Ava Max - Don't click play
Atlantic / Warner
VÖ: 22.08.2025
Unsere Bewertung: 4/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Versprochen ist versprochen
Im Albanischen gibt es die schöne Redensart "Gjuha kocka s'ka, kocka thyen", was sich in etwa als "Die Zunge hat keine Knochen, aber sie bricht Knochen" übersetzen lässt. Amanda Ava Koçi – oder eben Ava Max – dürfte diesen Spruch mit Sicherheit kennen. Auch wenn sie selbst Mitte der Neunziger in den USA geboren wurde und ebendort aufwuchs, gaben ihr die beiden Elternteile nicht nur deren Muttersprache, sondern auch viele weitere Facetten der reichhaltigen Balkankultur von Kindheit an mit. Musikalisch sind diese Einflüsse auf ihren Alben zwar nur an vereinzelten Punkten unter der Lupe zu erkennen, aber auch ohne diese Bezüge gibt der Erfolg Ava Max erstmal recht. Das Debüt "Heaven & hell" liefert mit "Sweet but psycho" direkt einen Welthit und bringt die damals 24-Jährige über Nacht auf die – schon damals erfreulich länger werdende – Liste der promising young women der Popmusik. In diesem Alter ist gefühlt alles erstmal ein Versuch und dann bestenfalls ein Versprechen. Mit Studioalbum Nummer drei jedoch bestehen Erwartungen, vielleicht sogar Verpflichtungen. Und so sehr Ava sich in deren Angesicht um Leichtigkeit bemüht, so richtig abkaufen tut man sie ihr nicht.
"It must suck to be my ex / 'Cause after me / Where do you go next?" oder auch "I'm in my villain era", sagt sie beispielsweise betont selbstbewusst im gleichnamigen Fillerstück "Sucks to be my ex". Das wirkt zwar vordergründig nach breiten Schultern und den zuvor angeschnittenen Knochenbrecherfähigkeiten, sendet aber hauptsächlich das Signal, doch nur nochmal nachtreten zu wollen – obwohl gar kein Schienbein mehr zum Treffen da ist. Und so ermüdend es ist, bei Interpretinnen andauernd nachzubohren, ob auch ja genug Empowerment in ihren Werken ausgestrahlt wird, lädt man sich derartige Debatten mit einem halbgaren Standpunkt wie hier schlicht selbst auf. Die Single "Wet hot american dream" macht das ein bisschen cleverer: "I'm not like all them cowgirls / Unless you want me to be" dreht genau diesen Spieß um. Was zunächst so devot klingt, wird durch ein opulent produziertes "Die Show bin ich"-Gefühl umgeworfen. Das ist ein schöner, aber doch seltener Moment der Überraschung auf dieser Platte.
Ava Max hat im Verlauf zu häufig das Problem, dass es ihre Songansätze schon in deutlich besseren Versionen anderswo gibt und ihre Künstlerpersona dann leider nicht stark genug ausgefeilt ist, um diese trotzdem interessant zu machen. Alles irgendwie zwei Schuhgrößen zu viel, zu schnell zu viel Höhenluft bekommen. Jedoch gibt es durchaus Potenziale, um dies zu korrigieren: Der mit Abstand stärkste Titel des Albums "Take my call" fällt zwar auch erstmal in die Kategorie "B-Seite bei Daft Punk", aber ihr Flow beim Upbeat ist mitreißend und ihr Vortrag auch bei höheren Silbenmengen erschreckend clean. Zusätzlich ist es natürlich auch ein eleganter Powermove, den eigenen Song "Hold up (Wait a minute)" dafür zu samplen. Im Gegenzug dazu ist diese gerade gelobte Kontrolle in ihrer Stimme bei allen Stücken, die in etwas Balladeskes hinein lehnen, eine gezogene Handbremse. Zumal man sich dann scheinbar auch nur bei dem Titel "World's smallest violin" länger als eine halbe Stunde Gedanken über die Lyrics gemacht hat. Alles in allem ist "Don't click play" nun wohl die endgültige Weichenstellung zwischen mittelmäßig interessantem Fanservice oder eben Fundgrube für Versprechen, die es weiterhin einzulösen gilt.
Highlights
- Take my call
Tracklist
- Don't click play
- How can I dance
- Lovin myself
- Sucks to be my ex
- Wet hot american dream
- Take my call
- Know somebody
- Lost your faith
- Fight for me
- Skin in the game
- World's smallest violin
- Catch my breath
Gesamtspielzeit: 34:43 min.
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