Hatchie - Liquorice
Secretly Canadian / Cargo
VÖ: 07.11.2025
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Sweet dreams
Süßholz, Zutat in vielen Teemischungen und Ursache dafür, dass diese dann meistens furchtbar schmecken. Wenn es noch schlimmer kommt, machen manche gar Lakritze aus diesem nervigen Schmetterlingsblütler. Shitstorm der Lakritzmafia in drei, zwei, eins ... Aber warum nennt denn nun Harriette Pilbeam ihr drittes Album so? Will sie etwa nach der wunderbaren 90er-Nostalgie ihres Debüts "Keepsake" und dem noch weiter in den Elektro- und Dreampop ausschreitenden Nachfolger "Giving the world away" nun vollends Süßholz raspeln? Oder doch eher an die Wurzel des Ganzen gehen, die oberflächliche Süße mit dem bitteren Hintergrund vermischen?
Die sonnigen Ohrwürmer, die schon die Vorgänger auszeichneten, hat die Australierin jedenfalls nach wie vor drauf, ebenso die verführerische Kombination der bereits erwähnten Dreampop-Sounds mit Shoegaze, 90er-Indie, Britpop-Elementen und Elektronischem. Wobei die Synthesizer auf "Liquorice" gerade im Vergleich zu "Giving the world away" doch deutlich zurückgefahren wurden. Das ist einerseits ein bisschen schade hinsichtlich eines vielschichtigeren Klangbildes. Andererseits ist Hatchie mit ihrem dritten Album dafür ihre bisher wohl kongruenteste Platte gelungen. Eine, die das Vorhaben, verstärkt konzerttaugliche Songs zu schreiben, perfekt umsetzt.
Nach vielem Touren und einer Weile in Los Angeles zog Pilbeam mit ihrem Ehemann und musikalischen Partner Joe Agius wieder ins heimatliche Australien – erst nach Brisbane, wo sie herstammt, dann nach Melbourne. Dieses Mal saßen auch keine Deadlines im Nacken, also nahmen die beiden sich so viel Zeit, wie die Musik eben brauchte. Und so verbreitet das Album vom sanft dahinsummenden und -pluckernden Opener "Anemoia" an positive, entspannte Laune. Gleich danach purzeln die ersten potenziellen Hits aus der Hängematte. Wie das strahlende "Only one laughing" mit seinen Gitarren straight from the 90s, wo nur die genau Zuhörenden den ernsten Text registrieren werden. Der knackig-kurze Titelsong verliert mit seiner markanten Basslinie keine Zeit. Diesem coolen Bass begegnen wir später im "Wenn Post-Punker träumen"-Highlight "Someone else's news" wieder.
Zwischendurch schwebt das "Carousel" über den nostalgischen Rummelplatz. Man kann sich direkt die Filmszene dazu vorstellen. Pillbeam wollte dieses Mal weniger direkte Inspiration von anderen Musiker*innen oder Bands ziehen und stattdessen eher Filme und Bücher auf sich wirken lassen. Und ja, die Songs lassen zumeist nicht mehr so direkt an andere Namen denken (obwohl, hüstel, Slowdive, hüstel, Cocteau Twins, aber solche Referenzen sind ja eher Adelung als Tadelung) und erzeugen mit Leichtigkeit Bilder oder Stimmungen – oder eben Filmszenen – im Kopf. Mit der richtigen Produktion, dieses Mal unter Mitwirkung von Jay Som, und einer runden Trackorder. Sodass in der zweiten Hälfte mühelos Hits wie das rockige "Wonder" und das traumschöne "Lose it again" zu finden sind. Bei "Part that bleeds" fällt noch einmal das vielseitige Schlagzeugspiel von Warpaints Stella Mozgawa auf. Mit diesem Finale hätte die in den Texten immer mitschwingende bittersüße Note einen melancholischen Abschluss bekommen. Stattdessen entschied die Künstlerin sich aber für das wolkenweiche "Stuck" als Abschluss. Na gut, dann träumen wir uns eben mit ihr weg. Mit oder ohne Lakritze.
Highlights
- Only one laughing
- Someone else's news
- Lose it again
- Part that bleeds
Tracklist
- Anemoia
- Only one laughing
- Liquorice
- Carousel
- Sage
- Someone else's news
- Wonder
- Lose it again
- Anchor
- Part that bleeds
- Stuck
Gesamtspielzeit: 36:41 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29697 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-11-13 20:51:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Yndi Postings: 437 Registriert seit 23.01.2017 |
2025-11-09 14:45:41 Uhr
Ich find es leider auch erstaunlich schwach. Das Debüt war elegant zusammengeklaut, das zweite hatte eine schön eigene Note und das hier lässt mich ratlos zurück, weil es drei Schritte zurück geht. Irgendwie auch überraschend wenig Promo mitbekommen. |
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Saschek Postings: 835 Registriert seit 23.07.2018 |
2025-11-08 20:59:28 Uhr
Dem muss ich leider zustimmen. Zwei, drei der neuen Songs wirken gar so, als hätte sie versucht ihren Überhit "Sure" noch mal neu zu schreiben. |
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qwertz Postings: 1167 Registriert seit 15.05.2013 |
2025-11-08 14:59:09 Uhr
Leider recht schwaches drittes Album in meinen Ohren. Auch keine gute Anordnung der Songs, zumindest geben mir die ersten vier Tracks gar nix. Drei, vier schöne Nummern sind dann noch dabei, aber kein Vergleich zu den Vorgängeralben, die ich auch vom Sound her ansprechender fand. Schade! |
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MickHead Postings: 8622 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-11-07 11:38:18 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:https://hatchie.bandcamp.com/album/liquorice |
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Referenzen
Cocteau Twins; Slowdive; Japanese Breakfast; Minor Victories; Beach House; Mazzy Star; Warpaint; The Joy Formidable; Alvvays; Sky Ferreira; Galaxie 500; Lush; The Sundays; The Cranberries; Heather Nova; Natalie Imbruglia; Sarah McLachlan; Aimee Mann; Hope Sandoval & The Warm Inventions; Siouxsie & The Banshees; Let's Eat Grandma; Hazel English; The Pains Of Being Pure At Heart; A Sunny Day In Glasgow; School Of Seven Bells; Jay Som; Beebadoobee; Fazerdaze; The Jesus And Mary Chain; Pure Bathing Culture; Robyn; Georgia; Spiritualized; The Stone Roses; Orchin; Go Violets; Babaganouj
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