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Julia Effekt - Nachtparkett

Julia Effekt- Nachtparkett

Phat Penguin
VÖ: 17.10.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wien trägt schickes Schwarz

Die deutschsprachige Schwarze Szene: ein Trauerspiel. Schwülstige Zeilen über den Teufel und die Liebe, von selbsternannten Schlächtern aus gutturalen Untiefen hervorgeknödelt oder von kinderchorbewaffneten Hochadligen schlageresk gecroont, verschmieren seit langer Zeit den schönsten Kajal und lassen die letzten Düsterrockfabriken, längst zu Karnevalshochburgen verkommen, einen langsamen, qualvollen Tod sterben. Doch nun, im Oktober 2025, keimt endlich Hoffnung auf: Die Wiener Band Julia Effekt veröffentlicht ihr so starkes wie rabenschwarzes Debüt.

Das Quintett lädt aufs "Nachtparkett", lockt mit Post-Punk-Gitarre und einem Uptempo-Opener. Doch kein Moshpit mit anderen Schwarzkitteln wartet auf der brüchigen Tanzfläche. Nein, man bleibt "Allein". Wie Sänger Konstantin Mues-Bœuf, sinistre Zeilen über welkende Blumen verzweifelt artikulierend. Angenehm interpretationsbedürftig bleibt auch der Text des dank seiner Akustikgitarre und seiner lebhaften Percussion wunderbar luftigen Gothic-Bossa-Nova "Kauf mir Rosen". Unter einem Baum in nebliger Umgebung stellt das lyrische Ich seinem Gegenüber die Frage "Warum liebst Du mich?". Bemerkenswert vorwurfsvoll klingt sie. Um Mues-Bœuf einen Erklärungsansatz für die Sympathie gegenüber der Musik seiner Band zu liefern: Selten gerät ein plötzlicher Sprachwechsel auf einem Album so elegant wie in "Je te tiens", einem hervorragend komponierten, zum Schluss auch noch mit einem herrlichen Gitarrensolo aufwartenden Song über das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen. Und mindestens ebenso selten fügen sich in der deutschsprachigen Musiklandschaft morbide Zeilen wie "Zeig mir den Weg / Wo Dein Herz begraben liegt" so ungekünstelt in eine Hymne ein wie im abschließenden "Die Birken".

Angenehm ungeschliffen und roh klingen die Songdiamanten nicht nur dank Mues-Bœuf, variabel seine Stimme einsetzend, sondern auch wegen des durchgängigen Lo-Fi-Klangs. Während Julia Effekt kompositorisch bereits durchweg überzeugen, darf man sich für ein Folgealbum noch ein bisschen mehr Eigenständigkeit hinsichtlich der Riffs und ein noch konsequenteres Umschiffen zweckreimbehafteter Dunkelkammer-Klischees wünschen. So erscheint der "Geburtstagsclown" zu sich nah an einer interpolschen Akkordfolge orientierenden Gitarrenklängen und verkündet, er sei "gut", während aus nicht weiter definierten Gründen "fließen tut das Blut".

"Nachtparkett" versprüht in fast jedem Song den Charme britischer Goth-Ikonen, verbindet Punk-Energie mit lyrischer Anti-Romantik, die auf ihre Art wieder romantisch ist. Umso mehr überrascht zunächst, dass die Promotion auf mannigfaltige musikalische und politische Einflüsse eingeht – von der Neuen Deutschen Welle und den Idles ist da die Rede, von einer notwendigen Kritik an "der Allmacht des Patriarchats" und am "chauvinistischen Backlash" –, auf des Pudels schwarzen Kern aber fast gar nicht. Die Band scheint um das Image-Problem eines Genres zu wissen. Dabei zeigt "Nachtparkett" das große Potenzial, jenes Image gewaltig aufzubessern.

(Dennis Rieger)

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Highlights

  • Kauf mir Rosen
  • Je te tiens
  • Die Birken

Tracklist

  1. Allein
  2. Kauf mir Rosen
  3. Geburtstagsclown
  4. Ballade
  5. Alt
  6. Verschwende Deine Jugend
  7. Streichholz
  8. Je te tiens
  9. Die Messe
  10. Nachtparkett
  11. Die Birken

Gesamtspielzeit: 39:22 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Frank Hansmann

Postings: 2

Registriert seit 01.12.2022

2026-01-17 00:12:43 Uhr
In den Augen das Parkett.
Beim Jahrespoll gewonnen, gerade einmal durchgehört, für sehr gut befunden. Danke.

dogs on tape

Postings: 532

Registriert seit 14.06.2013

2025-12-21 10:35:42 Uhr
Starkes Album. Jetzt erst entdeckt, weil sie im ersten Haldern Trailer dabei sind. Gute Sache.

Kontermutter

Plattentests.de-Mitarbeiter (Gerrit Phil Abel)

Postings: 746

Registriert seit 04.03.2023

2025-10-23 20:53:59 Uhr
Nach der Rezi habe ich auch massiv Bock darauf, hier mal reinzuhören. Ich fand es früher schon schräg, dass Bands wie Goethes Erben oder Samsas Traum so unironisch wahrgenommen wurden, bloß weil sie Songtexte mit Relativsätzen haben. So etwas schön-sinisteres wäre nun exakt meins. ^^

Enrico Palazzo

Postings: 8710

Registriert seit 22.08.2019

2025-10-23 19:58:08 Uhr
Die Platte läuft grad nebenbei und da finde ich sie überraschend gut! Ich hoffe, dass das auch so bleibt, wenn ich nen zweiten Durchgang mit auffe Texte hören mache.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30443

Registriert seit 08.01.2012

2025-10-22 20:30:17 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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