Creeper - Sanguivore II: Mistress of death
Spinefarm / PIAS / Rough Trade
VÖ: 31.10.2025
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Vampires love vinyl
Creepers – so hießen jene dicken Plateau-Schuhe mit gezackter Sohle, die in der britischen Gothic- und Rockabilly-Szene der 1980er Jahre zum ikonischen Erkennungszeichen wurden. Wer Creepers trug, steckte mit den Füßen in der Dunkelromantik und mit dem Kopf im Aufbegehren gegen den Mainstream. Lässt sich dieser Spirit auch auf Creepers neues Album übertragen? Zumindest sehen die Limited Edition Vinylpressungen in Moon White, Mistress & Creeper Purple und – des Nightcrawlers dunkler Traum – Blood Red zum Dahinschmelzen aus.
In musikalischer Hinsicht verbindet "Sanguivore II: Mistress of death" die düstere Ästhetik der Achtziger – Gruftis, Stadionrock, Synth-Wave und Metal-Riffs – mit einem John-Sinclair-artigen Vampir-Mythos. Es geht um eine Blutlinie, eine Vampirjägerin, die titelgebende "Mistress of Death", und eine Welt im Zeichen der Satanic Panic, also jener moralischen Hysterie, die in den USA der 80er Jahre um sich griff. Tausende unbestätigte Fälle satanischer Rituale wurden öffentlich diskutiert, Schauergeschichten über rituellen Missbrauch in Kindertagesstätten dominierten die mediale Öffentlichkeit; dicht gefolgt von großformatigen Gerichtsverfahren, die häufig auch ohne stichhaltige Beweise zu fragwürdigen Urteilen gelangten. Diese historische Dimension nutzen Creeper als atmosphärischen Unterbau, um ihr narratives Konzept zu verstärken.
Ob Will Goulds germanische Gesangsbetonung gefällt, ist eine Frage der Betrachtungsweise. Als stilisierte Darbietung im Rahmen einer fiktiven Vampirjägerin vs. Vampir-Punk-Story voller Blutrituale, nächtlicher Verfolgung und Fledermausästhetik kann das entweder dramatisch oder aufgesetzt wirken. "Sanguivore II: Mistress of death" ist eine Gratwanderung um Mitternacht, die sich mal in die eine, dann in die andere Richtung lehnt. Die Band greift auf theatralische Gesänge, düstere Keyboard- und Pianomomente, bewegte Streicher und Saxofon-Einsätze zurück – alles mit dem Ziel, großen Gestus auf großer Bühne zu kreieren. Ein Song wie "Blood magick (It's a Ritual)" zeigt eine Kombination aus markantem 80er-Metal-Riff und einem gesanglichem Duell zwischen Frontmann Gould und Keyboarderin Hannah Greenwood. Das Konzept funktioniert für einen Moment. Gleichzeitig schleicht sich aber das Gefühl ein, dass die Grenze zwischen starker Inszenierung und überzogenem Schauspiel nicht immer gehalten werden kann.
Textlich, dramaturgisch und produktionstechnisch befindet sich alles auf hohem Niveau. Dennoch fehlt das letzte Quäntchen Überraschung. Denn obwohl die Goth-Motive gut bedient werden, wirkt das konzeptualisierte Genre-Spiel des Albums stellenweise zu kalkuliert, statt transgressiv – die blutsaugenden Lederjacken-Creeps lassen Punk-Attitüde vermissen. Zudem mag der Stadionpathos live gut funktionieren – die Fans lieben ihre energetischen Shows –, aber er erzeugt auf der Platte selbst gelegentlich eine gewisse Distanz. Quasi gespiegelt zu The Sisters Of Mercy, die zwar stets mit legit Albumsound bestachen, aber eine Konzertdesasterquote vorweisen, derer sich die Glücksspielkommission schon längst hätte annehmen sollen. Vampire der Neuzeit, lebendig nur im Rampenlicht.
Highlights
- Mistress of death
- Prey for the night
- Parasite
Tracklist
- A shadow stirs
- Mistress of death
- Blood magick (It's a ritual)
- Headstones
- Prey for the night
- Daydreaming in the dark
- Parasite
- Razor wire
- From the depths below
- The black house
- The crimson bride
- Pavor nocturnus
Gesamtspielzeit: 42:12 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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Sick Postings: 328 Registriert seit 14.06.2013 |
2025-11-14 17:35:16 Uhr
Irgend wie ein wenig schwülstig. Mag die Band ja gerne, aber das ist schon das Schwächste der Alben... |
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MasterOfDisaster69 Postings: 1046 Registriert seit 19.05.2014 |
2025-11-14 17:20:43 Uhr
ja, so siehts aus, Musik fuer alte Saecke. Wobei da ein paar Referenzen wie NOFX und Clash nicht unbedingt passen, dafuer aber Ghost und Type O Negative fehlen.Danke, wuerde schon eine starke 7/10 vergeben. Visions gibt 9/12. |
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tjsifi Postings: 919 Registriert seit 22.09.2015 |
2025-11-11 18:00:03 Uhr
LOL! Kannte die Band bisher überhaupt nicht.Manchen alten Säcken wie z.B. mir gefällt das...sehr! |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29697 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-11-05 20:59:00 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
The 69 Eyes; The Sisters Of Mercy; The Protomen; The Cramps; Alice Cooper; Neck Deep; As It Is; Meat Loaf; Wax Fang; Night Runner; Evanescence; Thin Lizzy; Alkaline Trio; Dead Pony; Frightened Rabbit; Guns N'Roses; Cinema Strange; Misfits; Ramones; Social Distortion; NOFX; The Darkness; The Damned; My Chemical Romance; Funeral For A Friend; Taking Back Sunday; The Used; AFI; Anti-Flag; Kiss; The Clash; Bowling For Soup; Jawbreaker
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