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Gruff Rhys - Dim probs

Gruff Rhys- Dim probs

Rock Action / PIAS / Rough Trade
VÖ: 12.09.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Es tut gleichmäßig weh

Gruff Rhys ist ein ziemlich umtriebiger Mensch. Bekannt wurde er in den 1990er-Jahren als Sänger und Songwriter von Super Furry Animals, die mit ihrem eklektischen Stil zwischen Psychedelia, Elektronik und walisischer Folklore zentrale Impulse der Cool-Cymru-Bewegung setzten – einer kulturellen Strömung in Wales Mitte der 1990er- und frühen 2000er-Jahre, die sich vor allem in der Pop- und Rockmusik, aber auch im Film und in der Literatur zeigte. Eine Strömung, die sich als Gegenentwurf zu "Cool Britannia" trotz des reichlich sperrig anmutenden walisischen Idioms auch außerhalb des United Kingdom durchsetzen und etablieren konnte. Seit 2005 verfolgt Rhys eine parallele Solokarriere und hat mal eben acht vollwertige Alben in weniger als 20 Jahren rausgehauen. Charakteristisch bei Rhys ist die Verbindung von formaler Experimentierfreude mit einem konsequenten Sinn für melodische Eingängigkeit. Rhys nutzt seine Kompositionen, um historische Mythen, gesellschaftliche Konflikte oder politische Dysfunktionalitäten in ästhetisch zugänglicher Form zu verhandeln. Zentral bleibt dabei die Ambivalenz von Melancholie und Leichtigkeit, die seine Musik gleichermaßen analytisch wie tröstend wirken lässt. Und das überrascht in seinen verschiedenen Ausprägungen immer wieder, wie schon Thomas Bästlein beim 2024er-Album "Sadness sets me free" feststellte: "Bei einer neuen Platte von Gruff Rhys sollte man immer a) erst einmal in Ruhe reinhören und b) das Unerwartete erwarten", schreibt er. Und das stimmt.

Denn auf "Dim probs" erfindet er sich mal wieder neu, und zwar mit einem ziemlich konsequenten Bekenntnis zur Einfachheit und zum rückwärtsgewandten Vintage-Sound. Die Instrumentierung darf man getrost als spartanisch betrachten: Eine wichtige Rolle auf diesem Album spielen zischelnde und puckernde Vintage-Drumcomputer, wie man sie aus alten Farfisa-Orgeln der 1970er-Jahre kennt. Dazu gibt's manchmal noch echtes Schlagzeug, homöopathische Dosen von Sounds verwichener Synthesizer – und ansonsten hauptsächlich Gitarre und Gesang. Wer also ein orchestral oder reichhaltig instrumentiertes Werk erwartet hat, der kann dieses Album getrost links liegen lassen. Der Opener "Pan ddaw'r haul i fore" wirkt wegen ungewöhnlicher Instrumentierung und der sonor-kratzigen Stimme von Rhys wie ein eigentümliches Zwitterwesen aus Sigur Rós und Bill Callahan – wenn da eben nicht dieser merkwürdige Vintage-Drumcomputer wäre, den weder die Isländer noch der Singer-Songwriter aus Maryland jemals benutzen würden. Und so geht es im Prinzip dann auch weiter: Die Kompositionen erinnern in ihrer Simplizität häufig an die eingängigen "Kinder"-Stücke von Mark Oliver Everett / Eels – und beim (ersten) oberflächlichen Hören kann sich sogar durchaus eine gepflegte Langeweile einstellen, denn es gibt weder dynamische noch kompositorische Höhepunkte. Sondern eher eine durchgehende, reichlich melancholische Klanglandschaft, die mal hier, mal dort, einen kleinen Exkurs wagt, aber stets wieder zum Ursprung zurückfindet.

Es wäre aber ein großer Fehler, dieses Album vorschnell abzuhaken, denn bei längerer Beschäftigung mit den zwölf Tracks stellt sich eine ebenso angenehme wie hypnotische und zwingende Sogwirkung ein. Und man entdeckt bei wiederholtem Hören viele feine Details – sei es der waghalsige harmonische Ritt durch den Quintenzirkel in "Slaw" oder auch die verwunschen-irisierende Akkordarbeit in "Dos amdani". Hinzu kommt, dass alle Stücke enorm verdichtet und im besten Sinne schlackenlos daherkommen: Im Schnitt beträgt die Spielzeit pro Song deutlich unter drei Minuten; Rhys walzt also keine Idee länger aus als unbedingt nötig. Das erinnert in seiner Skizzenhaftigkeit – ja, schon wieder – an den späten Bill Callahan. Während Callahan jedoch eine streng-akustische, amerikanische Klangwelt aus kargen Wüstenlandschaften und staubiger Rust-Belt-Ödnis heraufbeschwört, zeigt sich Rhys hier auf numinose Weise ungebunden von Ort und Zeit. Unerwartete Akkordwechsel statt Herumreiten auf zwei Harmonien, noch dazu der Mix aus archaischer Elektronik und präzise-rhythmischer Gitarrenarbeit: Das zieht einen mehr und mehr in einen äußerst angenehmen Strudel hinein, aus dem man nicht herausfindet – und auch gar nicht herausfinden will. Eins steht fest: "Dim probs" widersetzt sich nachgerade störrisch allen zeitgenössischen Rezepten für kommerziellen Erfolg. Aber vielleicht bleibt es gerade deshalb so schön hängen in den Hirnwindungen.

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • Taro #1 + #2
  • Dos amdani
  • Gadael fi fynd
  • Slaw

Tracklist

  1. Pan ddaw'r haul i fore
  2. Cân i'r cymylau
  3. Saf ar dy sedd
  4. Taro #1 + #2
  5. Dos amdani
  6. Chwyn chwyldroadol!
  7. Cyflafan
  8. Dim probs
  9. Adar gwyn
  10. Gadael fi fynd
  11. Slaw
  12. Acw

Gesamtspielzeit: 35:12 min.

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User Beitrag

MickHead

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Registriert seit 21.01.2024

2025-09-17 10:49:20 Uhr
Laut.de 4/5

https://laut.de/Gruff-Rhys/Alben/Dim-Probs-125865

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2025-09-15 21:19:32 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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MickHead

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Registriert seit 21.01.2024

2025-09-12 11:47:49 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:

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MickHead

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Registriert seit 21.01.2024

2025-08-13 20:22:43 Uhr
2. Song "Taro #1 + #2"

https://youtu.be/4_YvhUuSjf8?si=hC5xiO5IiGjl_DSP

MickHead

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Registriert seit 21.01.2024

2025-06-12 20:05:37 Uhr
Der walisische Musiker "Gruff Rhys" aus Haverfordwest, Pembrokeshire, (Member der Welsh Rockband Super Furry Animals), kündigt für den 26.09. (Digital 12.09.) das 9. Studioalbum "Dim Probs" an. (Das Zweite komplett in walisische Sprache, seit "Pang!" Von 2019). Es folgt auf "Sadness Sets Me Free" von 2024.

Erster Song "Chwyn Chwyldroadol!"

https://youtu.be/hIO0BM6i6IE?si=XR9fci5Z-NO2ZhRt

Tracklist:

1) Pan Ddaw’r Haul I Fore
2) Cân I’r Cymylau
3) Saf Ar Dy Sedd
4) Taro #1 + #2
5) Dos Amdani
6) Chwyn Chwyldroadol!
7) Cyflafan
8) Dim Probs
9) Adar Gwyn
10) Gadael Fi Fynd
11) Slaw
12) Acw
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