Whitney - Small talk
AWAL / SPV
VÖ: 07.11.2025
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
Auf eigenen Beinen
Plötzlich standen sie ohne Partnerinnen und ohne Produzenten da. Nach einem Jahrzehnt als Mitbewohner beschlossen Julien Ehrlich und Max Kakacek, ihr geteiltes Appartement zu verlassen, um mit ihren Freundinnen zusammenzuziehen. Doch dazu kam es nicht, da im Jahr 2023 beide Beziehungen in die Brüche gingen. Das lyrische Material für "Small talk" schrieb sich somit quasi von selbst, eine Platte über Liebeskummer entstand. Und das erste Whitney-Album ohne externen Produzenten. Brad Cook eröffnete dem erstaunten Duo bereits während der Arbeit am Vorgänger "Spark", dass es ihn zukünftig nicht mehr benötige. Es sei für Ehrlich und Kakacek an der Zeit, auf eigenen Beinen zu stehen. Angesichts der vorherigen Annäherung der Americana-Musiker an eine alternative Version von R'n'B vielleicht der richtige Ratschlag zur richtigen Zeit. Ungewohnt elektronische, mit boygroupartigem Gesang aufwartende Songs wie "Self" ließen nicht nur Indie-Heads hoffen, dass Ehrlich und Kakacek bald den Reset-Knopf drücken. Zumindest einen halben Schritt gehen Whitney auf "Small talk" rückwärts. Zurück aufs Land, in Alternative-Country-Gefilde, zieht es sie zwar nicht. Sie verharren in der Stadt, klingen dabei aber dezenter, retroorientierter und reifer als zuletzt.
Der Neustart beginnt sehr vielversprechend. In der herausragenden Piano-Halbballade "Silent exchange" beißt sich das lyrische Ich auf die Lippe, als es auf einer Beerdigung gefragt wird, wie es ihm gehe. Das hebt sich vom Einheitsbrei ab, das berührt. Ebenso wie das eineinhalbminütige Outro des Openers mit massig Bläsern. Umso weniger kann man verstehen, warum der Großteil der Folgesongs so austauschbar bleibt. Abseits der Highlights plätschert der Regen allzu sanft, lässt wenig Platz für Emotionen, die man nicht zuletzt aufgrund der Albumthematik vermisst. Im Titeltrack wird gleich zweimal die Chance verpasst, einen längeren Instrumentalpart zu integrieren. Ein ums andere Mal ergreift Ehrlich allzu schnell wieder das Wort, nachdem der elegante Klangteppich ausgerollt wurde. Meist mit Texten, die in ihrer Unverbindlichkeit dem Albumtitel alle Ehre machen. "Won't you speak your mind?" bringt das Problem unfreiwillig auf den Punkt. Gefällig ist das alles ja schon. "But I don't know what you really mean." Die lyrische Vagheit erschwert die Identifikation.
"In the saddle" gönnt sich nach eineinhalb Minuten dankenswerterweise einen ausführlichen, von Ehrlichs kraftvollem Drumming angetriebenen Instrumentalpart. Mit "Evangeline" folgt der neben dem Opener emotionalste und handwerklich beste Song, dessen Refrain mit offensivem Bläser- und Streichereinsatz wachrüttelt. Beide Seiten ziehen einen Schlussstrich unter die gemeinsame Vergangenheit und gehen dabei auch mit sich selbst hart ins Gericht: "You were up to no good and so was I / 'Cause we got turned around." Dass sich die Timbres von Gastsängerin Madison Cunningham und Ehrlich sehr ähneln, fällt kaum ins Gewicht. Eher stört der inflationäre Falsettgebrauch des singenden Drummers. Inzwischen schwebt er mit seiner Stimme fast durchweg in Höhen, die er nur mit hörbarer Mühe erreicht.
Angesichts der Qualität des Debüts "Light upon the lake" bleibt das vollmundige Versprechen des Promotextes, bei "Small talk" handele es sich um das "zweifellos beste und eindringlichste" Album Whitneys, uneingelöst. Zwar legt die Band eine exzellent instrumentierte und eingespielte LP vor, aus deren ansprechendsten Songs sich eine hervorragende EP zusammenstellen ließe. Über den Zeitraum von 36 Minuten bleibt jedoch trotz des stimmigen und durchweg angenehmen Sounddesigns ein eher zwiespältiger Eindruck zurück. Ohne einen Blick von außen gelingt noch nicht alles. So ist das eben manchmal, wenn man plötzlich auf eigenen Beinen steht.
Highlights
- Silent exchange
- In the saddle
- Evangeline (feat. Madison Cunningham)
Tracklist
- Silent exchange
- Won't you speak your mind
- The thread
- Damage
- Dandelions
- Islands (Really something)
- In the saddle
- Evangeline (feat. Madison Cunningham)
- Back to the wind
- Small talk
- Darling
Gesamtspielzeit: 36:00 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 8622 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-11-07 09:05:13 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://whitneychicago.bandcamp.com/album/small-talk Soundmag 7/10 https://www.soundmag.de/reviews/whitney-small-talk/ Musikexpress 4.5/6 https://www.musikexpress.de/reviews/whitney-small-talk/ |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29697 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-11-05 21:01:45 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 8622 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-11-04 18:45:35 Uhr
Letzter Song vor dem Release!"Evangeline (Feat. Madison Cunningham)" https://youtu.be/c74aFIgbv0g?si=vw-PxZxt9NAXBSr7 |
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MickHead Postings: 8622 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-10-08 19:23:58 Uhr
3. Song "Damage"https://youtu.be/X8ZZUB310lw?si=zkK7QZZyARGzzlbH |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29697 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-09-10 19:34:07 Uhr - Newsbeitrag
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Referenzen
Unknown Mortal Orchestra; Smith Westerns; Madison Cunningham; Simon & Garfunkel; Paul Simon; Al Stewart; Kings Of Convenience; Lambchop; Real Estate; Martin Courtney; My Morning Jacket; Matthew E. White; The Wood Brothers; Midlake; Mac DeMarco; Grand Archives; Foxygen; Alex Calder; Alex G; Fleet Foxes; Grizzly Bear; Bon Iver; DIIV; Beirut; Creedence Clearwater Revival; Cat Stevens; Elton John
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