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Jan Plewka - Eine Art Soloalbum

Jan Plewka- Eine Art Soloalbum

Clouds Hill
VÖ: 10.10.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Eine andere Art von Seligkeit

Man begegnet diesem Werk am besten mit einer gewissen Sanftheit im Blick. Der Titel gibt bereits einen ersten Hinweis auf den zu entdeckenden Inhalt. Zwar musiziert Jan Plewka hier ohne seine Band Selig, dennoch handelt es sich nicht um ein reines Soloalbum, da er sich für die Recordings namhafte Feature-Künstlerinnen mit ins Studio geholt hat. Von Mieze (Mia.) und Lina Maly über Marianne Rosenberg bis hin zu Literaturübersetzerin und Ehefrau Anna Plewka: Sie alle harmonieren mit Sänger und Sound und geben ihren jeweiligen Stücken einen stilistisch zart individualisierten Klang. Im Duett "Nur wenn Du bleibst" mit Rosenberg blitzt in Flow und Humor stellenweise sogar eine leichte Element-Of-Crime-Anmutung auf. Gerade dadurch entsteht ein Werk, das in seiner Haltung intim ist, ohne abgeschottet zu wirken.

Die Instrumentierung wirkt generell sehr zurückgenommen; dieser bewusste Minimalismus streichelt das effektüberfrachtete Neuzeitherz. Besonders deutlich zu erleben in "Die schlaksige Windin". Text und Gesang bekommen hier so viel Raum, dass sie noch lange nachklingen können, ohne gegen dominante Arrangements ankämpfen zu müssen. Richtig so, die Zeilen sind ja echte LyriKs (sic!). Aus dieser Reduktion heraus lässt sich dann auch die dargebotene Art des Erzählens lesen.

So tritt Jan Plewka in "Eine Art Soloalbum" als stimmungsvoller Geschichtenerzähler an einem warm-melancholischen Herbsttag in Erscheinung, behandelt aber über den Spannungsbogen der Platte hinweg Themen, die sich auf den vollständigen Kreislauf des Lebens – ähm, der Jahreszeiten, natürlich! – erstrecken. Da passt es ausgezeichnet, dass diese Thematik sich tatsächlich sogar in einem Songtitel wiederfindet: "Herbstbeginn". Und nicht nur das: Das Album trägt die Stimmung des gleichnamigen Gedichts Hermann Hesses in sich. Wenn es in Plewkas Texten heißt "Wenn der letzte Sommertag versinkt / Und der Herbst schon in den Bäumen hängt", ist es nicht weit hin zu Hesses "Der Herbst streut weiße Nebel aus / Es kann nicht immer Sommer sein!". Wer noch tiefer in die literarische Analyse eintauchen möchte, dem empfiehlt es sich einmal, die Texte nebeneinander zu lesen. Trotz anderer Wortwahl ist die Ähnlichkeit der Gefühle, die in beiden Texten transportiert werden, frappierend. Plewkas Stimme wirkt dabei wie ein vertrauter Resonanzkörper, der diese Themen glaubwürdig transportiert. Sie trägt die Erfahrung zahlreicher musikalischer Stationen in sich, ohne diese je auszustellen. Stattdessen nutzt Plewka seine markante rau-samtige Vocal-Präsenz sehr gezielt als erzählerisches Instrument mit hoher Wiedererkennbarkeit.

In "Tornado", dem finalen Song, wagt sich Produzent Peter "Jem" Seifert schließlich über den Rand des zuvor grob im Singer-Songwriter/Pop abzusteckenden Bereichs hinaus und lässt atmosphärisch verzerrte Gitarrenwände erstehen. Diese Momente lassen von Sigur-Rós'scher Weite und fernen Horizonten träumen, als bräche kurz ein anderer Himmel über das zuvor so fein modulierte Setting ein. Der hätte allerdings auch ab Intro keinesfalls gestört. So verklingt dieses zeitlose Album. Weniger brennend, weniger dringlich als in Bandkombination mit Selig, aber nicht weniger aussagekräftig. Ein Werk, das zeigt, dass Plewka auch ohne große Gesten mühelos künstlerische Relevanz behauptet.

(Jasmin Klemm)

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Highlights

  • Bald sind wir zuhaus
  • Nur wenn Du bleibst
  • Wer stirbt am schönsten
  • Tornado

Tracklist

  1. Rauch steigt auf
  2. Bald sind wir zuhaus
  3. Die schlaksige Windin
  4. Ein neuer Tag
  5. Herbstbeginn
  6. Nur wenn Du bleibst
  7. Luxus
  8. Wer stirbt am schönsten
  9. Hunderprozentig
  10. Was mir bleibt
  11. Der Wind
  12. Tornado

Gesamtspielzeit: 49:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Jens Böhnemann

Postings: 739

Registriert seit 07.10.2025

2025-11-16 08:48:50 Uhr
Jetzt singt der auch noch? Für mich wird er immer nur der Freund von Julia Klöckner sein.

Vive

Postings: 1318

Registriert seit 26.11.2019

2025-11-16 08:39:29 Uhr
ich war schockiert, wie tief mich die stimme berührt hat, als ich "ein neuer tag" gehört hab. er singt da auch perfekt in der range, die ihn besonders macht.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29697

Registriert seit 08.01.2012

2025-11-13 20:53:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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