Your Smith - The rub
Nettwerk / Bertus
VÖ: 12.09.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
In voller Blüte
Von außen betrachtet könnten die Unterschiede kaum größer sein: Im Vergleich zur sich gerade auch auf ihrem neuen Album gerne farbenfroh und exaltiert gebenden CMAT wirkt Caroline Smith fast schon wie ein Mauerblümchen. Nach vielen durchaus gedeihlichen Jahren in der Indie-Szene, wo sie mit Mitstreitern aus Minneapolis als Caroline Smith And The Good Night Sleeps vor allem regional von sich reden machte, stimmt die nach längerer Pause gereifte Künstlerin inzwischen beherztere Töne an und macht schon mit ihrer neuen, als Einladung zu verstehenden Namensgebung klar, dass sie die Pop-Welt für sich gewinnen will.
Mit ihrem Debütalbum sollte ihr das mühelos gelingen, kann es doch grob in die gleiche Ecke eingeordnet werden, in der sich vielseitige Musikerinnen wie die Haim-Schwestern, The Last Dinner Party oder eben auch CMAT erfolgreich eingerichtet haben. Smith setzt also auf einen ein mittlerweile recht breites Publikum ansprechenden Pop-Stil mit einem latenten Retro-Charme und merklicher Indie-Ausprägung, lässt zwischen jeder Menge hitverdächtigem Material aber auch Raum für zurückhaltende Betrachtungen.
Dabei gelingt es Your Smith von Beginn an, alle Sympathien auf ihre Seite zu ziehen, denn bereits das eröffnende "Change of heart", bei dem sich die Künstlerin laut eigener Aussage von Paul McCartney inspirieren ließ, überzeugt mit einer hinreißenden Melodieführung, die sofort Lust auf mehr macht. Eine Lust, die rundum befriedigt wird, sobald das anschließende "Telephone line (Hanging up all my hopes)" auch nur anklingt. Dem ausgelassen tanzbaren Song ist nicht zuletzt wegen eines gewissen 80er-Flairs die Leichtigkeit, die Smith bei dessen Entstehung empfand, deutlich anzumerken.
Überhaupt ist Leichtigkeit die vorherrschende Empfindung beim Hören der Platte, egal, welcher thematische Ton gerade angeschlagen wird. Daher klingen auch Liebeskummer-Nummern wie "Leaving you" oder "Hey there's my girl" keineswegs nach schwermütigem Herzschmerz, sondern kommen zusammen mit ohnehin optimistisch stimmenden Songs wie "Christina" und "Mr. Revival" eher wie melancholisch angehauchte Mutmacher rüber, die zum seligen Tagträumen einladen. Das gilt umso mehr für die sanfteren Momente, die mit "Lyin'" und "Love me again" ihre wohl schmiegsamsten Ruhepole finden.
Letztlich sind es aber unmittelbar und zielsicher ins Gehör gleitende Songs wie "Peaches" oder das leider recht kurze "Down the line", die aus "The rub" ein attraktives Album machen, mit dem Your Smith trotz ihres eher schüchtern wirkenden Auftretens beste Voraussetzungen dafür geschaffen hat, sich im diesjährigen Pop-Herbst in den Vordergrund zu drängen – auch an der selbstbewussten Konkurrenz vorbei.
Highlights
- Change of heart
- Telephone line (Hanging up all my hopes)
- Peaches
- Down the line
Tracklist
- Change of heart
- Telephone line (Hanging up all my hopes)
- Leaving you
- Hey there's my girl
- Christina
- Smooth talker
- Mr. Revival
- Little highways
- Lyin'
- Peaches
- Stranger
- Down the line
- Love me again
Gesamtspielzeit: 42:49 min.
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