King Princess - Girl violence
Section1
VÖ: 12.09.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Das wird wehtun
"And I guess it's true love / 'Cause it truly fucks with me." Kaum ein Thema wurde in der Popmusik so umfassend von allen Seiten beleuchtet wie der Herzschmerz, und doch können es die Künstler*innen dieser Welt nicht lassen, davon zu singen. Was raus muss, muss eben raus. Deshalb kann es sich Mikaela Straus auch erlauben, ihr drittes Album als King Princess mit einer cineastischen Fanfare zu eröffnen – die eigenen Gefühle dröhnen ja nicht weniger laut, nur weil Millionen von Menschen sie vorher bereits durchgemacht haben. "Girl violence" ist ein betont queeres Trennungsalbum. Nicht nur inhaltlich, sondern auch ästhetisch, weil Straus ihren Alt-Pop weiterhin in verschiedene Stile wuchern lässt. In Abwesenheit der unter anderem von Bryce Dessner mitgestalteten Folk-(lore)-Einflüsse von "Hold on baby" ist die Platte etwas ungemütlicher als ihr Vorgänger, bereitet die emotionalen Lasten aber keineswegs unbekömmlich auf.
Am Anfang hat Straus noch Schmetterlinge im Bauch. "Jaime" ist eine süße Crush-Hymne, vorgetragen mit angemessener High-School-Naivität: "I've been secretly wishing you'd date me / Despite all the times you were wack / If you told me I'm cool, I'd collapse." Die hier dezent angedeutete Nuller-Pop-Punk-Schlagseite lebt "Cry cry cry" mit Haut und Haaren aus, überführt sie in die offensivste Hook des Albums. Dazwischen entlockt "I feel pretty" der Gitarre ein fuzziges Schluss-Solo, während Straus das titelgebende Statement in eine noch gewichtigere Erkenntnis verwandelt: "For the first time in years, I feel painless." "Origin" überzeugt dahingegen als atmosphärische Halbballade mit leichten "Ray of light"-Vibes. "Girl violence" ist die erste Platte, die ohne Beteiligung von Straus' Förderer Mark Ronson entstanden ist, was ihrer Stilsicherheit über unterschiedliche Genres hinweg jedoch keinen Abbruch tut.
Als Herzstück des Albums kristallisiert sich "Girls" heraus. Über angebluestem Soft-Rock treibt Straus ihre Stimme zur heiseren Erschöpfung und pointiert ihre widersprüchlichen, selbstdestruktiven Gefühle nach der Trennung: "And to let you back in / That would be violence / That would be chaos / I want to try it." Der Schmerz drängt die New Yorkerin keineswegs in die Passivität. "Get your heart broken", fordert der gleichnamige, von einer markanten Basslinie getragene Song, als sei die ganze Sache nur eine Mutprobe. Im indie-rockigen "Covers" wird Straus zum Geist, der die Verflossene heimsucht: "You'll hear scratching at your post / And you'll wonder if it's me who's haunting you." Da lässt sich auch Idles-Sänger Joe Talbot nicht lumpen, dessen körperloses Organ durch die von Harfenklängen durchzogene Verschnaufpause "Say what you will" gespenstert – ein unerwarteter Cameo-Auftritt, der die Grenzenlosigkeit von Straus' künstlerischem Selbstverständnis nochmal unterstreicht.
Ebenfalls herrlich neben der Spur fährt die Lead-Single "RIP KP" – ein windschiefes Stück Anti-Funk mit unheimlich verzerrtem Outro und besonders bösen Spitzen gegen die Ex: "My girl could destroy your life / Like she did to mine." Das im Songtitel enthaltene Versprechen einer kompletten Neuerfindung hält "Girl violence" nicht, was angesichts eines wavigen Hits wie "Slow down and shut up" oder des mächtigen Closers "Serena" allerdings nicht negativ ins Gewicht fällt. Straus fügt ihrer Diskografie ein weiteres spaßiges Pop-Album mit eigenem Kopf hinzu und scheint damit auch ihren Heilungsprozess einen Schritt weitergebracht zu haben, was ausgerechnet ein Stück namens "Alone again" kurz vor Schluss klarmacht: "I got bigger dreams / Than being your baby / Honestly, I'm so relieved it's over." So muss sich die Platte als einzigen wirklich validen Kritikpunkt gefallen lassen, dass die Unart, schlechte Selfies als Albumcover zu verwursten, nicht noch einen weiteren unkreativen Zugang gebraucht hätte.
Highlights
- Girls
- Covers
- RIP KP
- Slow down and shut up
Tracklist
- Girl violence
- Jaime
- Origin
- I feel pretty
- Cry cry cry
- Get your heart broken
- Girls
- Covers
- Say what you will (feat. Joe Talbot)
- RIP KP
- Alone again
- Slow down and shut up
- Serena
Gesamtspielzeit: 34:58 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 9562 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-10-18 00:16:55 Uhr
Erster neuer Song seit dem Album!"Cherry" https://youtu.be/PGQyAWQrGk8?si=fciOtuTP7Nn-WEB_ |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30002 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-09-24 21:05:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 9562 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-09-12 09:34:57 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://kingprincess.bandcamp.com/album/girl-violence Musikexpress 4.5/6 https://www.musikexpress.de/reviews/king-princess-girl-violence/ Rolling Stone 4/5 https://www.rollingstone.de/reviews/king-princess-girl-violence-grosser-wilder-brutaler-spass/ |
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MickHead Postings: 9562 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-08-13 14:38:51 Uhr
3. Song "Girls"https://youtu.be/LhcVJhdy1zM?si=hAH5gl7LCVLLgxIO |
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MickHead Postings: 9562 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-07-15 22:53:10 Uhr
2. Song "Cry Cry Cry"https://youtu.be/rBlBhCLJxZg?si=NPVZnitD11jvcWKm |
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Referenzen
Chappell Roan; Halsey; Benee; Reneé Rapp; Fletcher; Olivia Rodrigo; Bea Miller; The Regrettes; The Aces; The Beaches; Muna; Claud; Haim; Lauv; Troye Sivan; Orla Gartland; Tegan And Sara; Billie Eilish; Lorde; Miley Cyrus; Carly Rae Jepsen; Dua Lipa; Kesha; Holly Humberstone; Rachel Chinouriri; Kailee Morgue; Steve Lacy; Lil Yachty; Unknown Mortal Orchestra; Maggie Rogers; Snail Mail; Lucy Dacus; Miya Folick; Idles
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