Die Höchste Eisenbahn - Wenn wir uns wieder sehen schreien wir uns wieder an
Mila / Indigo
VÖ: 12.09.2025
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Verzeihliche Verspätung
"Montag, Dienstag, Mittwoch sind meine Bürotage / Da kann ich leider nicht / Aber Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag / Bin ich da", heißt es im Song "Bürotage" auf dem neuen Album von Die Höchste Eisenbahn. Einer strengen chronologischen Ordnung haben sich die vier Bandmitglieder in den vergangenen Jahren allerdings gerade nicht unterworfen, denn auf die jeweils im hübsch verlässlichen Drei-Jahres-Rhythmus veröffentlichten ersten drei Alben folgte eine durchaus ausgiebige Auszeit. Wobei: Explizit pausiert hat keiner der vier Herrschaften, denn allerlei anderweitige kreative Verlockungen, Herausforderungen und Verpflichtungen hielten Francesco Wilking, Moritz Krämer, Max Schröder und Felix Weigt für eine geraume Zeit davon ab, sich endlich wieder den Lokführerhut aufzusetzen. Und dann gab es da ja auch noch diese Sache mit Corona. Sechs lange Jahre nach "Ich glaub Dir alles" hat das Warten nun allerdings ein Ende, "Wenn wir uns wieder sehen schreien wir uns an" liefert gleich 14 neue Stücke, die einerseits mit frischen Ideen und andererseits im bewährten Soundgewand daherkommen.
Zwanzig Sekunden sind maximal nötig, um zu wissen, in welchem Kosmos man sich hier befindet. "Seit Du weg bist" ist der perfekte Einstieg in eine gute Dreiviertelstunde, in der lakonische Momente auf beschwingte treffen, lyrische Feinheiten für unpeinliche Reime sorgen und eine unverwechselbare Stimmung erzeugt wird, die in dieser Form wohl tatsächlich nur Die Höchste Eisenbahn hinbekommen. Wer bei der Band Furcht vor halbgaren Wortspielereien hat, muss sich nicht sorgen. Die Musiker selbst spielen mit entsprechender Symbolik: "Die Bahn fährt heute die ganze Nacht / Und ich bin nach Mitternacht immer noch wach", singt Moritz Krämer im Stück – welch Überraschung – "Die Bahn". Wie gewohnt legen sich die vier Künstler grundsätzlich nicht auf ein Tempo oder eine starre Herangehensweise fest. So folgt beispielsweise auf das beschwingte "Bürotage" das ruhigere "Alles was ich Dir sagen wollte", angereichert durch Posaunentöne von Nina Thöni. Und wer "Gitarre Ärztin Blau" (was für ein Titel!) oder "Ich komm gleich nach" hört, der darf getrost an den Begriff "Hit" denken.
Was über die gesamte Länge dieses wirklich runden vierten Albums einmal mehr deutlich wird: Die Kombination aus Francesco Wilking und Moritz Krämer an den Mikrofonen bleibt schlicht eine Wucht. Ohnehin haben sich hier vier Vollblutmusiker gefunden, die hörbar ihren zuweilen diebischen Spaß an der gemeinsamen Kunst ausleben. Max Schröder und Felix Weigt könnten dabei angesichts der Präsenz der beiden singenden Kollegen schnell mal ein wenig an den Rand gedrängt werden, aber eben das ist nicht statthaft: Ihr Anteil am Gesamtwerk ist keinesfalls zu unterschätzen. Und auch der Spannungsbogen, den man beim Vorgänger etwas vermisste, ist hier souverän wiedergefunden worden. Unbestritten sind zudem die Live-Qualitäten der Band, und dank vieler der 14 neuen Kompositionen hat sich die schon zuvor üppige Auswahl für die Setlist noch einmal entscheidend vergrößert. Also: Alle einsteigen und Vorsicht an der Bühnenkante.
