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Tortoise - It's all around you

Tortoise- It's all around you

Thrill Jockey / Rough Trade
VÖ: 05.04.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Ich sehe was, was du nicht siehst

Vorsicht Pfütze! Was einem doch alles entgeht, wenn man die Augen nur nach innen richtet, das Äußere nur als Widerstand kennenlernt. Tortoise waren groß in jenem Verpuppen, sie wollten sich immerzu verlieren. Eingehüllt in einen Kosmos von Klängen, nie mehr als eine Spur, die sich im Nebel verläuft. Nun die Umkehr von der Abkehr. Ein Album wie ein Panoramafenster, daß auf einen Namen hört, der jeder Ökologiebewegung zur Ehre gereichte: "It's all around you". Tortoise machen einen die Augen öffnen, auf den Klang lauern, das Wort vergessen. Kommt herbeigeeilt und staunt.

Nach fünf Alben endlich die Entlassung aus dem Käfig mit der Aufschrift "Zukunft des Rockes". Die Postmoderne entschwindet vor den Augen der Schildkröte in den eigenen Weiten: Weder wurde das Ende der Geschichte erreicht, noch deren Auflösung in Fußnoten. Doch wie kann Postrock klingen, in einer Welt die wieder Schwarz und Weiß kennt? In der das Ordnungsschema über das freie Spiel der Narrative zu siegen droht?

"It's all around you" antwortet auf diese Fragen, indem es das Leben eines Insektes mimt: Die Facetten der Umwelt werden hundertfach gebrochen, der schnelle Flug öffnet den Horizont. Die Motive sind bekannt, doch die Perspektive birgt die Neuigkeit. Der heimische Vorgarten mutiert zum Terrarium, der Gartenteich zum Ozean. In der Nahaufnahme zeigt sich die Breite des Schmalen, die Größe des Kleinen.

Da ist ein versalzener Himmel und eine weiße Leinwand: Auf der Leinwand wird mit weißer Farbe ein weißes Bild aufgetragen. Dramatisch und düster, doch zugleich hell und geradlinig. Vieles wird freigelassen. Auf daß der Hörer selber zum Pinseln greife, in der Phantasie das Ganze nachbessere, der Welt hinterherträume und die Gedanken nach Außen trage. Das alles setzt den aktiven Konsumenten voraus, der mit den Mythen des Vorgartens gleich das eigene Blumenbeet bepflanzen will. Was aber, wenn man im Gestrüpp von Weiß den roten Faden verliert, wenn das Erlösende gelegentlich zu banal daherkommt?

Die Unzufriedenheit im Schlarrafenland, das Verkennen des Umgebenden. Gerade was Tortoise mit ihrem Augenöffner-Album anprangern wollten, wird ihnen streckenweise selbst zum Verhängnis. Das Bekannte, gar Vorhersehbare ihrer Klangwelten überzeichnet die kleinen Ausbauten. In den bombastischen Landschaften der Klänge bedürfte es des markanten Stroms, der die Spannung aus sich selber entstehen ließe und sich weniger auf den Überraschungsmoment des Augenblicks verließe. So meint man doch, zu Vieles schon einmal gesehen und gehört zu haben. Man hat sicher wieder vergessen wo, aber es muß ganz in der Nähe gewesen sein.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • It's all around you
  • On the chin
  • Five too many

Tracklist

  1. It's all around you
  2. The lithium stiffs
  3. Crest
  4. Stretch (You are alright)
  5. Unknown
  6. Dot/Eyes
  7. On the chin
  8. By dawn
  9. Five too many
  10. Salt the skies

Gesamtspielzeit: 43:44 min.

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