Fujii Kaze - Prema
Republic / Universal
VÖ: 05.09.2025
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
Furries und Zuckerwatte
"Doko ni ikō, Hachikō?", fragt der wasserstoffblonde Typ im Hundekostüm und tanzt dazu. In grammatikalisch eher freiem Japanisch heißt das in etwa: "Wohin sollen wir gehen, Hachikō?" Dabei ist es bei dem gleichnamigen Akita-Hund eben gerade das Ding, dass er nirgendwo hingeht – sondern treu auf seinen verstorbenen Herrn wartet, der niemals zurückkehren wird. Die herzzerreißende Geschichte ist weltbekannt, hat unter anderem einen Film mit Richard Gere inspiriert, und die Bronzestatue des Vierbeiners am Bahnhof Shibuya ist weiterhin einer der beliebtesten Insta-Spots für Japans seit Jahren ungezügelten Tourist*innenansturm. Der Typ im Hundekostüm aus dem Musikvideo heißt Kazuyuki Fujii, besser bekannt als Fujii Kaze. Und sein "Hachikō"-Song ist feinster perlender Dance-Pop, den man einfach als das bezeichnen muss, was er ist: smooth. As. Fuck. Mit seinem Drittwerk "Prema" will der J-Popstar, von eingangs erwähnter Zeile abgesehen, nun auch den englischsprachigen Markt erobern. Und für den Schritt auf die Weltbühne entfernt der Künstler sich ein gutes Stück von dem Keyboard-fixierten Jazz-Pop seiner ersten beiden, auf Japanisch eingesungenen Alben.
Denkt man an J-Pop-Klischees, verbindet man damit einen grellbunten und bisweilen chaotischen, zahlreiche Genres aufgreifenden Stil-Mix, Anime-Openings oder auch eine oftmals toxische Industrie, die sich ganz um so genannte "Idols" dreht. Chaotisch ist an "Prema" allerdings erst mal nichts: Es handelt sich schlicht um dicht instrumentierte und clean produzierte Pop-Musik mit nicht zu überhörenden Funk-, R&B- und Soul-Einflüssen sowie äußerst prägnanter 80er-Prägung. Also nichts, was beispielsweise Justin Timberlake, Pharrell Williams oder viele andere nicht schon x-fach durchgespielt hätten. Fujii aber, und da liegt der Hase im Pfeffer, hält locker mit den Weltstars mit. Stimmlich erinnert er nicht selten gar an Incubus' Brandon Boyd, croont auch fast genauso schön – wenn er nicht seinen inneren George Michael von der Leine und passend dazu auch den Sound wie Zuckerwatte zerfließen lässt.
"I need u back" bastelt eher trashigere 80er-Vibes an seinen Backstreet-Boys-Refrain, gniedelnde Käsegitarre und fliegende Drumfills inklusive. Noch übertriebener – also je nach persönlichen Vorlieben: geiler – macht es die zweite Single "Love like this", der der Schmalz aus allen Poren quillt, die aber knapp vor "Last Christmas" noch die Kurve kriegt. An der künstlerischen Vision besteht kein Zweifel, die Umsetzung lässt kein Quäntchen Konsequenz vermissen: Das, was Fujii darstellen will, gelingt ihm ausgezeichnet. "Okay, goodbye" ist ein weiterer Song, bei dem es schwerfällt, sich nicht anstecken zu lassen – selbst wenn es insgeheim vielleicht doch ein bisschen peinlich ist. "Forever young" (leider kein Alphaville-Cover) treibt die Glitzerdisko schließlich auf die Spitze, während lediglich der Titeltrack kürzere kunstvolle Passagen unterbringt.
Als zentnerschwere Kalorienbombe ist "Prema" aber im Endeffekt trotzdem nicht ganz sättigend: "It ain't over" zum Beispiel dümpelt ein bisschen ziellos durch die Soulballaden-Grundschule. Blickt man jedoch hinter die Aufmachung, zeigt sich: Fujii hat zwar ein riesiges internationales "cult following", ist allerdings weniger "Idol" – eine Art hochkommerzialisiertes Produkt, das eine besondere Fan-Nähe suggeriert, die oft in einem regelrechten Personenkult endet – als vielmehr ein ernstzunehmender Musiker, mit dem jetzt eben leicht die Mainstream-Aspirationen durchgehen. Selbstverständlich waren an seinem Album zahlreiche nordamerikanische Songwriter beteiligt, und man hört dem Künstler auch jederzeit deutlich an, dass er nicht in seiner Muttersprache singt. Die Übersetzung von japanischem "City-Pop" in westliche (amerikanische) Arrangements aber funktioniert erstaunlich oft – sofern man nicht allzu allergisch auf Süßstoffe reagiert.
Highlights
- Hachikō
- Love like this
- Okay, goodbye
Tracklist
- Casket girl
- I need u back
- Hachikō
- Love like this
- Prema
- It ain't over
- You
- Okay, goodbye
- Forever young
Gesamtspielzeit: 39:46 min.
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Referenzen
George Michael; Wham!; Stevie Wonder; Pharrell Williams; Justin Timberlake; Daniel Johns; Jamiroquai; Kenshi Yonezu; Yuuri; Imase; Gen Hoshino; Vaundy; Rick Astley; Simply Red; Tatsuya Kitani; Natori; Bruno Mars; Brandon Boyd; The Weeknd; John Legend; Michael Jackson; Prince; Dominic Fike; Radwimps; Sekai No Owari; One Ok Rock; Take That; Robbie Williams; Boy George; Backstreet Boys; Ed Sheeran; Justin Bieber; Nothing But Thieves; Incubus; Jason Mraz; Duran Duran; Mark Ronson; Marvin Gaye; Gnarls Barkley; David Hasselhoff; Kool & The Gang
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