Justin Bieber - SWAG II
ILH / Def Jam / Universal
VÖ: 05.09.2025
Unsere Bewertung: 4/10
Eure Ø-Bewertung: 2/10
Alles ein Song?
"Das klingt ja alles gleich!": Spätestens seit einer anno 1996 geäußerten Unmutsbekundung auf einem Neil-Young-Konzert einer der meistformulierten Vorwürfe in der Welt der Popmusik. Justin Biebers Album "SWAG" konnte man in dieser Hinsicht nur mit viel Fantasie anklagen. Recht abwechslungsreich tönte die solide Mischung aus Hochglanz-R'n'B, gitarrenbasierten Stücken und Interludes. Aber eben auch inkonsistent, mehr wie eine lose Trackansammlung gemäß dem Motto "So könnte ich zukünftig klingen, so aber auch!" denn als LP mit einem roten Faden. Ob es diese Abwechslung war, die jemanden anderswo eines der "besten Alben des Jahres" hören ließ? Und Pitchfork, einst so elitär wirkend, Bieber zu dessen musikalischer "Befreiung" gratulieren ließ? Möglich. Warum "SWAG" in seiner Gesamtheit so großartig sei, konnte der überschwängliche Teil der Rezensionen jedenfalls nicht so recht argumentativ unterfüttern. Im Hause Def Jam freut man sich dennoch sehr über den "kulturellen Einfluss", den die LP ausgeübt habe. Und wirbt mit dieser gewagten Behauptung für den weniger als zwei Monate später gedroppten Nachfolger. Albumtitel- und cover fallen wenig kreativ aus: "SWAG II" ist auf diesmal rosafarbenem Hintergrund zu lesen. Leider reiht sich die Musik hinsichtlich Kreativität nahtlos in die Covergestaltung ein.
All denjenigen Beliebern, denen die 54 Minuten "SWAG" zu viel waren, zeigt "Pop's youngest elder statesman" (O-Ton Pitchfork) die lange Nase: 73 Minuten müssen es diesmal sein. Dann aber bitte abermals 73 Minuten voller Skits mit druskischer Beteiligung und so noch nie vom ehemaligen Teeniestar gehörten Songs wie der Lagerfeuer-Ballade "Devotion"? Nein, auch nicht. Die den Albumfluss des ersten Teils ausbremsenden, aber dennoch nicht unspannenden Unterhaltungen müssen weichen, die wenigen funkelnden Pop-Perlen ebenso. Auch all diejenigen, die auf eine autotunebefreite Version des großartigen "Yukon" gehofft hatten, werden enttäuscht. Fast durchweg säuselt und hechelt sich Bieber im "SWAG"-Sequel durch R'n'B-Einerlei. Das sorgt für eine größere musikalische Homogenität, aber eben auch für Langeweile.
Im Gegensatz zum Vorgänger werden die besten Songs nicht gleich zu Beginn verbraten, sondern verstecken sich in der Albummitte: Das Trio aus "Eye candy", "Don't wanna (feat. Bakar)" und "Bad honey" sorgt für keinen musikalischen Bruch, bietet aber die mitreißendsten Melodien. Ersterer Song bekommt von der Produzentenschar einen schicken Keyboard-Akkord und ein sehr geschmackvolles Drum'n'Bass-Fundament spendiert, das der lyrische Magerkost abliefernde Superstar nicht niederreißen kann. Um Lust und Liebe geht es auf dem Quasi-Konzeptalbum fast durchweg. Und selbstverständlich wird man im Boulevard jeden bieberschen Allgemeinplatz biografisch zu deuten wissen: "I might just go give you my loving, uh! / I might give you a piece of my mind, uh!", das muss sich doch auf die vorletzte Versöhnung zwischen Justin und Hailey beziehen, oder? Jedenfalls sollen die Texte eines vermitteln: Den Biebers geht es gut. Um das zu unterstreichen, fügt der Kanadier dem Promomaterial ein Bild seiner Familie bei. Nun gut, immerhin hängt er seinen Sohn nicht zum Hotelfenster heraus. Apropos: Biebers Gesangslinie im groovigen "Don't wanna" kann nur als Hommage an den einstigen King of Pop gewertet werden. Und ja, das klingt gut. Dennoch wird die viel zu lange LP allenfalls einen kulturellen Einfluss in Radiostationen mit den vermeintlich biggsten Beats, Autoscootern, Supermärkten und Fashionketten-Filialen ausüben.
Die vorherige musikalische und lyrische Einheitlichkeit wird ganz zum Schluss doch noch aufgebrochen: Mehr als siebeneinhalb Minuten lang erzählt der allerchristlichste Musiker zu Synthesizerklängen seine Version der "Story of God". Bieber schlüpft in die Rolle von Adam, schwärmt von der Friedlichkeit des Gartens Eden und selbstverständlich von Eva: "And Eve, when I look at her, I finally understand what God meant when He said: Very good!" Die gottesfürchtigen Spoken Words klingen wie eine Audiobewerbung für den kommenden Bibelfilm von New Hollywoods frommstem Filmschaffendem. Allerdings sollte Bieber Terrence Malick für eine erfolgreiche Bewerbung lieber kein vorangegangenes Liedgut wie "Petting zoo" zusenden. Doch was, wenn der Ausnahmeregisseur dennoch weitere "SWAG II"-Tracks verlangt? Vielleicht könnte sich Bieber beim Audioversand für den unverfänglichen "Love song" entscheiden. Und eine weitere Lied-Anfrage Malicks selbstironisch mit einem legendären Zitat eines unverschämten Zwischenrufers eines Neil-Young-Konzerts ablehnen: "They all sound the same!"
