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Flesia - Achterbahnekstase

Flesia- Achterbahnekstase

Revolvermann / Cultkill
VÖ: 31.10.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Völkerschlacht am Rummelplatz

Da es ja bekanntlich genug Krisen auf der Welt gibt, braucht man dort, wo keine sind, auch keine herbeireden. Ob des aktuellen Zustands des Metal-Genres lässt sich ein wenig Grund zur Sorge und Skepsis aber schwer vermeiden. Die richtig großen Namen haben im letzten Jahrzehnt eigentlich keinen nennenswerten Zuwachs bekommen, und auch wenn die bekannten Festivals sich weiterhin mit treuen Pilgern ausverkaufen, so ist nüchtern betrachtet entweder in den Line-ups mit halbschalen ironischen Gast-Acts à la Wacken oder mit der Location eines Kreuzfahrtschiffs eine Disneylandisierung des Genres schwer zu leugnen. Was also tun, wenn "mehr mehr mehr" scheinbar nicht zur nachhaltigen Entwicklung reicht? Damit ist die Mission des Leipziger Trios Flesia auch schon beschrieben. Aber wie lässt sich ein "Weniger ist mehr" in einem Genre wie Black Metal, welches so wie andere Subgenres von Metal eben auch von seiner Intensität lebt, überhaupt umsetzen? Flesias Antwort darauf ist, die unheilige Dreifaltigkeit der Instrumente zu brechen. BSG steht in Leipzig somit nicht nur für den einzig relevanten Fußballverein, sondern nunmehr auch für "Bass, Schlagzeug und ... Gar nix".

Es dauert tatsächlich einige Minuten, bis man realisiert, welcher Kniff das Album im Vergleich zur großen Menge an Durchschnittsware diese eine zusätzliche Stufe erklimmen lässt: keine Gitarren. Null. Man vermisst sie nicht mal. Nun gilt es der Fairness halber klarzustellen, dass Flesia beileibe nicht die erste Metal-Band sind, die sich diese Art von Limitierung auferlegt (man denke als bekannteres Beispiel an das Projekt Bassinvaders von Helloweens Markus Grosskopf). Aber dass bloß mit einem Schlagzeug und einem Bass nicht nur der gewünschte Druck, sondern auch gute Melodik erschaffen werden, verdient allein handwerklich großen Respekt. "Achterbahnekstase" kommt dabei mit lediglich drei Songs aus, die sich insgesamt auf knapp vierzig Minuten Spielzeit ausbreiten. Spitzfindig lässt sich anmerken, dass aufgrund dieser Epik das Thema "Achterbahn", das doch eher für kurzes, intensives Erleben steht, nicht so richtig getroffen ist, aber alle anderen Merkmale passen. Man will sich den Verschleiß an Drumsticks und Saiten kaum vorstellen, die ein derartig mörderisch schnelles Eindreschen auf die Instrumente wie im Stück "Im Kreis nach unten" nach sich ziehen muss.

Doch neben der reinen Geschwindigkeit ist auch die Dramaturgie eines gut designten Fahrgeschäfts getroffen. Wenn man sich darauf einlässt, lassen sich vor dem geistigen Auge tatsächlich die Kurven, Überschläge und Rotationen nachvollziehen, und es lässt einen nach einem Hördurchgang entsprechend erschöpft, aber eben auch mit einem Lächeln zurück. Abseits der virtuos bedienten Gerätschaften eröffnet die Gesangsstimme bei Flesia den Korridor zu weiteren Genres. Während Black Metal hier die klare DNA bildet, lassen sich einzelne Passagen sicherlich eher als Sludge oder auch als Doom klassifizieren. Aber am Ende völlig egal, ob Screamen, Shouten oder Growlen – wenn die eigene Stimme ein Hammer ist, wird genau wie bei den Instrumenten jeder einzelne Ton erbarmungslos genagelt. Jeder der drei Akteure bietet also zum einen eine beachtliche Individualleistung, aber keiner sticht dabei so sehr hervor, dass die anderen dadurch in Mitleidenschaft gezogen würden. Ironischerweise ist dieses Album damit eine insbesondere harmonisch gelungene Produktion, macht es bei so kolossalen Spiellängen der einzelnen Songs damit aber vielleicht auch zugänglicher. Flesia wird, so realistisch sollte man sein, vermutlich nicht "the next big thing" auf den Metal-Bühnen dieser Welt. Dass dem nicht so sein wird, ist jedoch definitiv nicht der Band anzulasten, da sie ihren Teil dafür hiermit geleistet hat.

(Gerrit Phil Abel)

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Highlights

  • Raserei

Tracklist

  1. Druck
  2. Raserei
  3. Im Kreis nach unten

Gesamtspielzeit: 39:48 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Hierkannmanparken

Postings: 2677

Registriert seit 22.10.2021

2025-11-05 21:54:47 Uhr
Mich beeindruckt, wie sich Druck, eine recht homogene Masse an, ja, Hochdruck-Geballer, über 11 Minuten ohne Längen halten kann.

Dumbsick

Postings: 494

Registriert seit 31.07.2017

2025-10-30 12:45:26 Uhr
Auf Transcendedmusic.de kann man das Album übrigens vorab streamen

Dumbsick

Postings: 494

Registriert seit 31.07.2017

2025-10-30 08:25:43 Uhr
Richtig gut die Platte. Mörtelt ordentlich

Hierkannmanparken

Postings: 2677

Registriert seit 22.10.2021

2025-10-29 22:12:44 Uhr
Das ist mal ein Album mit spannenden Rahmenbedingungen in fast jeder Hinsicht, ich bin sehr neugierig!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29654

Registriert seit 08.01.2012

2025-10-29 21:42:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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