Filter - Title of record

Filter- Title of record

Reprise
VÖ: 23.08.1999

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Neues vom Melitta-Mnn

Zugegeben - diese Assoziation zum Bandnamen von Filter war nicht gerade originell. Aber wenigstens dieser Mangel an Originellem ist dann eine Gemeinsamkeit mit dem Werk "Title of record", obwohl eben dieser "Title of record" ja tatsächlich die ein oder andere Stirnrunzel treibt. Ach, es lebe der Widerspruch.

So bleiben wir denn auch gleich bei der X-Files-Manier. Zu aller Anfang möchte ich nämlich gleich die Vermutung äußern, daß dieses Album der endgültige Durchbruch für die Band sein wird, obwohl sie für mich nicht durchschnittlicher sein könnte. Aber Filter verfügen über prächtige Highlights wie beispielsweise das zweite Stück "Welcome to the fold". Geradezu puristisch kommt es mit Refrain und lediglich einer weiteren Sequenz daher, lediglich aufgelockert von einer ruhigeren Gesangspassage mit sauber bremsenden Breakbeat. Der Zauber an der Sache liegt zum einen im Wechsel zwischen Harmonie und Geschrei. Und das kriegt Frontmann Patrick wahrlich meisterhaft glatt über die Bühne. Zum anderen wird, typisch für dieses Album, eine geradezu meisterhafte Percussion aus der Retorte gezaubert. Dazu ist dieses Stück noch eines der wenigen, bei dem ich einen Zusammenhang zwischen der Musik und dem Text herzustellen vermag und der ist so aggressiv, daß ich allzu gern den schlechten Tag genau zu diesen Klängen auf der Tanzfläche zertrample. Fazit - simpel gemacht aber einfach gut.

Insgesamt wiederholt sich die Strategie von diesem Stück auf dem Album aber ständig: Einfache Komposition mit Wechsel zwischen Harmonie und "Screaming part". Dabei ist die Instrumentierung sehr spärlich. Wieder ein Widerspruch, denn die Klangfülle gerade während der lauteren Passagen eröffnet eine unerwartet eindrucksvolle Dynamik. Es klingt, als seien die Instrumente nachgearbeitet worden oder zumindest mehrmals übereinander gespielt. Das gibt dem ganzen eine gewisse Fülle, die durchaus mitreißend wirkt.

Ein für Filter eher ungewöhnliches Stück intoniert mit "Take a picture", welches mich stilistisch ein wenig an "Jane says" von Jane's Addiction erinnert. Dort wurde nur der Faden mit Hilfe einer Caribean Drum gesponnen, während hier wieder der Sequencer mit toller Percussionline einspringt. Auch musikalisch ist dieses Stück für mich das Higlight. Stimme und eine Akustische beginnen im Vordergrund auf der Percussion aufzubauen und werden nach und nach von leise aber schwer arrangierten Drums, Bässen und Gitarren gerahmt. So wird ein wirklich konsequentes und harmonisches Crescendo aufgebaut, daß auch durch das obligatorische Schreien an höchster Stelle niemals wirklich härter wird sondern lediglich voller wirkt. Dabei werden die harmonischen Pfade diesmal nicht verlassen, woran das Stück wirklich gewinnt - sehr schön, auch wenn die Basis gewohnt simpel ist - schade, daß ich den Sinn des Textes bis heute nicht begriffen habe.

Na ja, bliebe noch das Augenmerk kurz auf das Stück "Cancer" zu richten. Düster und treibend schlängelt sich der schwere Sound sehr nett passend zum Text. Ein echter Glücksgriff ist auch der Wechselgesang mit der Ex-Pumpkins Bassistin D'Arcy, der wirklich so geschmeidig ineinander läuft, daß man meint die Boa am Hals zu spüren. Wie schnell sich solch ein Song allerdings wieder ruinieren läßt, konnte ich vor kurzem in der Liveversion feststellen, natürlich ohne D'Arcy, leider ausschließlich gesungen von Patrick - schade, da war's nur noch Schrott, denn von dem süßen Zuspielen beider Parts blieb nur noch ein schüchterner Abgesang, dem die Erotik des Bösen nunmehr gänzlich abging.

Versuche ich mir ansonsten die Harmonielast dieses Albums wegzudenken, dann komme ich irgendwo nahe einer Sparversion der Nine Inch Nails heraus. Auf der anderen Seite fühle ich mich an Limp Bizkit erinnert, die ihre Songs stilistisch sehr ähnlich aufbauen. Der Aufbau von "Nookie" läßt sich meiner Meinung nach in Form seines Negativs genau auf "Welcome to the fold" drücken und möglicherweise ist das auch der Grund, der dieses Album so vertraut klingen läßt.

Letztlich ist "Title of record" eine einfach gestrickte Platte, die den Hörer nicht wirklich fordert. Sie geht sofort massenkompatibel ins Ohr. Sie verläßt als gutes Konsumprodukt dasselbe aber auch recht schnell wieder. Ich habe den Kauf nicht bereut, allerdings hat die CD bereits nach 10 Durchläufen meinen CD-Spieler wieder verlassen - ausgeblutet. Wirklich gute Alben manipulieren zu diesem Zeitpunkt aber gerade erst die Taste "Eject" in Richtung "Defect". Auf der Tanzfläche, ja da werde ich dennoch bei entsprechend gefilterten Tönen ungebremst die Sau raus lassen, und dafür wird das Album dann gerne wieder aus dem Schrank gezogen.

(Torven Hartz)

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Highlights

  • Welcome to the fold
  • Captain Bligh
  • Take a picture
  • Cancer

Tracklist

  1. Sand
  2. Welcome to the fold
  3. Captain Bligh
  4. It's gonna kill me
  5. The best things
  6. Take a picture
  7. Skinny
  8. I will lead you
  9. Cancer
  10. I'm not the only one
  11. Miss Blue
  12. One (is the loneliest number)

Gesamtspielzeit: 74:37 min.

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