanye West; Snoop Dogg; 2 Chainz; Grandmaster Flash; Chance The Rappe; Lil B; Lil Wayne; Vince Staples; Kendrick Lamar; Usher; Pharrell Williams; Frank Ocean; Miguel; Beastie Boys; Gnarls Barkley; Danger Mouse; Dangerdoom; Stereo MCs; Die Fantastischen Vier; Freundeskreis; Max Herre; Fettes Brot; Beginner; Beck; Little Dragon; Phoenix
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