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Sabaton - Legends

Sabaton- Legends

Better Noise / Membran
VÖ: 17.10.2025

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

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Es gibt wenig, was Sabaton in ihrer Karriere noch nicht erreicht haben. Die Schweden sind Headliner auf den größten Festivals, füllen die ganz großen Arenen auf dem Globus. Und sie gehören sowohl zu den meistgeliebten als auch den meistgehassten Bands ihrer Zunft. Viel Feind, viel Ehr, heißt es gemeinhin, und natürlich ficht es die Band um ihren Frontmann Joakim Brodén am wenigsten an, dass außerhalb der Echokammer ihrer treuen Anhängerschaft meist Spott und Verachtung ob der – neutral formuliert – Eingängigkeit für die breite Masse vorherrscht. Was man Sabaton aber immer, egal wie man zu der Band steht, zugute halten muss: Der Erfolg beruht auf eigener Arbeit, ohne externe Produzenten, ohne Castings. Und die Hintergründe der Texte von Brodén und Bassist Pär Sundström, auch das ist gemeinhin bekannt, sind derart historisch fundiert, dass es seit 2019 einen eigenen Youtube-Kanal namens "The Sabaton History Channel" gibt.

Irgendwann müssen wir uns allerdings ins Unvermeidliche fügen und auf das elfte Studioalbum namens "Legends" kommen. Denn legendär ist die Platte in der Tat. Nur nicht so legendär, wie es die Band gerne hätte. Nach zwanzig Sekunden weiß man spätestens, dass es sich um eine Sabaton-Platte handelt, nach dreißig Sekunden möchte man die Flucht ergreifen. Die Musik des Openers "Templars" ist vermutlich in fünf Minuten geschrieben worden, so dermaßen klingt das Gestampfe nach dem bandeigenen Reißbrett. Chöre aus der Sample-Kiste, Gitarren im Mix schön weit herunterproduziert, damit der Krach nicht stört, dazu ein paar Keyboard-Licks, fertig ist der Autoscooter-Metal. Das machen Powerwolf im Prinzip auch, nur dass bei den Saarländern das Augenzwinkern aus jeder Note blitzt.

Beim folgenden "Hordes of Khan" geschieht Unerwartetes. Denn tatsächlich sprintet der Song härter als jene mongolischen Reiter, und fast könnte man mitwippen, wären da nicht die Chöre im Mittelteil, die 1980 schon Ralph Siegel dem asiatischen Feldherrn unterstellt hatte. "Lasst uns Wodka holen / Denn wir sind Mongolen / Hohohoho." Und es wird leider nicht besser. Drummer Hannes van Dahl – weitestgehend unterbeschäftigt, lediglich bei "A tiger among dragons" versucht der Ehemann der Sängerin Floor Jansen verzweifelt, die Monotonie mit wilden Fills aufzulockern. Oder sehen wir's positiv: Mit so wenig Arbeit so viel Anteil an den üppigen Tantiemen abzugreifen, ist auch irgendwo eine Kunst. Dass hier zwei im Grunde nicht völlig unbegabte Gitarristen ihre Arbeit verrichten – kaum spürbar. Wo sind denn mal beispielsweise Twin-Leads, wo der Druck im Sound?

Stattdessen Songwriting aus dem Pop-Lehrbuch, ja niemanden verstören, Hauptsache, die Masse in Wacken und anderswo kann fröhlich mitschunkeln. Bei Katastrophen wie "I, emperor" kann man sich nicht einmal mehr ärgern, so entsetzlich zum Fremdschämen klingt das zu allem Überfluss auch noch pappig tönende Desaster. Würden Sabaton auch nur ein Bruchteil der Mühe, die unbestritten in den Texten steckt, in die Musik investieren, das Ergebnis könnte wenigstens noch als okay durchgehen. So werden die Schweden mehr und mehr zur Lachnummer, und kämen hier noch Falsettgesang in den Refrains und Halsketten mit den Namen der Ehefrauen hinzu, die Verwandlung zu den Modern Talking des Heavy Metal wäre vollendet. Hey, wie wär's mit einem Song über Geronimo? Den Cadillac kann man ja weglassen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Hordes of Khan

Tracklist

  1. Templars
  2. Hordes of Khan
  3. A tiger among dragons
  4. Crossing the rubicon
  5. I, emperor
  6. Maid of steel
  7. Impaler
  8. Lightning at the gates
  9. The duelist
  10. The cycle of songs
  11. Till seger

Gesamtspielzeit: 45:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Honigmelonenmond

Postings: 25

Registriert seit 27.11.2024

2025-10-31 13:48:18 Uhr
@Ryker: Ghost mit Sabaton zu vergleichen ist etwas gewagt ;-) Zumal Ghost für mich eher im Rock- als im Metalbereich unterwegs sind. Die Songs von Ghost sind viel filigraner/ausgefeilter.

Ryker

Postings: 17

Registriert seit 14.06.2013

2025-10-31 13:15:14 Uhr
Ich sag mal so:

https://www.plattentests.de/rezi.php?show=20783

Da wurde auf massentaugliche Popmusik getrimmter "Metal" noch ziemlich abgefeiert. Auf meinen dortigen Kommentar verweise ich gerne.

Was genau gemacht das hier vorliegende Werk vier (MB) bzw. sechs (alle anderen) Notenstufen schlechter?

Sneedlewoods

Postings: 936

Registriert seit 07.05.2023

2025-10-29 21:54:44 Uhr
Sabaton sind Schunkel-Metal. Mit viel Pomp und Firlefeanz wird durch die Geschichte gedudelt, musikalisch. Kein Krieg ist zu abwegig, um nicht zu fröhlichem Trallala Klängen verhackstückt zu werden. Keine geschichtliche Begebenheit die es noch nicht auf das Schlachtbrett der Schweden geschafft hat. Diesmal sind es u.a. Julius Cäsar, Jeanne d ` Arc, die Templer, Miyamoto Musashi, Gustavus Adolphus, die zu schon 1000x auf früheren Alben gehörtem Weichei Metall ihre nachträgliche musikalische Vergewaltigung erfahren.

nörtz

User und News-Scout

Postings: 17097

Registriert seit 13.06.2013

2025-10-29 21:46:53 Uhr
Absolute Legenden des Genres! Mit ihren Gitarren-Geschwadern und Militärrhythmen haben sie Metal-Geschichte geschrieben.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29697

Registriert seit 08.01.2012

2025-10-29 21:43:56 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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