Arjen Anthony Lucassen - Songs no one will hear
InsideOut / Sony
VÖ: 12.09.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Apocalypse now
Schluss. Aus. Ende Gelände. Feierabend. In fünf Wochen geht hier das Licht aus, wenn ein Asteroid die Erde zerschmettert. Hier winkt keiner mit einem Handtuch, um zufällig von einem intergalaktischen Transporter eingesammelt zu werden, und selbst die Delphine haben sich nicht vorher verkrümelt. Arjen Anthony Lucassen hat sich schon optimistischere Szenarien in seiner Karriere ausgedacht, auch wenn er mit seinem Hauptprojekt Ayreon immer mal wieder mit dem Gedanken spielt, was denn so passiert, wenn es denn endgültig passiert. Doch mit "Songs no one will hear" beschäftigt sich der Niederländer erstmalig auf Albumlänge mit der Idee, dass die Menschheit noch exakt fünf Monate zu leben hat. Nun ist Lucassen nicht unbedingt als depressiver Dystopiker verschrien – ein bisschen Ironie, ein bisschen Augenzwinkern darf schon dabei sein.
Die zweite kleine Falle, die Lucassen hier stellt: Nur weil "Songs no one will hear" das erste Soloalbum seit "Lost in the new real" aus dem Jahr 2012 ist, heißt das noch lange nicht, dass er auf die Stilmittel von Ayreon komplett verzichtet. Ein bisschen weniger Bombast bei dennoch gewohnt wuchtiger Produktion, nur ein paar handverlesene Gastmusiker statt der sonst üblichen längeren Liste, das muss reichen. Und das tut es. Denn in erster Linie ist der Niederländer ein begnadeter Songwriter und Storyteller. Eingeläutet von einem kurzen Intro, beginnt "The clock ticks down" getragen, entfaltet aber mit zunehmender Dauer immer mehr Wucht. Und mal ehrlich, ohne die Jansen-Schwestern Floor und Irene, ohne Marcela Bovio und Robert Soeterboek würde irgendwas fehlen, oder?
Doch Lucassen kann auch bitterböse. Denn natürlich gibt es auch in seiner Geschichte die Realitätsverweigerer, die Querdenker, die auf "Goddamn conspiracy" die Existenz des Asteroiden selbst dann noch verleugnen, als er schon am Himmel zu erkennen ist. Dann schon lieber die wilde Party, die "Shaggathon" einläutet, nach dem Motto: Wenn hier eh bald Schluss ist, kann man's auch gleich richtig krachen lassen. Doch mit "We'll never know" folgt die Ernüchterung – glücklicherweise nur in der Story, denn offensichtlich kann Lucassen schreiben, was er will. Sobald er die Bühne einer Ausnahmesängerin wie Floor Jansen überlässt, wird es großartig.
Schade nur, dass "Dr. Slumber's blue bus" wenig Neues bringt und "Just not today" mehr überlanges Intro als eigenständiger Song ist. Doch "Our final song" ist alleine aus Sicht der Story ein derartiger No-Brainer für den Abschluss der Story, dass auch über 15 Minuten nichts schief gehen kann, egal, ob es sich um den Aufbau eines passenden Spannungsbogen handelt oder um das richtige Maß an Bombast. Auch wenn der Song statt mit dem sonst gewohnten Prog-Gewitter eher nachdenklich ausgeht. Doch wenn man auf diesem Niveau jammern kann, hat Arjen Anthony Lucassen wieder einmal mehr alles richtig gemacht. Und wer weiß, vielleicht hilft das auch dabei, die zuletzt arg aufgepumpten Produktionen mit Ayreon ein klein wenig zu verschlanken. Dafür ist dann auch mehr als fünf Monate Zeit.
Highlights
- The clock ticks down
- We'll never know
- Our final song
Tracklist
- End of the world show
- The clock ticks down
- Goddamn conspiracy
- The universe has other plans
- Shaggathon
- We'll never know
- Dr. Slumber's blue bus
- Just not today
- Our final song
Gesamtspielzeit: 50:26 min.
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Referenzen
Ayreon; Star One; Guilt Machine; Dream Theater; Vanden Plas; Yes; Dead Soul Tribe; Marillion; Threshold; Everon; Enchant; Jadis; Spock's Beard; Deep Purple; The Quill; Arena; Porcupine Tree; Shadow Gallery; Symphony X; Opeth; The Gathering; Transatlantic; After Forever; The Cotton Soeterboek Band; The Cancer Conspiracy; Anekdoten; Oceansize; Coheed And Cambria
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