Coralie Clément - Salle des pas perdus

Coralie Clément- Salle des pas perdus

Capitol / EMI
VÖ: 15.03.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Sein der Leichtigkeit

Daß wir Chauvinisten aber auch alles gleich immer durch den Gender-Fleischwolf drehen müssen. Egal, ob frau nun rockröhrt oder nur behutsam ins Mikrophon säuselt, stets vermuten wir gleich eine bestimmte Message hinter der Stimme. Die klassische Hermeneutik: Was will uns die Künstlerin damit sagen? Was sollte man aber auch denken, wenn Coralie Clément auf "Salle des pas perdus" unbeschwert aus den Lautsprechern flüstert, als sei alle Schwermut der Welt vergessen. Was soll man auch anderes denken, wenn sie auf dem Foto des Album-Covers in knalligem Rot mit vollen Lippen naiv in die Linse starrt, so als wolle sie den Betrachter lolitamäßig in die Kiste kriegen? Und im Innenteil setzt sich das ganze fort. Bedeutungsschwanger starrt sie weg von der Kamera, in mattem grau legt sie sich die Hand vors Kinn, als wollte sie sagen: "Mon nom ne vous dit rien." Mein Name wird Dir nichts sagen.

Noch nicht, denn schon bald könnte Coralie Clément sich einfügen in die frankophone Tradition der leichten Muse. Und das liegt nicht so sehr an der Geste, als vielmehr an der Musik. Coralie Clément flüstert zu zärtlichen Melodiechen, als wäre die Welt aus Watte und Zuckerguß. Jazz mischt sich mit Bossanova, die Quintessenz ist der neue alte französische Chanson. "Salle des pas perdus" strahlt dreizehn Mal mit unbeschwerter Leichtigkeit in jazzigem Wohlklang. Produziert wurde das Ganze von Cléments Bruder, gleichzeitig Speerspitze der France-Pop-Bewegung: Benjamin Biolay. Was soll man also anderes denken, wenn Coralie mit sanfter Erotik zu Midtempo-Bossanova flüstert, immer nur flüstert? Über allem schwebt die - beizeiten unerträgliche - Leichtigkeit des Seins.

Das Licht nur leicht gedimmt, die Stimmung nicht nackt sondern kurz vor oder nach dem Sex. Alles ist ruhig und alles ist voll von Liebe, richtiger Liebe. Coralie Clément klingt wie die Fortsetzung von Isobel Campbell mit anderen Mitteln und noch mehr Harmlosigkeit. Oft ist es anstrengend, wie Coralie Clément vor sich hinsäuselt. Und man würde ihr dann vielleicht gerne erzählen, daß alles nicht so einfach ist in der Welt: Zombiefilmchen zeigen, oder einen zehnteiligen Videoband des zweiten Weltkrieges. Aber das wäre gemein, und dann würde sie bestimmt nicht weiterhin so frühlingshafte Stücke wie "Ça valait la peine" oder " A l'occasion tu souris" zaubern. Aber sich wenigstens zum wohl allerersten Mal in ihrem Leben erschrecken.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Ça valait la peine
  • A l'occasion tu souris

Tracklist

  1. Salle des pas perdus
  2. L'ombre et la lumière
  3. Ça valait la peine
  4. Contradiction
  5. La mer opal
  6. A l'occasion tu souris
  7. Samba de mon coeur qui bat
  8. Ces matins d'été
  9. Dernier train
  10. Lou
  11. Jazz et le gin
  12. Bientôt
  13. Mes fenêtres donnent sur la cour

Gesamtspielzeit: 39:38 min.

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