Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


They Are Gutting A Body Of Water - Lotto

They Are Gutting A Body Of Water- Lotto

Julia's War / Smoking Room / ATO
VÖ: 17.10.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Verzerrte Realität

Wake up, darling! Your new favorite zoomergaze record just dropped. They Are Gutting A Body Of Water haben nicht bloß einen wenig greifbaren Namen, sie sind auch in derart verschlurftem Slacker-Shoegaze zuhause, dass es immer ein bisschen so klingt, als sei dieser in jenem kurzen Moment entstanden, bevor einen der Schlaf übermannt – das Hirn aber bereits trotzdem begonnen hat, sich wirren Kram zusammen zu träumen. Erinnerungen an vergangene Gespräche wabern wie Fetzen durch die turmhohen Bratgitarren von "The chase", vereinzelte Arpeggios transportieren verwaschene Grunge-Assoziationen. Wenn sich in "Sour diesel" dann Doug Dulgarians Vocals erahnen lassen, irgendwo in der Ferne, wird aus dem Getöse ein Hit: "First person / Let me love you like I don't / Sit tight, kid / Cuz you're never going home" – die Stream-Of-Consciousness-Lyrics lassen tiefe Abgründe vermuten, aber formulieren nie richtig aus, was dem US-Amerikaner auf der Seele brennt. Gleichzeitig zeigt sich die Band, wie auch in "Baeside K", geradezu poppig. Passt das hier zusammen? Muss es überhaupt?

"Lotto", das vierte Album der 2017 gegründeten Krachmacher*innen aus Pennsylvania, hat diebischen Spaß daran, altehrwürdige Gitarrenmusik zu dekonstruieren oder wenigstens mit experimentellen Ansätzen zu konfrontieren. Wenn gerade keine Sample-Pads zur Verfügung stehen, muss es dann auch mal reichen, dass "Chrises head" einfach ungestört weißem Rauschen nachgibt. Sonic Youth gefiele das, wenn es sie noch gäbe. Verglichen mit minimaler agierenden Bedroom-Gazern wie zum Beispiel der jüngsten Cleopatrick-Inkarnation klingen They Are Gutting A Body Of Water dennoch mehr nach dem ausgewachsenen Quartett, das sie sind, und nach einer Live-Band. Die wiederum gern austestet, was die Wände der Mini-Clubs, in denen sie auftritt, alles aushalten: Da dürfen die Riffs im nach dem "Gänsehaut"-Schöpfer benannten "RL Stine" oder im nicht minder gruselig klingenden "Violence III" mitunter so richtig derb viel Zerre wagen. "Trainers" pflanzt in all den Lärm einen widerspenstigen Indie-Rock-Song, während "Slow crostic" mit seiner Instrumental-Klimax eindeutig in Richtung Postrock denkt.

Völlig auf den Kopf stellen They Are Gutting A Body Of Water ihren Sound-Cocktail aber erst gegen Ende: Zwar ist es durchaus ungewohnt, wenn in "American food" schließlich geloopte Vocoder-Effekte, programmierte Drums und verdammte Turntable-Scratches (!) den Ton angeben. Aber es ist innovativ und hypnotisierend. Der Closer "Herpim" erzeugt mit ähnlichen Mitteln einen gnadenlosen Sog, der die Hörer*innen weiter und weiter in die Tiefe zieht, bis ihnen kurz vom Verschlucktwerden doch wieder feinste Distortion um die Ohren fliegt. Und sie schlussendlich zu monströsen Techno-Bässen schweißgebadet aufwachen. War das alles real oder doch nur Fantasie? An "Lotto" ist vieles diffus und neben der Spur, aber wie beim namensgebenden Glückspiel besteht keine kleine Gefahr, dass es möglicherweise schon bald leicht süchtig macht. Die Band selbst steht ohnehin auf der Gewinnerseite: indem sie gleichzeitig so manche Konvention ihres wenig wandelbaren Genres bedient und es durch verquere Einfälle noch dazu unterhaltsamer gestaltet, als es von vielen wahrgenommen wird. Der erste entscheidende Jackpot ist damit also schon einmal geknackt.

(Ralf Hoff)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • The chase
  • Sour diesel
  • American food
  • Herpim

Tracklist

  1. The chase
  2. Sour diesel
  3. Trainers
  4. Chrises head
  5. RL Stine
  6. Slow crostic
  7. Violence III
  8. American food
  9. Baeside K
  10. Herpim

Gesamtspielzeit: 27:49 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

saihttam

Postings: 2761

Registriert seit 15.06.2013

2025-11-10 00:55:59 Uhr
Wirklich sehr kurzweiliges Album! Mag die Mischung aus schwerem Shoegaze und den Hyperpop-Einflüssen, die immer wieder durchscheinen.

MasterOfDisaster69

Postings: 1046

Registriert seit 19.05.2014

2025-11-05 21:56:10 Uhr
Like.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 35640

Registriert seit 07.06.2013

2025-10-30 16:23:58 Uhr
Klingt ganz interessant.

saihttam

Postings: 2761

Registriert seit 15.06.2013

2025-10-29 23:04:18 Uhr
Gute Scheibe!

Deaf

Postings: 3568

Registriert seit 14.06.2013

2025-10-29 22:03:59 Uhr
Freut mich, dass die hier rezensiert werden! Kenne jedoch vorerst nur den Vorgänger. Live waren die auch interessant mit ihrer Kombination von Samples und 90er-Gitarrensound - auch wenn sie dem Publikum während des gesamten Konzerts den Rücken zugekehrt haben (bis auf den Schlagzeuger natürlich).
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify