Spiritual Cramp - Rude
Blue Grape
VÖ: 24.10.2025
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Einfach spaßeshalber
Wozu sich hohe Ziele setzen, wenn es einen veritablen kleinen gemeinsamen Nenner gibt? Was seit geraumer Zeit in der Bundespolitik nach halbgaren, ängstlichen Kompromissen statt notwendiger Reformen anmutet, oder gar nach faulen, doppelmoralischen Eiern duftet, geht bei Spiritual Cramp vollends auf: Das Sextett aus Kalifornien klaubt sich nicht nur das Beste aus ein paar Jahrzehnten Indie-Rock und leicht antiquiertem UK-Punk zusammen, es kondensiert seinen Retro-Sound auch auf dem zweiten Langspieler "Rude" auf ein entscheidendes Merkmal: Spaß!
Wenn man dem Simplen nicht abgeneigt und nicht fern von jener Ironie lebt, reicht der Spaß manchmal nur bis zur vielzitierten Gürtellinie. Oder eben über das Leben hinaus, wie im Fall der süffisanten und fluffigen Single "At my funeral". Keiner kommt zur Beerdigung? Gut, dann heult auch keiner. Simple Anti-Logik. Mit gekonnter Einfachheit punktet nicht nur das Bloc-Party-eske Riff-Feuerwerk in besagtem Stück, sondern der fein anschubsende und per Handclaps animierende Opener "I am an anarchist". Toll auch und irgendwie typisch für den Sound von Spiritual Cramp ist das treibende "Young offenders", hier geht's um Freundschaft, kalte Biere und Sommernächte in San Francisco: "Where everyday is like the best days of our lives." So einfach kann das sein.
Immer wieder fließen auch Elemente in den Sound der Amerikaner, die ein wenig jenseits des Tellerrands des Garage-Rock bzw. des Punkrock zu finden sind. Bemerkenswert hier "You got my number", die Kollaboration mit Sharon Van Etten, die vermutlich sogar Edel-Fan der Band ist. Leichter Ragga-(Off)Beat lässt die Strophen den Raum kreieren, in welchem Van Ettens besondere Stimme sich entfalten kann, bevor das schnaubende "I hate the way that I look" in The-Hives-Manier der frühen Tage nochmal ordentlich Staub aufwirbelt.
Produziert wurde "Rude" von Grammy-Gewinner John Congleton, und der setzt auch das auffällige "Violence in the supermarket" passgenau in Szene. Herrlich entspannt und doch atmosphärisch kommt das Dub-infiltrierte Stück daher und erinnert uns, dass die einflussreichen Sublime auch von Long Beach in Kalifornien aus ihr qualitativ hochwertiges Unwesen trieben. Und wenn das finale "People don't change" dann so nebenbei die Luft der Achtziger in England atmet und beinah unfreiwillig The-Smiths-Feelings aufkommen lässt, sollte auch der letzte "Klingt mir alles zu ähnlich und zu billig"-Kritiker sich seine Keule verkneifen. Und vielleicht einfach mal Spaß haben. Wie Spiritual Cramp.
Highlights
- You've got my number
- I hate the way I look
- Violence in the supermarket
- Young offenders
Tracklist
- I'm an anarchist
- Go back home
- At my funeral
- Automatic
- You've got my number (feat. Sharon Van Etten)
- I hate the way I look
- Interlude
- Violence in the supermarket
- True love (is hard to find)
- Crazy
- Young offenders
- New religion
- People don't change
Gesamtspielzeit: 29:42 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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sizeofanocean Postings: 1930 Registriert seit 27.01.2020 |
2025-11-14 09:42:16 Uhr
Violence in the Supermarket einfach nur ein verdammter Hit, wenn sie schlau sind, hauen sie den nachträglich noch als Single mit Video raus |
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Gordon Fraser Postings: 2859 Registriert seit 14.06.2013 |
2025-11-13 23:52:37 Uhr
Bei mir eindeutig "ganz geil". Mal schauen, wie die Halbwertzeit aussieht, aber ich kann so eine unkomplizierte Platte gerade sehr gut gebrauchen. |
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saihttam Postings: 2761 Registriert seit 15.06.2013 |
2025-11-10 00:26:44 Uhr
Ich konnte mich beim ersten Hördurchgang irgendwie nicht entscheiden, ob ich es ganz geil oder ziemlich langweilig finden soll. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29697 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-11-05 21:01:35 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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diggo Postings: 182 Registriert seit 02.09.2016 |
2025-10-26 21:35:35 Uhr
Richtig stark. Höre seit Freitag nichts anderes mehr. Hat die ebenfalls hervorragende Militarie Gun vom Plattenteller verdrängt. Bin gespannt, wer sich langfristig durchsetzen kann. „Violence in the Supermarket“ mit Song-des-Jahres-Potenzial. |
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Referenzen
The Hives; Against Me!; The Modern Lovers; Blitz; Ramones; Fiddlehead; The Clash; The Pogues; Kraftklub; The Hellacopters; White Reaper; The Vaccines; The Libertines; Protomartyr; The Cure; Joy Division; Gallows; Creative Adult; Buzzcocks; Talking Heads; Franz Ferdinand; Martha; Jawbreaker; Fucked Up; Beatsteaks; Pup; John Coffey; Militarie Gun; Sublime; Black Flag; The Damned; Sham 69; The Police; The Robocop Kraus; Home Front; Fontaines D.C.; Idles; The Bronx; Babyshambles; The Strokes; Morrissey; The Smiths
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