Malik Harris - Plain sights
Better Now
VÖ: 12.09.2025
Unsere Bewertung: 5/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
Dabei sein ist alles
Zu unscheinbar, zu bodenständig, zu wenig Show – so lauteten viele Erklärungen, die die Presse 2022 händeringend suchte, um begreifbar zu machen, wie Malik Harris mit "Rockstars" bloß den letzten Platz für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Turin belegen konnte. Der Musiker selbst betrachtete das Ergebnis aber keineswegs als Niederlage, bedankte sich für die Aufmerksamkeit und arbeitete stur weiter an seiner Karriere. "Plain sights", das zweite Album des Bayern, ist nun in erster Linie eines: bodenständig. Auch einen großen Zirkus veranstaltet er immer noch nicht. Auf "Anonymous colonist", dem etwas seltsam benannten Debüt des 28-Jährigen, war das noch ein bisschen anders; die Funk- und R'n'B-Elemente traten darauf wesentlich deutlicher in Erscheinung als heute. Aber auch auf "Plain sights" garniert der Künstler seinen radiofreundlichen Songwriter-Pop mit verschiedenen Genre-Einflüssen. Die ein oder andere starke Single hat das bereits abgeworfen – immerhin wurden acht der dreizehn Songs vorab veröffentlicht. Auf Albumlänge jedoch muss Harris sich zumindest den Vorwurf der Unauffälligkeit wohl oder übel noch ein bisschen gefallen lassen.
Dass der Künstler live als Ein-Mann-Band performt und sich seine Stücke aus allerlei Instrumenten zusammenloopt, spielt auf den Aufnahmen keine Rolle. Was sticht also heraus? Viel zugegebenermaßen nicht, aber es wird zufriedenstellend dargeboten. So ist "Daydreaming" schlicht ein locker-leichter Sommerhit – kein Kitsch, sondern einfach eine von Grund auf gute und von Herzen ehrliche Liebeserklärung. Auch "Lawiya" ist angenehmer, jedoch generischer Gitarrenpop à la Jack Johnson. Spannender wird es, wenn Harris, der Twenty One Pilots als erklärte Lieblingsband bezeichnet, sich auf Hip-Hop beruft. Und es ist zwar zu "Rockstars" schon millionenfach geschrieben worden, sei aber auch hier erwähnt: In seiner Art zu rappen ist eine Menge von einem weniger aggressiven Eminem zu finden. Besonders deutlich wird das im für "Plain sights"-Verhältnisse fast schon düsteren und tatsächlich stark an "Lose yourself" erinnernden "Dreamer", das die "Rockstars"-Formel zugunsten von wesentlich mehr Elan variiert. Auch "Sticks & stones" bounct zwischen Soul-Einschlag und beharrlicher Entschlossenheit.
Nebenbei bemerkt: Der bilingual aufgewachsene Sohn des US-amerikanischen Talkmasters Ricky Harris ist – kaum überraschend – einer der wenigen deutschen Musiker, die anständiges Englisch beherrschen. Den vergessenswerten "Hey you" und "Promise" oder Standard-Klavierballaden wie "Better man" hilft das allerdings weniger als dem melancholischen Storytelling in "Beautiful lie". Und ob nun "Up" kleinere Big-Band-Ausflüge zulässt oder "It's you" kurz Lionel Richie ausgräbt – am Ende bleibt auf "Plain sights" dann doch vieles Mittelmaß. Authentisches Mittelmaß allerdings: Das Album zeigt keine abgehobene künstlerische Version, sondern präsentiert den Landsberger viel eher als soliden, ausdauernden Handwerker. Selbst, wer dem Mainstream grundsätzlich skeptisch gegenübersteht, muss zugeben: Harris hat ein Händchen für Melodien, das ihn von vielen einheimischen Pop-Schnarchnasen, aber auch internationalen Songwriting-Robotern wie Alex Warren abhebt. Vielleicht rollt er bei nicht allzu starker Konkurrenz ja doch eines Tages das Feld von hinten auf.
Highlights
- Dreamer
- Daydreaming
- Sticks & stones
Tracklist
- Hey you
- Dreamer
- Hold your head up
- Lawiya
- Better man
- Beautiful lie
- Daydreaming
- Up
- Miracle
- Sticks & stones
- Promise
- Heavy rain
- It's you
Gesamtspielzeit: 38:30 min.
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