Sprints - All that is over
City Slang / Rough Trade
VÖ: 26.09.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
A mighty craic
Das Angenehme an Bands wie der irischen Vierer-Kombo Sprints ist, dass der Name in Kombination mit einem Blick auf die Tracklist eigentlich schon alles verrät, was man wissen muss. Mit Titeln wie "Abandon", "Need", "Rage" und "Desire" zeigt man nicht nur, dass man nah am Gefühl gebaut hat, sondern eben auch, dass man selbiges dem Gegenüber auch gerne ohne Pathos in die Fratze ballert. Das Bandkonzept soll, wie auch beim Vorgänger und Debüt "Letter to self", nach Aussage von Frontfrau Karla Chubb das Empfinden nach einem Sprint sein: der beschleunigte Herzschlag, der verkürzte Atem, das Brennen in den Waden – nur eben mit Musik statt Sport. Und wie bei einem tatsächlichen Sprint beginnt die kurze Reise durch Album Nummer zwei mit dem Warten auf den Startschuss. Fünf Minuten im Übergang von anderthalb Stücken, im Kontext von Sprints also eine gefühlte Ewigkeit, dreht Chubb die Schrauben enger und enger, erzeugt hinter dem Vorhang einer Bauhaus-Gedächtnis-Bassline genau den Grad an Explosivität, der dem Körper eine erwartete Höchstleistung ankündigt. Und wenn die beiden E-Gitarren dann einmal loslegen, kriegt man auch textlich wie in "Descartes" eine gute Idee davon, warum man die Rennstrecke gelegentlich noch Aschebahn nennt: "All fair in love and war / But what if I've nothing more than war left?"
Auf "All that is over" passiert dabei streng genommen nichts Revolutionäres. Wir haben lediglich vier Musiker*innen, die ihre Blaupause gefunden haben und versiert genug sind, sie ausreichend zu variieren, damit es nie langweilig wird. Ohnehin ist das Crescendo ab dem zweiten Chorus ja etwas, was schon eher zu den Grundlagen eines Rocksongs gehört, aber hier passt es eben auch immer hervorragend dazu, dass alle Songs sich auch inhaltlich zuspitzen bis zum genüsslich zelebrierten Kipppunkt, in denen sich Stimme und Riffs gegenseitig überhitzen. Im Falle der bereits besagten Single "Descartes" ist man dabei soundtechnisch irgendwo zwischen CSS, Blood Red Shoes und Art Brut, bei "Pieces" wiederum eher etwas härter wie zum Beispiel bei Death From Above 1979, während "Rage" eine Art "Dark Country"-Bandbreite zwischen The Dead Weather, The Kills und etwas The Raveonettes aufspannt. Das ist alles kompetent gelöst und spricht auch mehr für die instrumentalen Fähigkeiten, als für bloßes Abkupfern. Sprints sind einfach so gut, um in denselben Sphären wie besagte Bands genannt werden zu dürfen.
Möchte man den ganzen Hormoncocktail auf einen Punkt herunterdampfen, dann bietet sich dafür der Titel "Something's gonna happen" an. Stimmlich, textlich und atmosphärisch greift hier alles ineinander, was die Essenz von Sprints ausmacht. Dieses ganze Spektakel mit ein paar hundert Leuten in einem verschwitzten Pub irgendwo in Dublin zu erleben, ist jedenfalls eine romantische Vorstellung, wenn diese Liebe potenzielle Knochenbrüche in der Moshpit einschließt. Über die gesangliche Virtuosität von Chubb muss man nicht lange diskutieren, aber was sie beispielsweise in der stark an Bloc Party erinnernden Stream-of-consciousness-Nummer "Coming alive" für Töne heraushaut, beantwortet die Frage, ob der Whiskey oder der Gin daran schuld ist, mit einem augenzwinkernd lächelnden "Die ganze verdammte Bar"- "Despite your best attempts of breaking me apart / I'm failing to depart" ist nicht nur eine für den eigenen Wortschatz lyrisch wertvolle Alternative zum ordinären F-Wort, sondern taugt auch gleichzeitig als brauchbares Fazit der Erfahrung als Zuhörender: Sprints fragen nicht nach, sondern zerren einen einfach mit. Wohlwissend, dass man ihre Hand danach ohnehin nicht mehr loslassen möchte.
Highlights
- Descartes
- Something's gonna happen
- Coming alive
Tracklist
- Abandon
- To the bones
- Descartes
- Need
- Beg
- Rage
- Something's gonna happen
- Pieces
- Better
- Coming alive
- Desire
Gesamtspielzeit: 38:37 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Mann 50 Wampe Postings: 5102 Registriert seit 28.08.2019 |
2026-04-01 13:21:50 Uhr
Ich war auch da. Der Skaters Palace ist irgendwie nicht der ideale Musikclub, da recht eng, klein und verschachtelt. Das dass Publikum nicht aktiv war kann man nur z.T. sagen, war doch durchaus Bewegung vor der Bühne da. Die Sängerin ist in der Tat extrovertiert, ich hatte aber den Eindruck das sie durchaus Bock hatte. Und die Klettertour war super, die zu lange Ansage hätte ich allerdings nicht gebraucht und die Palästina Flagge neben den Gittaristen hat mich irritiert. |
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sushi Postings: 20 Registriert seit 13.09.2024 |
2026-04-01 10:05:09 Uhr
Gestern habe ich sie in Münster gesehen, nachdem ich sie zuvor nur als Vorband erlebt habe. Marathon vorab hat mir gefallen, ohne dass ein Song besonders im Gedächtnis geblieben ist. Sprints waren musikalisch super, die Verbindung zum Publikum wirkte gestört. Das Publikum war altersheterogen und für die Sängerin nicht extrovertiert genug. Sie schien irritiert bis genervt. Weil das Publikum aktiver wurde und sie nach einer Kletteraktion bis auf die Empore gelöster wirkte, kam es gegen Ende dann zu einer längeren, sympathischen Ansage über den Weg der Band und ihre Werte. Das hatte eine versöhnliche Note. |
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Nummer Neun Postings: 1430 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-03-19 08:17:32 Uhr
Sehe sie am Sonntag auch in München. Bin vorher allerdings noch als Wahlhelfer eingeteilt und muss nach der Auszählung deshalb dann schnell ins Strom rübersprinten. Hoffe aber, dass sich das schon mit dem Support ausgeht. |
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saihttam Postings: 3019 Registriert seit 15.06.2013 |
2026-03-19 00:59:27 Uhr
Cool! Ich plane das Konzert in Wiesbaden schon fest ein. |
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afromme Postings: 693 Registriert seit 17.06.2013 |
2026-03-16 00:18:23 Uhr
Sehr kurzfristig mitbekommen, dass sie auf Tour sind, sehr kurfristig 2h vorher überlegt, hinzugehen - da gewesen und begeistert gewesen. Gute Vorband aus Amsterdam auch (Marathon). |
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Referenzen
Savages; The Distillers; Idles; Sleater-Kinney; Yuck; Fontaines D.C.; The Kills; PJ Harvey; No Age; Jay Reatard; Parquet Courts; CSS; Viagra Boys; Fucked Up; Silver Jews; Slaves; Guided By Voices; Sonic Youth; Sleaford Mods; Siouxsie And The Banshees; Amyl And The Sniffers; The Interrupters; The Dead Weather; Blondie; Cable Ties; Iceage; Metz; The Orchids; The Streets; Surfer Blood; TV Priest; High Vis; Ditz; Fang Island; New Pagans; A Place To Bury Strangers; Bauhaus; The Gun Club; Wavves; Young Prisms; Slowdive
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