Highlights
- Eye candy
- Don't wanna (feat. Bakar)
- Bad honey
Tracklist
- Speed demon
- Better man
- Love song
- I do
- I think you're special (feat. Tems)
- Mother in you
- Witchya
- Eye candy
- Don't wanna (feat. Bakar)
- Bad honey
- Need it
- Oh man
- Poppin' my shit (feat. Hurricane Chris)
- All the way
- Petting zoo
- Moving fast
- Safe space (feat. Lil B)
- Lyin'
- Dotted line
- Open up your heart (feat. Eddie Benjamin)
- When it's over
- Everything Hallelujah
- Story of God
Gesamtspielzeit: 73:19 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30697 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-09-15 21:15:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30697 Registriert seit 08.01.2012 |
2025-09-05 18:22:36 Uhr - Newsbeitrag
JUSTIN BIEBER VERÖFFENTLICHT DEN ZWEITEN TEIL SEINES ALBUMS MIT „SWAG II““Justin Bieber Is Standing on Business With Swag” – Vulture “When Bieber finds common ground between his pop training and progressive ear, magic happens” – The New York Times “Swag is the most cohesive and fully formed (read: best) Bieber album yet” – Billboard “The record delivers on years of promise and potential; it feels, miraculously, like his longawaited magnum opus.” – The New Yorker “the musical energy and imagination here is Bieber at his most confident.” – Rolling Stone “it’s a reset in every way, an intentionally loose set of songs that still contain strong hooks, and show his voice to be as supple and soulful as ever.” – Variety “congratulations to Justin Bieber on his graduation—liberation” – Pitchfork “its sheer creativity and daring means that ‘SWAG’ (just about) justifies its breadth.” – CLASH “offering a nuanced, deeply personal exploration of manhood, healing and self-reckoning” – Hypebeast Hier das aktuelle Video „First Place“ anschauen: Der mit einem GRAMMY® Award ausgezeichnete weltweite Superstar Justin Bieber ist zurück mit „SWAG II“, das jetzt bei Def Jam Recordings erschienen ist. Nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung seines von Kritikern gefeierten, chartstürmenden Albums „SWAG“ setzt Bieber seinen kreativen Schwung mit einem kühnen neuen Werk fort, das die Energie, Kreativität und kulturelle Wirkung seines Vorgängers noch verstärkt. Das neue 23-Track-Projekt wurde von Justin Bieber in Zusammenarbeit mit Carter Lang, Dylan Wiggins, Dijon, mk.gee, Daniel Chetrit, Eddie Benjamin, Mike Will, Camper und anderen produziert. Nach seiner Veröffentlichung im Juli debütierte „SWAG“ als das weltweit meistverkaufte Album und landete auf Platz 1 der Top Streaming-, Pop- und R&B-Albumcharts. Damit ist es das 10. Album in den Billboard 200 Top 5 in Biebers Karriere und sein 50. Billboard Global 200-Hit. Das Album führte sowohl die Spotify- als auch die Apple Music-Albumcharts an und erreichte Platz 1 in über 100 Ländern weltweit. Der herausragende Titel „DAISIES“ erreichte Platz 1 der US- und globalen Song-Charts von Spotify und führte die US-Charts nach seiner Veröffentlichung 7 Tage lang an. Er erreichte außerdem Platz 1 der Apple Music Top 100 Global Charts und blieb dort 7 Tage lang nach der Veröffentlichung. Er erreichte außerdem Platz 1 der Apple Music Top 100 Global Charts und blieb seitdem dort, was ihn zum weltweit meistgehörten Song macht. SWAG II TRACKLIST: 1.SPEED DEMON 2.BETTER MAN 3.LOVE SONG 4.I DO 5.I THINK YOU’RE SPECIAL 6.MOTHER IN YOU 7.WITCHYA 8.EYE CANDY 9.DON’T WANNA 10. BAD HONEY 11. NEED IT 12. OH MAN 13. POPPIN’ MY S*** 14. ALL THE WAY 15. PETTING ZOO 16. MOVING FAST 17. SAFE SPACE 18. LYIN’ 19. DOTTED LINE 20. OPEN UP YOUR HEART 21. WHEN IT’S OVER 22. EVERYTHING HALLELUJAH 23. STORY OF GOD |
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Referenzen
Drake; Zayn; The Weeknd; Cash Cobain; The-Dream; Khalid; Travis Scott; Prince; Michael Jackson; Justin Timberlake; Halsey; SZA; Kehlani; Wizkid; Nick Jonas; Shawn Mendes; John Legend; Miguel; Kelela; Saba; Bruno Mars; Migos; Chance the Rapper; Frank Ocean; Bilal; Jamila Woods; Mk.gee
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