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Das Schottische Prinzip - Golden voyager record, Vol. III

Das Schottische Prinzip- Golden voyager record, Vol. III

Bader Molden / Broken Silence
VÖ: 17.10.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Vom Bordstein zum Bordstein

Einendes Merkmal des Schaffens der Österreicherinnen Das Schottische Prinzip ist eine gewisse Schludrigkeit, mit der sie ihre Songs zum Besten geben. Alles schrammelt und schlingert vor sich hin, während Julia Reißner am Mikro sich alle Mühe gibt, desinteressiert zu klingen. Nun ist diese Herangehensweise weder neu noch überraschend, das ästhetische Urteil hängt daher nicht vom Effekt, sondern vom Inhalt ab. Und der kann sich hören lassen: Das Schottische Prinzip klingen wie ein leicht besoffener Spaziergang durch eine spätsommerliche Großstadt. Reißner kombiniert präzise Alltagsbeobachtungen mit beißendem Spott, ohne dabei die Hooks zu vergessen. So ist "Sommer" ein herrlich lakonisches Stück über die selbstgewählte Isolation zur Wiederherstellung der geistigen Gesundheit. Dass dabei der Wunsch nach Veränderung in die Zukunft vertagt wird, ist wahrscheinlich der Witz.

Ob man etwas mit der Musik der Band anfangen kann, hängt folgerichtig vom eigenen Humorverständnis ab. Denn bei aller musikalischen Ernsthaftigkeit zieht sich eine gewisse Ironie durch das Album. Das hehre Ziel, Kunst zu erschaffen, kollidiert mit dem nagenden Gefühl des Unvermögens. "Der Weg ist der Weg", lautet das Motto. Es gibt keine Regeln, erlaubt ist, was gefällt. Aus diesem Grund existiert "Auerhahn", eine ganz und gar umwerfende Ballade über den Augenblick, in dem alles zu spät ist. Sanfte Gitarren-Arpeggi tragen den Song, während im Hintergrund eine Orgel Sehnsucht verbreitet. "Du tust mir leid / Du tust mir weh / Drum bitte geh / Du tust mir weh", singt Reißner distanziert, wobei sich die Musik immer weiter verdichtet. Wer solche Songs schreiben kann, darf auch mal Blödsinn machen.

Und Blödsinn machen Das Schottische Prinzip sehr gerne. Paradebeispiel hierfür ist "Marie", eine Ska-Skizze die halbwach durch die Gosse taumelt, ehe sie sich in ihre Einzelteile auflöst und mit einem Zitat des Hot-Dogs-Klassikers "Schau hi, da liegt a toter Fisch im Wasser" endet. "Luftverschmutzung" wagt sich indessen in Synthpop-Gefilde und erinnert in seiner Monotonie an Bands wie Malaria und Ideal, was nun nicht die schlechtesten Referenzen sind. Doch Das Schottische Prinzip können auch anders. Der wahrscheinlich besten Verse des Albums lauten "Sein Sakko steckte in der Hose / Er war so cool / Wie Peter O'Toole." Zu hören sind sie in "Perfekt", einem hingerotzten Stück Lebensfreude, die man nur spüren kann, wenn man den Bordstein von unten kennt.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Sommer
  • Auerhahn
  • Marie
  • Luftverschmutzung

Tracklist

  1. Dear investor
  2. Sommer
  3. Der Weg
  4. Auerhahn
  5. Belüg mich
  6. Perfekt
  7. Posaunen
  8. Gestolpert
  9. Marie
  10. Ich will auch nichts wissen
  11. Luftverschmutzung
  12. Was ist das schottische Prinzip?

Gesamtspielzeit: 40:40 min.

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User Beitrag

Sneedlewoods

Postings: 933

Registriert seit 07.05.2023

2025-11-17 10:08:16 Uhr
Das muntere Damenquartett ist musikalisch eigentlich überhaupt nicht meine Baustelle. Cover wie auch der Bandname haben mich neugierig gemacht. Eine mehr als große Toleranz sollte man schon mit bringen, die Gedanken(eines älteren Musikhörers) in Richtung Neue Deutsche Welle beiseite schieben und sich auf den Flug durch Raum und Zeit einlassen. DSP machen so der Erstkontakt, der sich dann auch weiter vertiefte, da weiter wo Ideal, Family Five oder Andreas Dorau , um nur drei zu nennen, irgendwann aufhörten. Naive Musikalität? Wäre die eine Seite der Münze. Die andere das textliche Konzept. Das abseits aller Blödeleien einen durchaus lyrischen Tiefgang hat. Wenn man sich auf das Album einlässt, durchaus eins, dass man auch öfter mal gerne hört. Je nach emotionaler Befindlichkeit findet sich unter den 11 Titel(der 12. beantwortet in 30 Sekunden die Frage was das das Schottische Prinzip ist) garantiert der passende Seelentröster.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29694

Registriert seit 08.01.2012

2025-10-29 21:44:05 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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