Highlights
- Seit Du weg bist
- Hotpants
- Gitarre Ärztin Blau
- Ich komm gleich nach
Tracklist
- Seit Du weg bist
- Die Bahn
- Bürotage
- Alles was ich Dir sagen wollte
- Hotpants
- Dieses Leben
- Gitarre Ärztin Blau
- Ich seh Dich an und ich seh mich
- Heimlich
- Morgens gehts Dir gut
- Wir machen uns fertig
- Ich komm gleich nach
- Von jedem Anfang
Gesamtspielzeit: 46:45 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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jo Postings: 7735 Registriert seit 13.06.2013 |
2025-12-21 10:42:11 Uhr
Schon ein wirklich gutes Album. |
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MickHead Postings: 11419 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-11-14 10:55:56 Uhr
Gaesteliste.dehttps://gaesteliste.de/2025/11/14/review/die-hoechste-eisenbahn-wenn-wir-uns-wieder-sehen-schreien-wir-uns-wieder-an/ |
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MickHead Postings: 11419 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-09-19 09:59:10 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mco_j0dwmX_9-nWO1l-nrIHyco1MQx8jo&si=98R1gxhxXTZkmN_8 Laut.de 4/5 https://laut.de/Die-Hoechste-Eisenbahn/Alben/Wenn-Wir-Uns-Wieder-Sehen-Schreien-Wir-Uns-Wieder-An-125867 Platten vor Gericht https://plattenvorgericht.blogspot.com/2025/09/die-hochste-eisenbahn-wenn-wir-uns.html?m=1 |
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Grizzly Adams Postings: 6725 Registriert seit 22.08.2019 |
2025-09-17 18:12:44 Uhr
@Libertine: Es sind 14 Songs. Also 2-4 weniger.Ja, kann ich aktuell verstehen. Bin aber guter Hoffnung, dass auch der Rest im Albumkontext noch wächst. Ist nur ein Gefühl, aber ich höre hier mehr Nachhaltiges. Zumindest ging es mir damals beim Debüt auch schon so. Heute möchte ich davon kein Lied missen. Bei den beiden Alben dazwischen war und ist es definitiv anders. |
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The Libertine Postings: 434 Registriert seit 29.08.2022 |
2025-09-17 17:46:40 Uhr
"Ich seh dich an und ich seh mich" vielleicht der beste Song. "Alles was ich Dir sagen wollte" - auch toll. Vor allem die Phrasierungen in den Stophen. "Die Bahn" ist neben den Singles noch der weitere Hit. Insgesamt hätten sie es schon so auf 10 oder sagen wir maximal 12 Songs komprimieren können, aber ein 07/10 ist das hier dann doch auf jeden Fall. Wir haben so lange nachgedacht, bis wir müde waren ist und bleibt für mich der Klassiker. Aber ein solide-gutes Eisenbahn Album ist im Vergleich zu anderen deutschprachigen Alben natürlich ein Hochgenuss. Ist für mich auch besser als Golden Years von Tocotronic, was sich bei mir leider gar nicht gehalten hat. Finde sogar, das ist ein absolutes Lowlight ihrer Diskografie. Bzw. ist die Motivation die Platte häufiger zu hören einfach nicht da. |
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Referenzen
Francesco Wilking; Tele; Moritz Krämer; Der Hund Marie; Max Schröder & Das Love; Wolfgang Müller; Gisbert zu Knyphausen; Bergen; Wir Sind Helden; Spaceman Spiff; Kid Kopphausen; Olli Schulz; Staring Girl; Erdmöbel; ClickClickDecker; Jona Steinbach; Philipp Poisel; Niels Frevert; Timid Tiger; Max Herre; Paul Simon; Hall & Oates; Talking Heads; Toto; Johnny Hates Jazz; Chris De Burgh; 10CC; Rio Reiser; Jan Plewka; Purple Schulz; Münchener Freiheit; Stefan Gwildis; Stefan Waggershausen; Spandau Ballet; Prefab Sprout; Crowded House; Fleetwood Mac; Steely Dan; Supertramp; Steve Miller Band; Aztec Camera; The Lightning Seeds; Guillemots; Fyfe Dangerfield; Ben Folds; Blumfeld
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