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Josi Miller - 4 stages of sleep

Josi Miller- 4 stages of sleep

Grönland / Rough Trade
VÖ: 24.10.2025

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Achsenschweiß

Josi Miller tanzt, wie nur Deutsche tanzen können. Wer wissen möchte, wie das aussieht, möge sich das Video zu "The night (Bad moves)" zu Gemüte führen. Da steht Miller auf einem Dach und bewegt sich wie ein Dampfschiff im Herbststurm. Vor und zurück, hin und her, ein bisschen ungelenk, aber irgendwie auch charmant. Aber hey, sie wird auch nicht fürs Tanzen bezahlt, sie verdient ihr Geld damit, andere Menschen in Bewegung zu setzen. Als Produzentin hat sich die gebürtige Leipzigerin in der letzten Dekade einen Namen gemacht, so arbeitete sie unter anderem erfolgreich mit Trettmann zusammen. Als Solokünstlerin trat sie bisher kaum in Erscheinung, ihre meisten Projekte waren Kollaborationen. Mit "4 stages of sleep" legt sie nun ihr erstes vollwertiges Album vor. Und es ist, so viel darf schon verraten werden, durchweg ein Genuss.

Miller, die seit Jahren in Berlin lebt und arbeitet, richtet es sich in ihrer Komfortzone ein: sphärische Flächen, kunstvoll zerhackte Beats, präzise wummernde Bässe – alles passt perfekt zusammen. Ihr gelingt zudem das Kunststück, gleichzeitig als Songwriterin und als Produzentin zu glänzen. Jeder Song ist vollgepackt mit liebevollen Details, wobei Miller nie das große Ganze aus den Augen verliert. Denn "4 stages of sleep" ist ein Konzeptalbum über die schönste Nicht-Beschäftigung der Welt. Die vier Phasen unterscheiden sich musikalisch deutlich und werden von kleinen Interludes voneinander abgetrennt. So stromert Miller zu Beginn noch übermüdet durchs Nachtleben, ehe sie sich unter die Bettdecke verzieht und die Gedanken kreisen lässt. "That liminal moment between dreaming and waking" fängt diesen Gemütszustand hervorragend ein. Die Augen sind zu, doch im Geist glimmen noch die Bilder des Tages.

Sie gehen nicht weg. Rastlosigkeit macht sich breit. "Sleepless" stolpert im Two-Step-Rhythmus durch die Wohnung. Sitzen, starren, Zigarette rauchen. Die Digitalanzeige des Herds starrt zurück. Und irgendwo in der Stille schlägt ein Herz. Irgendwann kapituliert der Körper und sinkt in wattige Schwärze. Dort warten die Träume, die wie Blitze durch das Unterbewusstsein zucken. Bedeutungen lösen sich auf, Erinnerungen fallen durchs Flusensieb der Mensch-Maschine. "Run" flackert, brennt, vergeht. "I hope my dreams come true" greift mit klammer Hand ins Leere. Und dann ist da plötzlich ein Breakbeat, der klingt, als hätte jemand das Berghain durch einen Bunker ersetzt. "I see my girls" windet sich durch die Tiefen der Stadt, wo Menschen nur als Schatten existieren. "Hide & seek" lautet das Motto. Eis kriecht in die Poren, ein Zittern macht sich breit.

Der Rest ist Fieber. Zwischen Suchtdruck und Reue, zwischen Morgen- und Götterdämmerung sucht Miller nach den Überresten des Verstandes. "Sober" und "You have a drug problem" markieren die Extremwerte einer nicht ganz rationalen Dysfunktion dritten Grades, dazwischen schlingert die Musik zwischen den Achsen herum und hinterlässt hässliche Flecken. Es gibt keine Erholung, nur den Morgen danach. Der kalte Rauch, der von den Fehlern der letzten Nacht erzählt, vermischt sich mit dem Staub, der von den ersten Sonnenstrahlen aufgewirbelt wird. Die Augen öffnen sich. Überall ist jetzt, der Wecker piepst. Die Luft schmeckt nach Asche, die Knochen schreien. Wer aufsteht, muss mit den Konsequenzen leben können. Von Wollen war nie die Rede.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • The night (Bad moves)
  • That liminal moment between dreaming and waking
  • Run
  • I see all my girls

Tracklist

  1. I could sleep all day
  2. The night (Bad moves)
  3. Flames rise high
  4. Light sleep
  5. Dreams are my reality
  6. That liminal moment between dreaming and waking
  7. Sleepless
  8. Deep sleep
  9. Run
  10. I hope my dreams don't come true
  11. I see all my girls
  12. Hide & seek
  13. Rapid eye movement
  14. Sober
  15. You have a drug problem
  16. Freakshow

Gesamtspielzeit: 40:48 min.

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User Beitrag

Vraet

Postings: 61

Registriert seit 22.03.2021

2025-11-06 22:54:15 Uhr
cooles Album! Läuft hier fleißig auf repeat

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29697

Registriert seit 08.01.2012

2025-11-05 21:00:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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