Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Midlake - A bridge to far

Midlake- A bridge to far

Bella Union / PIAS
VÖ: 07.11.2025

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zwischen den Welten

Midlake sind eine jener Bands, die sich nie in nostalgischer Selbstkopie erschöpf(t)en, sondern das Folk-Rock-Erbe der 70er-Jahre immer wieder in neue Formsprache überführen. Und dabei auch Grenzgänge zwischen Folk und Rock, Country und einer kleinen Prise Jazz nicht scheuen. Auf "A bridge to far" zeigt das texanische Kollektiv um Sänger und Gitarrist Eric Pulido, dass Wärme, Schönheit und Harmoniestreben eben nicht zwingend mit Rückwärtsgewandtheit, Vorhersehbarkeit oder gepflegter Langeweile gleichzusetzen sind. Wo frühere Werke wie "The trials of van Occupanther" oder "The courage of others" zuweilen noch etwas mehr in pastoraler Melancholie schwelgten, wirkt das neue Material lichter, offener, ja fast schon sommerlich. Gleich der Auftakt "Days gone by" entfaltet mit Chorgesang, Querflöte und Pedal-Steel-Akzenten eine hippieske Leichtigkeit, die an Fleet Foxes erinnert – wenn man so will eine Blumenwiese in Dur, die gemächlich dahinschwingt, bis aber plötzlich neue Harmonien und ein überraschender Drum-Einsatz den Song aufbrechen.

Mit dem Titelstück "A bridge to far" gelingt Midlake dann fast schon ein Statement: So, bitteschön, hat ein perfektes Gebräu aus Folk und Country zu klingen; ohne verschnarchte Retro-Attitüde, dafür mit handwerklicher Sorgfalt, und kompositorischer Eleganz. Okay, das ist Wohlfühlmusik, aber zu keiner Zeit einfältig – stattdessen detailreich, organisch, einfach gut in den Gehörgang reinlaufend. "The ghouls" schlägt erstmals härtere Töne an, fast schon rockig, mit einem treibenden Schlagzeug und jener subtilen Spannung, die man von verwichenen Bands wie The Church kennt: Man nehme die klassischen Elemente von Rock und Pop und füge ihnen hier und dort einen kleinen Widerhaken oder auch eine kurze Phase entrückter Atmosphäre hinzu. "Guardians" wechselt dann stärker ins ätherische Fach: ein Dreivierteltakt, der dank Madison Cunninghams Stimme und mantra­artiger Melodien ziemlich hypnotisch wirkt, bis die Drums den Rhythmus mit einem vorgetäuschten Viervierteltakt scheinbar kippen und den Song in einen geradezu schwebenden Rausch überführen.

In "Make haste" blitzt ganz klar die jazzige Herkunft von Eric Nichelson und McKenzie Smith auf: Klavierarpeggien, fein gesetzte Ghostnotes, eine markante Basslinie – das kreuzt auf recht raffinierte Weise Philly-Soul-Eleganz mit unverhohlen erkennbaren Doors-Anleihen. Ja, man sieht sich beim Zuhören förmlich mit hochgeschlagenem Mantelkragen durch einen November-Nieselregen tapsen, spärlich illuminiert von dem Natriumdampflicht alter Straßenlaternen. "Eyes full of animal" wirkt wie eine sehr gut abgehangene Neil-Young-Nummer – lässig, schlampig und doch voll unverbrüchlicher Zuversicht. Der gedoppelte Altgesang und die raffinierte, wimmernde Gitarre schichten immer neue Harmonien auf, bis man wünscht, das Stück möge noch ein paar Minuten länger laufen. Und dann driftet das Album so langsam ins Abklingbecken: "Lion's den" und "Within without" sind getragene, fast sakrale Nummern mit verhallten Drums und Streichern, in denen Midlake eher die Kontemplation suchen anstatt des großen Finales mit Doppel-Wumms. "The valley of roseless thorn" schließt das Album zu guter Letzt leise, aber bestimmt: der letzte Blick zurück in eine nebelverhangene Landschaft zwischen Traum und Erinnerung, in der es kein musikalisches Ausrufezeichen braucht, sondern eher ein mildes Nachglimmen. Midlake haben's mal wieder geschafft. Sie liefern harmonische Finesse, kompositorische Tiefe und ein Gespür für den Moment, in dem sich Folk, Pop und Transzendenz die Hände reichen. Toll!

(Jochen Reinecke)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • A bridge to far
  • The ghouls
  • Make haste
  • Eyes full of animal

Tracklist

  1. Days gone by
  2. A bridge to far
  3. The ghouls
  4. Guardians
  5. Make haste
  6. Eyes full of animal
  7. The calling
  8. Lion's den
  9. Within without
  10. The valley of roseless thorns

Gesamtspielzeit: 36:40 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Gomes21

Postings: 5948

Registriert seit 20.06.2013

2025-12-01 22:42:34 Uhr
Sehe ich genauso

Herder

Postings: 1857

Registriert seit 13.06.2013

2025-12-01 18:49:41 Uhr
Sehr schönes Album! Der hier teilweise formulierte Vorbehalt gegenüber dem Vorgänger erschließt sich mir hingegen nicht. Auch das war ein tolles Album, gerade weil auch mal ein paar neue Wege beschritten wurden.

AliBlaBla

Postings: 10430

Registriert seit 28.06.2020

2025-11-08 13:48:01 Uhr
Tolle Rezi, hab auch beim Opener an die Fleet Foxes gedacht ;), "Guardians" wiederum klingt wie das allerbeste Grizzly Bear Stück, das diese nicht geschrieben haben.
Wie immer bei Midlake, wird das Album bei mir gewiss "wachsen" (obwohl manche das direkt in den "Nervsprech"- Thread stecken möchten), aber das schöne NOVEMBER- Album is ein klares Jahreshighlight.

Days gone by 8,5
A bridge to far 8,5
The Ghouls 8,5
Guardians 9
Make haste 10
Eyes full of animal 8
The calling 8
Lion's den 8
Within/Without 8,5
The valley of roseless thorns 8



....That's my youth at the bottom of the sea....
....What's yours,yours to own ....
....In the end, what was all of this for....

cargo

Postings: 805

Registriert seit 07.06.2016

2025-11-07 19:12:59 Uhr
Schönes Album ist das geworden. Auf jeden Fall besser als die letzte Platte. Freut mich, dass sie immer noch tolle Songs zustandebringen.

MickHead

Postings: 8622

Registriert seit 21.01.2024

2025-11-07 18:46:21 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:

https://midlakeband.bandcamp.com/album/a-bridge-to-far
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify