Bel - Holy grail
Nettwerk
VÖ: 17.10.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Noch nicht am Ziel
Auf der Suche nach dem Heiligen Gral hat's schon einige zerlegt. Gedankenblitze an Monty Python oder Harrison Ford und Sean Connery schießen in den Kopf. Bei der Reise zur Wunscherfüllung sollte man sich noch mal genauer überlegen, von was man eigentlich träumt. Isabel Whelan aka Bel hat zum Glück eher bodenständigere Träume, von denen man allerdings auch weiß, wie lange die Erfüllung dauern kann. Die Kalifornierin nimmt für ihr Debütalbum ihre Kindheitswünsche, sucht nach Liebe, nach Glück, nach Selbstreflektion. Ihre Geschichte ist keine der Superlative, aber eine von schönen Beobachtungen im Alltäglichen mit einer stilsicheren Ausrichtung und Vision. Aber das sind Textanalysebegriffe. "Holy grail" ist einfach schön!
Das Instrumental-Intro "Break a leg" gibt am Piano einen kurzen Einblick, wie die Reise zum Gral so klingen wird, und geht fließend in den ersten Song "I want" über, der eine Menge Wünsche einmal klar formuliert. Das kann so etwas Banales wie mehr Sommersprossen sein oder auch einfach: "I want the takeout on the couch / I want your tongue inside my mouth." Streicher und Hintergrundgesang geben den sympathischen Forderungen Volumen und Nachdruck. Den ersten Herzschmerz gibt es in "Amor", das für seinen Ausdruck der Sehnsucht nach Liebe Englisch und Spanisch vermengt: "Quiero amor / I've just been so bored!" In diesem umtriebigen Highlight entdeckt man Feinheiten wie einen Drumloop in der Bridge, eine verspielte Gitarre und einen selbstbewusst im Hintergrund die Arme verschränkenden Bass. Ähnlich schön hintergründig glitzern in "Read between" immer wieder helle Saiten. Und "Hindsight" reichert die Gesangsspur elektronisch an und versucht zu überraschend aufgewühlten Drums, mit Enttäuschung umzugehen: "Learning how to let it be / If you can't give me what I need / I won't spend the energy." Der Indie-Pop von Bel kann auch schwermütig sein, auch wenn sie dabei freundlich bleibt.
In "Look it up" zeigt der E-Bass zwar seine Zähne und grummelt vor sich hin, dafür macht Whelan im Gesang leichte Sprünge und zaubert plötzlich den eingängigsten Refrain des Albums aus dem Ärmel: "If you have to look it up / It's probably not love." Mit seiner Bridge und Tempoverschleppung wird der Song eh schon zum Highlight und streuselt dann noch besondere Zeilen on top: "Got a lot of history that you wanna rewrite." Der titelgebende Track channelt danach sehr die innere Phoebe Bridgers, wird am Klavier und von Hintergrundgesang begleitet und ist eine warme Briese von einem Indie-Folk-Song, auch wenn der lyrische Wetterbericht anders ausfällt: "Learning to dance in the rain / Even if it starts to hail." Bels Suche nach dem Heiligen Gral fällt mit etwas über einer halben Stunde zwar ziemlich kurz aus, dafür stellt sie ganz ans Ende noch ein weiteres Highlight. Beziehungsweise wird im famosen, rockenden "Parachute" eigentlich klar, dass die Reise und Suche der Sängerin mit ihrem Debütalbum gerade erst angefangen haben, wenn sie zu liebenswürdigen Harmonien singt: "I know what I'm looking for, I just gotta look some more / To find it." Scheint so, als wäre sie auf dem richtigen Weg.
Highlights
- Amor
- Look it up
- Holy grail
- Parachute
Tracklist
- Break a leg
- I want
- Amor
- Party tricks
- Read between
- Hindsight
- Look it up
- Only want you
- Fresh start
- What do you want me to say?
- Holy grail
- Parachute
Gesamtspielzeit: 33:21 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30443 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-11-20 21:36:28 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 10845 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-10-21 16:40:02 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://bel-makes-music.bandcamp.com/album/holy-grail |
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MickHead Postings: 10845 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-07-05 12:47:56 Uhr
Die amerikanische Singer-Songwriterin und Indie-Pop/Rock/Folk Sängerin Isabel Whelan aka "BEL" aus Clovis, California, based in Los Angeles, kündigt für den 17.10. das Debütalbum "Holy Grail" an.Sie ist bekannt für ihre emotionale Musik, die verschiedene Genres wie Indie-Pop und Pop-Rock umfasst. BEL hat mehrere EPs veröffentlicht, darunter "Jet Lag" und "Read the Room", und hat mit verschiedenen Künstlern zusammengearbeitet. Sie tourte auch durch Europa und spielte auf Festivals wie dem Reeperbahn Festival. 2024 startete sie ihre erste UK-Tour und trat auf Festivals wie Glastonbury und The Great Escape auf. Moderne Musik wird selten als zeitlos bezeichnet, doch BEL sticht aus der Masse hervor. Isabel Whelan stammt aus der kalifornischen Kleinstadt Clovis und komponiert nostalgische Songs mit Ehrlichkeit und Liebe zum Detail. Sie bewegt sich an der Schnittstelle von Indie-Rock, Pop und Folk und orientiert sich dabei an Größen wie Stevie Nicks, Joni Mitchell und Mazzy Star. 3 Songs bisher geteilt: "Party Tricks" https://youtu.be/DESv91kAydc?si=LSRopc7Yk78_CJkK "I Want You" https://youtu.be/LFIshKFBIGI?si=10Xliu2IRbxr-6Gt "Fresh Start" https://youtu.be/Ixvw4WTNOVw?si=slj-ZNNvzZ3T5_dy "Read The Room" EP (2023) bei YouTube: https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mtGJz7b-GYLAtur2GkIX9gnvL7FcnS620&si=GRq6_uMBXk9-il24 "Jet Lag" EP (2022) bei YouTube: https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lrcQjSFDJLS66tQSdjrJgCfYz-x_Gxco8&si=79RP8e2hP1z7CQpg "Muscle Memory" EP (Debüt 2021) bei YouTube: https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kQlOLoN7HqozDYZxVJx3BlIOseIqVW0F0&si=NikTGXYFhZxQrK04 |
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Referenzen
Hotel Fiction; Anna Shoemaker; Hannah Cole; Beeson; Pool Girl; Carol Ades; Boyish; Devon Again; Babygirl; Blondshell; Juliana Madrid; Miya Folick; Boygenius; Phoebe Bridgers; Lucy Dacus; Julien Baker; Flower Face; Skullcrusher; Nicole Dollanganger; Ghostly Kisses; Billie Marten; Mazzy Star; Maya Hawke; Paris Paloma; Margo Cilker; Rozi Plain; Caroline Rose; Julia Jacklin; Snail Mail; Waxahatchee; Stella Donnelly; Stevie Nicks; Joni Mitchell



