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Biohazard - Divided we fall

Biohazard- Divided we fall

BlkIIBlk / The Orchard / Membran
VÖ: 17.10.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Stehvermögen

Wir werden alle nicht jünger. Was gestern noch der Soundtrack der Jugend war, ist heute bestenfalls für Nostalgiker interessant. Erst recht, wenn sich die damaligen Helden zwischenzeitlich selbst demontiert haben. Über 30 Jahre ist es her, als Biohazard mit den Alben "Urban discipline" und "State of the world address" meisterhaft Hardcore und Metal miteinander vermischten und auf dem Höhepunkt gar den Titeltrack zum legendären Sampler "Judgment night" beisteuern durften. Danach war allerdings in kreativer Hinsicht Schluss, Höhepunkte erlebte höchstens noch Bassist und Co-Shouter Evan Seinfeld in seiner zweiten Karriere als Hauptdarsteller in, nun ja, Dokumentarfilmen über das menschliche Paarungsverhalten. Wenn nun eine solche Band nach einer so langen Zeit plötzlich mit einer Reunion um die Ecke kommt, mischt sich in die Euphorie immer mal weniger, mal mehr Skepsis. Im Fall der New Yorker sogar sehr viel mehr, denn "Reborn in defiance", der erste Versuch einer solchen Wiedervereinigung, geriet 2012 zu einem kläglichen Desaster.

38 Minuten später überlegt man, wo man seine Zähne einsammeln müsste, hätte man das neue Album "Divided we fall" nicht auf der heimischen Couch erlebt, sondern in einem veritablen Moshpit. Denn diese Dampframme, diese organisierte Schlägerei konnten nicht einmal die naivsten Nostalgiker erwarten. Dabei machen Biohazard gar nicht einmal so irrsinnig viel anders als 1992 – sie machen es einfach nur wieder richtig. Schon der Titel des Openers "Fuck the system" zeigt, dass für feingliedrig formulierte Kritik an den aktuellen Verhältnissen in den USA aktuell kein Platz ist. Eine kurze akustische Verbeugung in Richtung Slayer, schon werfen sich Seinfeld und Billy Graziadei die verbalen Bälle zu, als hätte es den Split nie gegeben.

Glücklicherweise machen die New Yorker nicht den Fehler, alles in Raserei niederknüppeln zu wollen. Klar, "Forsaken" drückt mächtig aufs Gaspedal, aber "Death of me" walzt mit reduziertem Tempo umso effektiver daher, während das folgende "Word to the wise" derart gekonnt Brooklyn-Hardcore zelebriert, dass auch die Veteranen von Agnostic Front und Cro-Mags trotz aller Rivalität anerkennend nickend dürften. Das Wechselspiel zwischen Seinfeld und Graziadei funktioniert nach all den Jahren wieder wie eine Maschine, selbst die Gang-Shouts passen punktgenau, auch wenn sie es bei "War inside me" ein wenig übertreiben. Einzig den kurzen Hip-Hop-Ausflug "S.I.T.F.O.A." hätte sich der Vierer verkneifen können, doch das Stirnrunzeln darüber zieht die Wucht des folgenden "Tear down the walls" umgehend wieder glatt.

Wir haben es schon so oft erwähnt: Reunion-Alben scheitern viel zu oft an völlig überzogenen Erwartungen. Ein Erfolgsrezept, das vor Jahrzehnten perfekt funktioniert hat, kann man eben nicht einfach so in die Gegenwart übertragen. Stichwort Zeitgeist und so. Was aber auch immer in Biohazard gefahren ist, es muss das richtige gewesen sein. Die Dicke-Hose-Attitüde von damals ist weitestgehend verschwunden, passt auch nicht mehr wirklich zu Mittfünfzigern. Doch der Groove, die Chemie sind wieder da, und an passenden Themen herrscht jenseits des Großen Teichs bekanntermaßen momentan kein Mangel. Natürlich ist es tendenziell müßig, "Divided we fall" in die Diskografie der Band einzuordnen – Nostalgie trübt eben manchmal doch den Blick. Doch mit dieser – in der Form nie erwarteten – Qualität ist diese Platte ein würdiger Brückenschlag zu "State of the world address".

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Fuck the system
  • Death of me
  • Word to the wise

Tracklist

  1. Fuck the system
  2. Forsaken
  3. Eyes on six
  4. Death of me
  5. Word to the wise
  6. The fight to be free
  7. War inside me
  8. S.I.T.F.O.A.
  9. Tear down the walls
  10. I will overcome
  11. Warriors

Gesamtspielzeit: 38:16 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fuzzmyass

Postings: 20529

Registriert seit 21.08.2019

2025-11-05 22:26:59 Uhr
Mein allererstes Konzert war Biohazard zur Mata Leao Tour - hab noch ein Autogramm von Evan Seinfeld auf meinem Ticket bekommen... classic

Sneedlewoods

Postings: 936

Registriert seit 07.05.2023

2025-11-05 22:17:49 Uhr
"United we stand. Divided we fall. Divided the dark ages return. United we can save and guide the world". Winston Churchills flammender Appell 1941 an die Amerikanische Bevölkerung die Anglo-Amerikanische Einheit gegen den Totalitarismus ist 84 Jahre wieder mehr als aktuell. Nur mit geschlossenen Linien kann Weltweit klare Kante gegen Autokratie und Diktatur gezeigt werden.
13 Jahre nach dem letzten Album, wieder in Originalbesetzung veröffentlichen Biohazard ein Statement in Sachen Crossover. Rap. Hardcore, Metal, ergänzen sich perfekt zu einem Wutbatzen der die Macht der Füße und der Straßen musikalisch untermalt. Auch wenn die Feder mächtiger ist das Schwert( Edward Bulwer-Lytton) braucht es manchmal mehr als das. Hammer und Amboss als Sinnbild für mächtigen Widerstand. Gegen das was uns bedroht und unsere Freiheit kosten kann. Dafür braucht es deutlichen Widerstand und ein Feuerwerk an Widerstandskraft. Das alles ist das Combeback der Band aus dem kreativen Schmelztiegel Brooklyn.

VelvetCell

Postings: 9189

Registriert seit 14.06.2013

2025-11-05 22:01:00 Uhr
Ja, Mann: Biohazard waren Teil meiner Jugend. Alleine aus Nostalgie höre ich da mal rein.

Talibunny2

Postings: 284

Registriert seit 28.07.2025

2025-11-05 21:34:06 Uhr
Da riskier' ich gern ein Ohr. Oder zwei.
Hab' die in der Rezi erwähnten Alben gern gehört und live hat das damals auch viel Spaß gemacht.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29697

Registriert seit 08.01.2012

2025-11-05 20:58:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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