Christian Kjellvander - Ex voto / The silent love
Tapete / Indigo
VÖ: 31.10.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Kleine Lieder über Liebe
Der Appell, sich einem bestimmten Album bitte sehr ablenkungsfrei und mit der gebotenen Konzentration zu widmen, taucht auch auf Plattentests.de in schöner Regelmäßigkeit und unterschiedlicher Form auf. Im Prinzip sollte aber eben das ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein, schließlich geben sich Kunstschaffende stets gehörig Mühe, ihre Songs zu schreiben, ihre Gedanken zum Ausdruck zu bringen und ihre Arbeit an die Hörerschaft zu vermitteln. Gelegentlich erscheint die Notwendigkeit, an diesen Umstand zu erinnern, allerdings in besonderem Maße geboten zu sein. Christian Kjellvander ist dafür ein gutes Beispiel. Der schwedische Sänger und Songwriter ist ein Meister der leisen Töne und versteckten Botschaften, dessen Karriere in der Musikwelt zunächst als Bandmitglied begann, bevor er sich seiner Entwicklung als Solist widmete. 2002 erschien sein Debüt, seither tastet er sich mit seiner überaus charakteristischen Stimme durch seine Kleinode. "Ex voto / The silent love" ist der jüngste Streich, der inhaltlich an "About love and loving again" sowie "Hold your love still" anschließt und damit eine Trilogie abschließt.
Wer bis jetzt noch immer nicht verstanden hat, um was es hier geht, hat möglicherweise nicht richtig aufgepasst, bekommt aber gleich im ersten Stück den nächsten Hinweis: "Love of another" heißt der Auftakt. Die Liebe, ach die Liebe: bei Kjellvander ein bestimmendes Thema, das ihn nie loslässt. "She asked me to ask her to love me and I did / The hills lay silent / Like the wilderness ahead", singt er in einem Lied, das den Ton setzt für alles, was bis zur letzten Note dieses Album folgen soll. Es ist eine Art lakonischer Schlendergang, in dem sich die Stücke fast ausnahmslos vor einem ausbreiten. Praktisch nie steigert sich das Tempo, ganz im Gegenteil werden die Erzählungen zwischenzeitlich beinahe vollständig ausgebremst. Die nächste denkbare Stufe im Schaffen des Skandinaviers wäre mutmaßlich ein Spoken-Word-Format, das angesichts seiner Vortragskunst gewiss von ebenfalls großer Klasse wäre. Die Benennung von Höhepunkten ist im Grunde kaum leistbar, schließlich bewegen sich die acht Stücke – "Ex voto" ist ein nur etwas mehr als einminütiges Zwischenspiel – alle auf einem Niveau. Einmal steigert er allerdings doch das Tempo, wenngleich in höchst überschaubarem Maße: "Deathrider", genau wie alle anderen Titel in einem schwedischen Sommerhaus am Meer eingespielt, nimmt den Fuß für einen Moment von der Bremse.
Christian Kjellvander feilt auf "Ex voto / The silent love" mit außerordentlich großem Feingefühl an seinem charakteristischen Sound. Natürlich steht seine Stimme, die auch aus Dutzenden ähnlich gelagerten Variationen mühelos herauszuhören wäre, wie gewohnt im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens. Aber erst die Entscheidung, bei der instrumentellen Untermalung einem absoluten Minimum sehr nahezukommen, sorgt schließlich für die ganz besondere Note des Ganzen. Auf einem Album, das "The silent love" im Titel trägt, wäre alles Lautmalerische ohnehin ein kaum nachvollziehbarer Anachronismus gewesen. Trotz aller unbestrittenen Qualität dieser knappen Dreiviertelstunde schleicht sich letztlich ein Gefühl recht penetrant ein: Der Vorgänger war noch eine Prise zwingender und hätte im kritischen Rückblick eine um einen Wertungspunkt bessere Beurteilung redlich verdient. Mit derlei Gedanken muss sich aber niemand lange aufhalten, widmen wir uns lieber weiter den neuen Stücken. Mit allen Sinnen, versteht sich.
Highlights
- Love of another
- It can heal you if you let it
- Deathrider
Tracklist
- Love of another
- Hole in my heart
- God simple
- The view is watching
- Obsession
- It can heal you if you let it
- Ex voto
- Deathrider
- Reasonable love
Gesamtspielzeit: 44:25 min.
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