White Lies - Night light
PIAS / Rough Trade
VÖ: 07.11.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Lass Dich überraschen
Es ist kein gänzlich neues Phänomen im Kreise jener einst erfolgreichen und gehypten UK-Bands der Class of 2005. Und so traf das Schicksal irgendwann auch White Lies. Beim Einsortieren des Outputs der Truppe um Harry McVeigh schlich sich unlängst der ein oder andere Gähner ein. Kollege Müller stellte zuletzt gar einen Stillstand fest. Und während Plattentests.de-Chef Linder nun anscheinend keine mutigere Idee hatte, als für den Müller einfach mal den Meyer einzuwechseln, ist letzterer merklich erleichtert, dass es White Lies ihm anno 2025 gar nicht mal so schwer machen.
Denn die Briten liefern mit ihrer siebten LP "Night light" mal kein More of the same. Sie trauen sich was, justieren ihren Sound, ohne ihre DNA und den Hang zu feinen Refrains zu verlieren. An die neuen Stücke ging die Band anders heran: Inspiriert von der Live-Fernsehshow "The Midnight Special" aus den 1970er-Jahren beschloss das Trio, die neun Songs zunächst ausgiebig im Proberaum aufzuführen und dort weiter zu verfeinern, bevor man sie dann im Studio aufnahm. Eine Umkehr des gängigen Prozesses, denn häufig entdecken Musiker*innen den speziellen Geist neuer Songs, die Energie, die sie entfachen können, erst auf der folgenden Tour. Durchaus fließen hier also bekannte Elemente aus Disco und 70s-Prog ein, vor allem aber punktet "Night light" gleich vom Start weg mit kaum erahnter Abwechslung.
Denn viel unterschiedlicher könnten die Songs der A-Seite kaum sein. Da wäre etwa der zart ballernde Disco-Rock des Openers "Nothing on me", von wildem Basslauf angetrieben, hintenraus mächtig am Pumpen. Oder das fluffige, melodieselige Indie-Discofox-Tänzchen namens "Keep up" und das melancholische, progressiv flirtende, mit interessantem Refrain-Haken verzierte "All the best". Auch der sich selbst antreibende Titelsong atmet ihn durchaus tief ein, den glamorientierten Sound der Siebziger. "Everything is ok" wählt dann, ebenso überraschend, den sehr zarten Ansatz. Das Stück loopt sich, bloß auf Stimme, Piano und Synths gebettet, in eine beinah meditierend anmutende Refrainschleife. Dass White Lies hier doch wieder nah am Kitsch sind, stört nicht wirklich.
Für die Studio-Sessions rekrutierten die Briten zudem den Keyboarder Seth Evans als kreativen Mitstreiter. Denn es gibt sie auch weiterhin, die typischen, synthie-getriebenen Soundscapes. Der hymnenartige Rock von "I just wanna win" oder die markante Indie-Rock-Refrainwalze "Juice" greifen auf White-Lies-Trademarks zurück, stecken diese allerdings in eine neu und frisch anmutende Retro-Klamotte. Und wenn "In the middle" dann zum Abschluss im Synthpop-Gefilde taucht, auf die strobogeflutete Tanzfläche lädt und sich einige Ü40-Nasen zu vertrautem Sound in den Armen liegen, ist wohl doch wieder mal "Indie-Party" in der Stadt. White Lies mischen wieder mit.
Highlights
- Nothing on me
- All the best
- Juice
Tracklist
- Nothing on me
- All the best
- Keep up
- Juice
- Everything is ok
- Going nowhere
- Night light
- I just wanna win
- In the middle
Gesamtspielzeit: 42:32 min.
Referenzen
Glasvegas; The Cinematics; The Bravery; Editors; Band Of Horses; Broken Bells; New Order; Morrissey; Paul Weller; Talking Heads; Hurts; The Smiths; Ultravox; Duran Duran; Tears For Fears; Echo & The Bunnymen; Depeche Mode; A-Ha; Can; Pink Floyd; The Cure; The Zutons; Talk Talk; The Rakes; Interpol; The Killers; Inhaler; The Big Pink; Delphic; Camouflage; Color Film; Friendly Fires; Nik Kershaw; Hot Chip; Grizzly Bear; Arctic Monkeys; Foals; Kaiser Chiefs; Phoenix; Keane; Morrissey
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